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„Namen-Steine” für jüdische Grabmale

Von: Dirk Müller
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Viele Stolberger Bürger gedac
Viele Stolberger Bürger gedachten feierlich der Opfer der Pogromnächte und des Holocausts an dem jüdischen Friedhof am Turmblick/Trockener Weiher und legten in jüdischer Tradition Steine an den Grabmalen nieder. Foto: D. Müller

Stolberg. Schon die Verlesung des Funkspruchs, den der damalige Stolberger Stadtinspektor Kleinen vom Landratsamt erhielt, sorgte für Betroffenheit.

„Ab heute 10 Uhr ... hat kein Jude den Laden zu verlassen. Wer trotzdem die Wohnung verlässt, soll in Haft genommen werden”, endet die vom Regierungspräsidenten am Morgen des 10.11.1938 ausgesprochene Anweisung. Es war der Morgen nach der Reichspogromnacht, mit der die systematische Vernichtung von Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland und Europa begann.

„In dieser Nacht hielt das Grauen Einzug in unser Heimatland”, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin Hildegard Nießen bei der Gedenkveranstaltung, die das Stolberger Bündnis gegen Radikalismus organisiert hatte - erstmalig nicht vor dem ehamaligen jüdischen Gebetshaus am Steinweg, sondern an dem jüdischen Friedhof am Turmblick. Viele Stolberger Bürger nahmen an der Veranstaltung teil und gedachten der Opfer des Holocausts. „Die Welt ist ärmer geworden ohne sie. Das Schicksal der Menschen darf nicht in Vergessenheit geraten, und den Verstorbenen mit ihren Namen und ihrer Geschichte heute zu gedenken, ist wichtig, es hält sie in unserer Erinnerung lebendig”, erklärte Nießen.

In seinem Vortrag „Ein jüdischer Friedhof ist anders...” erläuterte Ralf Dallmann, dass die Begräbnisstätte nicht wie nach christlichem Verständnis der letzten Ruhe des Körpers dient: „Ein jüdischer Friedhof ist eine Zwischenstation, an der die Verstorbenen verweilen, bis sie mit Leib und Seele auferstehen.” Dallmann erläuterte zudem die Ausrichtung der Gräber und die Inschriften der Grabsteine. Der Geschichte des jüdischen Friedhofs am Trockenen Weiher und seinem Vorgänger an der Katzhecke widmete sich Karen Lange-Rehberg, und zwischen den Redebeiträgen der von Hanne Zakowski moderierten Gedenkveranstaltung trug das Flöten-Duo Filipa Sacher und Katharina Henk israelische Lieder vor.

Beispielhaft erinnerte Nino Bündgen an die Stolberger Familie Faber, und Lange-Rehberg an die Stolberger Familie Höflich, deren Grabstätten auf dem Friedhof zu finden sind. 16 der 27 Gräber am Turmblick sind heute noch namentlich zuzuordnen, von den Kogelshäuser-Schülern David Castro Borrego, Remus Zainia und Nino Bündgen wurden diese mit den dazugehörigen Geburts- und Todesdaten andächtig verlesen.

Die Schüler hatten sich im Vorfeld intensiv mit den Pogromnächten und dem Holocaust befasst - und zwar nicht nur theoretisch: Ein Artikel für die Schülerzeitung „KogelStreetNews” ist daraus entstanden, und zur Gedenkveranstaltung hatten die Schüler Steine mit den Namen der Verstorbenen beschriftet, die von den Kupferstädter Bürgern in jüdischer Tradition auf die Grabsteine gelegt wurden, nachdem Hanne Zakowski Verse aus dem Talmud verlesen hatte.
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