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Nachwuchs fehlt: Handwerk sucht verzweifelt Lehrlinge

Von: Ottmar Hansen
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Der frisch gebackene Geselle, Marcel Cryns, bei seiner beruflichen Tätigkeit: Er wartet eine moderne Heizungsanlage. Foto: O. Hansen

Stolberg. Marcel Cryns hat es geschafft. Nach dreieinhalb Jahren Ausbildungszeit hält er seinen Gesellenbrief in den Händen. Und die Zukunft ist gesichert. Sein Chef wird ihn auch weiter beschäftigen. Das liegt nicht nur daran, dass In­stallateurmeister Michael Kehlenbeck große Stücke auf seinen neuen Gesellen hält.

Kehlenbeck ist froh, dass sein Betrieb über genügend Fachkräfte verfügt. In seiner Branche herrscht großer Nachwuchsmangel.

Im Bereich der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik kann derzeit nur jede zweite offene Stelle besetzt werden. „Eines Tages werden wir für einen guten Handwerker mehr bezahlen müssen als für einen Arzt“, fürchtet Michael Kehlenbeck. Seine Mannschaft an Heizungsmonteuren hat er auch nur deshalb zusammen bekommen, weil er die Leute selbst ausbildet.

Marcel Cryns hat seinen Hauptschulabschluss an der Kogelshäuserschule gemacht. Die Noten waren nicht herausragend. Die haben Michael Kehlenbeck aber auch nur sekundär interessiert. Der Schüler hatte ein einjähriges Schulpraktikum in seinem Betrieb gemacht. Jeweils einen Tag die Woche war Marcel Cryns mit den Monteuren draußen bei der Kundschaft, wenn eine neue Heizung installiert oder ein undichter Wasserhahn repariert werden musste. Dabei hat der Meister gesehen, dass sein Praktikant mit anpacken konnte und Spaß an der Arbeit hatte. Das zählte. Marcel Cryns bekam die Lehrstelle.

„Der Beruf des Installateurs für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik ist sehr abwechslungsreich“, sagt Marcel Cryns. Von der tropfenden Toilette bis zur hochmodernen Gas-Brennwertheizung mit elektronischer Steuerung muss der Fachmann alles draufhaben. „Jetzt beginnt die Zeit, in der man seine Erfahrungen sammelt“, gibt Meister Kehlenbeck seinem neuen Gesellen mit auf den Weg. „Vor allem technisches Verständnis ist sehr wichtig.“

Etliche Klassenkameraden von Marcel Cryns haben den Weg in den Beruf noch nicht geschafft. Manche besuchen das Berufsorientierungsjahr auf dem Berufskolleg. Junge Leute und Handwerksbetriebe finden immer seltener zusammen. Dabei gibt es in den Berufen Kältetechnik, Bauelektrik, Mechatronik oder auch in der Fachkranken- und Altenpflege zahlreiche offene Stellen. Fachkräfte werden überall gesucht.

Siegfried Pietz, im Berufskolleg der Städteregion in Eschweiler für den Fachbereich der Anlagenmechaniker zuständig und damit zuletzt auch Lehrer von Marcel Cryns, spricht von „riesigen Nachwuchsproblemen“ im Handwerk und vor allem auf dem Bau. „Wir müssen einfach mehr junge Leute für den Job im Handwerk interessieren.“ Aber wie? „Der Markt alleine regelt es offenbar nicht“, stellt Pietz fest.

Mehr ausgebildete Handwerker sollten sich und ihren Beruf in der Berufsschule vorstellen. Innung und Kammer sollten intensiver auf die Schüler zugehen. Gleiches gelte für Arbeitsamt und freie Träger. Die Schule müsse noch engeren Kontakt zu Betrieben halten, um ihre Schützlinge in einen Beruf zu vermitteln. Das gelte auch für Schü­lerinnen, die manchmal ebenfalls im Handwerk ihren Traumberuf fänden, so Pietz.

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