Neue AVV-Tarife: Kurzstrecke reicht nur noch vier Haltestellen weit

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Kundenfreundliche Gewohnheiten sind adé: Der Bus fährt nur noch vier Haltestellen, die Euregiobahn gar nicht mehr zum Kurzstrecken-Tarif.

Stolberg. Ab Sonntag muss man als Buskunde bis vier zählen können. Mit dem Fahrplanwechsel zum 9. Juni beginnt ein neues Zeitalter in der Kupferstadt insbesondere für die Nutzer des Aachener Verkehrsverbundes (AVV), die auf Zeitkarten verzichten und eher gelegentlich mit dem Bus fahren. Denn ab Sonntag gehören die bisherigen Kurzstrecken-Bereiche im Stadtgebiet der Vergangenheit an.

Die waren über Jahre hinweg bequem und übersichtlich für die Stolberger. Eine Tarifeinheit war die Kernstadt (Gebiet 29) – von Schwarzenbruch über Steinfurt bis zum Donnerberg hinauf, über den Derichsberg bis Vicht Brücke und weiter über Büsbach, Münsterbusch bis zum Sebastianusweg. Weitere Kurzstreckenbereiche umfassten Breinig, Breinigerberg, Venwegen und Dorff (30); Werth, Gressenich, Schevenhütte und Mausbach (31) sowie Vicht und Zweifall (32). Innerhalb dieses Tarifbereiches kostet die Einzelfahrt noch 1,60 Euro – bis inklusive Samstag. Ab Sonntag wird die Fahrt preiswerter – und kürzer.

1,50 Euro kostet dann die Kurzstrecke mit dem neuen „Flugs-Ticket“. Mit dem ist das preiswerte Angebot auch flugs zu Ende – in der Regel bei der vierten Haltestelle nach dem Einsteigen. Dort endet am Sonntag die Kurzstrecke. Wer weiter will, muss gleich einen Fahrschein der Preisstufe 1 erstehen zum Preis von 2,55 Euro.

Die neue Regelung hat Konsequenzen – insbesondere für alle die Kunden, die von den benachbarten Höhenlagen „mal eben“ in die Innenstadt mit dem Bus fahren wollen. Das konnten sie bislang zum Kurzstrecken-Tarif machen: von Vicht Brücke aus, vom Tiefental, von Atsch Dreieck, von der Hans-Böckler-Straße, vom Tulpenweg, vom Seniorenzentrum oder von Büsbach aus. Ab Sonntag nicht mehr, dann zahlen sie 2,55 Euro statt 1,50 bzw. heute noch 1,60 Euro. Für diese Summe fährt man nun fast nur im eigenen Dorf.

Beispiel Büsbach Kirche in Richtung Stolberg: Mit dem Flugs-Ticket erreicht man nach vier Haltestellen mit den Linien25 und 125 „Büsbacher Berg“, mit den Linien 42 und 62 „Liester“; in Gegenrichtung geht‘s bis zur „Elgermühle“ (25, 125), aber auch bis Dorff (42). Beispiel Mühlener Bahnhof: Mit dem „Flugs-Ticket“ erreicht man – je nach Fahrtrichtung die Haltestellen Finkensief (Linie 1, 8, 25, 61), Zinkhütter Hof (12, 40, 42, 62), Krankenhaus (62), Vogelsang (72), Schneidmühle (1, 22, 25, 61), Goepelschacht (12, 48), Breslauer Straße (42) und Nikolausstraße (8, 42). Das bedeutet, dass die großen Wohnbereiche am Rande des Tales und die Innenstadt nicht mehr zum günstigen Kurzstrecken-, sondern nur noch zur Preisstufe 1 erreichbar sind.

„Früher konnte ich mit einer Kurzstreckenkarte von der Prämienstraße bis zum Hauptbahnhof fahren“, sagt AVV-Kunde Georg Ganser. „Jetzt gilt aber eine Kurzstreckenkarte nur für vier Haltestellen, ich komme also noch nicht einmal bis in die Stadtmitte“. Dafür muss er jetzt eine Fahrkarte für 2,55 Euro kaufen, was einer Steigerung von 70 Prozent entspreche: „Ich finde das nicht nur unverschämt, die neue Kurzstreckenregelung wird den Kunden auch noch als eine tolle Neuerung verkauft“, sagt Ganser.

Das bisher innenstadt-umfassende „Kurzstrecken-Gebiet war ein ,lex specialis‘ für Stolberg“, sagt Hans-Joachim Sistenich. „Die neue Struktur soll mehr Transparenz in das Tarifsystem bringen“, erklärt der AVV-Geschäftsführer. Einerseits orientiert sich die Staffelung nun an den Grenzen des Stadtgebietes, innerhalb dessen man zu einem einheitlichen Preis (2,55 Euro) verkehren kann. „Und mit dem 4er-Ticket (9,20 Euro) liegt der Preis für eine Fahrt bei 2,30 Euro“; wirbt Sistenich. Andererseits sollen „für kurze Strecken auch kleinere Preise“ entrichtet werden, währende „weite Strecken auch teurer“ sind.

„Wir wissen, dass das Thema nicht unsensibel ist“, so Sistenich weiter, aber nach intensiver Diskussion brachten die Beiräte auf regionaler Ebene und bei den Unternehmen wie auch die Verbandsversammlung des AVV das neue Preissystem auf den Weg. „Dabei gibt es Gewinner wie auch Verlierer“, sagt der AVV-Geschäftsführer und verweist auf Vorteile auch in Stolberg Stadtgebiet.

Die wiederum sind vorwiegend auf den Dörfern dort zu finden, wo innerhalb des Stadtgebietes bisherige Preisgrenzen überschritten wurden. Dann zählt beispielsweise zwischen Vicht und Mausbach nicht mehr die Preisstufe 1, sondern der Kurzstreckentarif über die nächste vier Haltestellen hinweg.

Beispiel Vicht Brücke: Mit dem Flugs-Ticket erreicht man je nach Fahrtrichtung die Haltestellen „Binsfeldhammer“ (1), „Breinigerberg“ (15, 42) sowie „Dechant-Brock-Straße“ (1, 15), „Bürgermeisteramt“ (42) und „Jägersfahrt“ (8, 42) – wobei für 1,50 Euro bisherige Preisgrenzen (2,55 Euro) überschritten werden.

Auch Euregiobahn betroffen

Eine weitere Neuregelung macht sich insbesondere in der Kupferstadt bemerkbar: Die Kurzstreckentarife sollen nicht mehr für die Euregiobahn gelten. Vorbei sind ab Sonntag die Zeiten, in denen man analog zum Bus für heute 1,60 Euro vom Haltepunkt Altstadt bequem und schnell mit dem Zug zum Hauptbahnhof kam. Für Bahnfahrten gilt fortan mindestens die Preisstufe 1 (2,55 Euro).

Je nach örtlichen Gegebenheiten oder Streckenführungen kann es punktuelle Abweichungen geben. Um Buskunden den Durchblick durch die neue Preisstaffel verständlicher zu machen, sollen bis zum Fahrplanwechsel am Sonntag alle Haltestellen mit einer neuen Übersicht ausgestattet werden. Darauf sind dann für jede einzelne Linie die Haltestellen innerhalb des Flugs-Tarifs in Rot ebenso aufgelistet, wie andersfarbig die nächsten Ziele (und Preisstufen 1: 2,55 Euro; 2: 3,40 Euro; 3: 5,10 Euro; 4: 8 Euro).

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