Stolberg - Neue Fragen aufgeworfen mit dem Lichterbrunnen

Neue Fragen aufgeworfen mit dem Lichterbrunnen

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Ein Stück Lichterbrunnen und der Stein des Anstoßes an der Buschstraße: Der Aufbau auf die Halle soll nie genehmigt worden sein und wegen der Nutzung als Werkstatt soll Familie Iljazi ein Gutachten beauftragen.

Stolberg. Hat die Stadt Stolberg nicht nur den Lichterbrunnen in vergessen, als sie das Anwesen an der Buschstraße 1999 an die Wohnungsgenossenschaft verkaufte, sondern hat die Stadt auch verschwiegen, dass dort eine Altlasten-Verdachtsfläche besteht?

Hat sie gar bei der Übernahme der Immobilie das zuvor ansässige Unternehmen von der Erkundung und möglichen Beseitigung von Altlasten entlastet? Oder hat die Stolberger Wohnungsgenossenschaft bei ihrem direkten Weiterverkauf der Immobilie die Altlast übersehen?

Diese und weitere Fragen drängen sich dem heutigen Eigentümer auf, nachdem er den Bescheid zu einem Bauantrag auf Umnutzung eines ehemals gewerblich genutzten Anbaus in Wohnraum erhalten hat. Anstelle der erhofften und für unproblematisch in Aussicht gestellten Genehmigung hat das Ehepaar Nafije und Isuf Iljazi vom Umweltamt der Städteregion die Auflage erhalten, in Abstimmung mit der Behörde durch einen unabhängigen Gutachter eine Gefährdungsabschätzung vornehmen zu lassen.

Das Grundstück sei unter der Nummer 5203/1438 als ,Altstandort Kfz-Werkstatt” verzeichnet, erklärt die Städteregion: „Es ist bekannt, dass neben der Lagerung von wassergefährdenden Stoffen in der Halle sich auch eine Tankstelle auf dem Grundstück befand”. Davon könnten Gefahren für das Grundwasser oder durch kontaminierte Gebäudeteile für die Gesundheit ausgehen.

Eine kostenintensive Neuigkeit, die die Familie Iljazi kurz vor der Sitzung des Rechnungsprüfungsausschusses erreichte, in dem über die Rückgabe des Lichterbrunnens beraten wurde. Kurzerhand untersagte auch Isuf Iljazi den Abtransport des Kunstwerkes, dem er längst zugestimmt hatte, ins Rathaus, wo die Verwaltung die nahezu komplett vorhandenen Einzelteile des Lichterbrunnens dem Ausschuss demonstrativ vorlegen wollte.

Ausbau als Wohnraum geplant

Glücklich war die Familie 1999 gewesen, als sie das Anwesen relativ günstig von der WoGe erwerben konnte. „Es bot viel Gelegenheit, es selbst auszubauen”, erinnert sich Isuf Iljazi. Einige Zeit später fingen Nafije und Isuf damit an, dekorierten den Garten mit den vorgefundenen, mit Glas gefüllten Edelstahl-Trägern, denen sie zunächst keine Bedeutung beimessen konnten, und später mit dem Ausbau des Obergeschosses der angebauten Halle mit Betonböden und -decken.

Zimmer für die Kinder sollen hier einmal entstehen. Doch ein Arbeitskollege machte den Zentis-Mitarbeiter auf das komplizierte deutsche Recht aufmerksam. „Es ist vielleicht besser, wenn Du mal nach einer Genehmigung fragst”, gab er dem Stolberger mit auf den Weg.

Da war es für Isuf Iljazi eine glückliche Fügung des Schicksals, als sich einige Zeit später die Stadt nach dem Kunstwerk in seinem Garten erkundete. „Kein Problem, das könnt ihr haben”, beteuert Iljazi von Anfang an einer Herausgabe zugestimmt zu haben. Allerdings hätte er als Gegenleistung auch gerne den Ausbau seines Anbaus auf rechtlich sicherem Boden gewusst. „Kein Problem” schien das zunächst für die Verwaltung gewesen zu sein, berichtet der Stolberger. Doch schneller als gedacht, wurde dies zu einem Problem.

Denn es stellte sich heraus, dass für das Obergeschoss des Anbaus nie eine Genehmigung erteilt worden sei. Pflichtbewusst folgten die Iljazis dem Rat der Verwaltung, schalteten einen Architekten ein und reichten ganz formal einen Bauantrag ein zur „Dachsanierung und Nutzungsänderung des ehemals gewerblich genutzten zweigeschossigen Anbaus in eine Wohnung”. Kein Problem signalisierten auch alle beteiligten Behörden mit Ausnahme der Abteilung Bodenschutz/Altlasten der Städteregion. Die schaute vorschriftsgemäß in ihr Altlasten-Verdachtskataster, entdeckte den Eintrag-Nr. 5203/1438 „Altstandort Kfz-Werkstatt” und formulierte die übliche Auflage.

„Das kann doch nicht alles mit rechten Dingen zugehen”, wundert sich heute die Familie. „Warum verkauft die WoGe oder die Stadt ein Grundstück mit Altlasten-Verdacht ohne darauf hinzuweisen?” fragt Isuf Iljazi. „Warum wurde das Grundstück nicht vernünftig hinterlassen?” Das sei doch schließlich nicht seine Altlast. Und mehr Geld als gedacht habe er schon in den Ausbau stecken müssen, ohne dass sich etwas bewegt - zuerst für den Architekten und nun soll er auch noch einen Gutachter bezahlen.

In diese Szenerie fügt sich für die Familie wie der letzte Stein ins Puzzle der Beschluss der Stadt, auf einmal auf den Lichterbrunnen verzichten zu wollen. „Dabei waren wir uns vom ersten Tag an einig, dass sie das Kunstwerk zurück haben kann”, wunderst sich Isuf Iljazi heute über „das plötzliche Desinteresse.”

Derweil fristen die Teile des Lichterbrunnens ihr Schicksal im Garten an der Buschstraße. Die drei Edelmetallbögen, ihre drei dreieckigen Füße, der Glasstein besetzte zentrale Zylinder. Nur das mittlere Edelstahlrohr fehlt - und ein paar Glasbrocken aus den Bögen, denn die hat Nafije Iljazi zwischen die Blumen im Garten drapiert, denn „das sieht schön aus.”
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