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Neustart in der ambulanten Suchtberatungsstelle

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
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Ein offenes Angebot für von Sucht betroffene Menschen: Mechtild Weins und Jörg Seigies von der Beratungsstelle bieten eine ambulante Therapie an. Foto: Patrick Nowicki

Stolberg/Eschweiler. Hans W. trinkt. Seit 31 Jahren greift der Familienvater zur Flasche. Lenkte ihn der Alkohol anfangs von seinen Problemen ab, so verlangte später immer wieder der Körper danach. Täglich. Inzwischen ist der 47-Jährige trocken, doch in ihm schlummert nach wie vor die Krankheit.

Der „Dämon”, wie viele Betroffene sagen. Und Hans W. gilt nicht als Einzelfall, das weiß er inzwischen. Regelmäßig trifft er sich bei der Suchtberatungsstelle in Eschweiler mit anderen Kranken.

Viele Gespräche

Ambulante Therapie nennt sich das Angebot dort. Dahinter verbergen sich viele Gespräche in der Gruppe und einzeln. Die Grundvoraussetzung für die Teilnahme ist eine völlige Abstinenz. „Oft ist es so, dass die Menschen zwar kurzzeitig ohne Suchtmittel auskommen, die Probleme aber geblieben sind”, berichtet Jörg Seigies.

Der Diplom-Sozialpädagoge arbeitet als Suchtberater an der Bergrather Straße, wo sich seit etwas mehr als einem Jahr die Beratungsstelle für Stolberg und Eschweiler befindet.

Diese Zusatzqualifikation wird vom Rententräger und den Krankenkassen verlangt. Sie übernehmen nämlich die Kosten für die therapeutische Behandlung.

Einmal in der Woche nimmt Hans W. an den Gruppensitzungen teil. Mit ihm schildern elf weitere Menschen ihre Lebensgeschichte, die sich so völlig von seiner unterscheidet und doch in einer Sucht endete.

Zwei Therapeuten beteiligen sich an der Gesprächsrunde, strukturieren Gedanken und geben Anstöße. Hans W. musste nie in eine Klinik, um sich von der Flasche zu lösen. Zum Glück. Und doch lauert immer wieder die Gefahr, rückfällig zu werden.

„Dort setzen wir an”, betont Mechtild Weins, eine weitere Diplom-Sozialarbeiterin und Suchttherapeutin in der Beratungsstelle.

In zwei Gruppen werden die Suchtkranken ambulant betreut, denn nicht jeder schaffte es ohne klinischen Druck, abstinent zu leben. Die zweite Therapiegruppe nimmt die Menschen auf, die sich einer stationären Entwöhnungskur unterzogen haben.

Zu den derzeit zehn Alkoholkranken gesellen sich zwei Abhängige von illegalen Drogen und zwei Medikamentensüchtige. Hinter den Kulissen findet die intensive Einzelbetreuung statt - meistens über ein Jahr lang.

„Die Sucht zählt zu den am besten zu behandelnden chronischen Krankheiten”, sagt Mechtild Weins. Dennoch bleibt eine deutliche Rückfallquote.

Auch während der Therapie kann es zu Rückschlägen kommen, die der Therapeut dann gemeinsam mit dem Patienten aufarbeitet. Dies hat jedoch seine Grenzen: „Wenn wir feststellen, dass eine ambulante Therapie keine Erfolgsaussichten hat, dann brechen wir sie auch ab”, so die Therapeutin.

Dann muss gemeinsam nach einem anderen Weg gesucht werden.

In einem solchen Fall hilft das engmaschige Netzwerk in Kreis und Stadt Aachen, denn nicht für alle Suchtformen ist die Beratungsstelle des Diakonischen Werkes zuständig. „Aber wir können immer bei der Kontaktaufnahme zur richtigen Stelle helfen”, so Jörg Seigies. Auch die Formalitäten vor einer Therapie übernehmen die Mitarbeiter der Suchtberatungsstelle, schließlich sind dann zahlreiche Formulare auszufüllen.

Welche Vorteile ein ambulantes Angebot liefert, liegt auf der Hand: Die Betroffenen müssen ihr gewohntes Umfeld nicht für längere Zeit verlassen und können auch einer Arbeit nachgehen. Ersteres zählt vor allem für Hans W., der weiter bei seiner Familie wohnt und zudem bei einer Aachener Firma tätig ist. Natürlich sind auch die Kosten eines stationären Aufenthalts wesentlich höher.

Seit drei Jahren besteht die so genannte ambulante medizinische Rehabilitation. In 2007 nahmen 31 Personen an einer Betreuung nach einem Klinikaufenthalt teil, 15 Menschen nutzten die ambulante Therapie.

Ein Angebot, das sich also bewährt hat, auch wenn sich das Suchtverhalten wandelt: Die Zahl der Cannabis- und Amphetamin-Abhängigen wächst. Die Aufklärung über Gefahren von Alkohol in Schulen hingegen zeigt erste Erfolge.
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