Nach Todesfall: Feuerwehr verbietet Cold-Water-Spiele

Von: Ottmar Hansen
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Die Löschgruppe Donnerberg war zur Cold Water Challenge herausgefordert worden. Mit Wasserdruck beförderten sie einen Ball durch ein Herz aus Schläuchen. Foto: Screenshot
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Der Leiter der Stolberger Feuerwehr, Andreas Dovern, hat den Wehrleuten die Teilnahme an den Cold Water Spielen verboten. Foto: D. Kinkel

Stolberg. Die Feuerwehr in Stolberg wird sich nicht mehr an Mutproben im Internet beteiligen. Der Leiter der Rettungswache und der Freiwilligen Feuerwehr, Andreas Dovern, hat den 590 Wehrleuten (darunter 55 hauptamtlich tätige) untersagt, Aufgaben bei der „Cold Water Challenge“ zu lösen oder zu stellen.

Die Mutproben nach dem Kettenbrief-System waren zunächst in den USA aufgekommen, zuletzt aber auch in Deutschland immer beliebter geworden. Wer im Internet bei You Tube den Begriff Cold Water Challenge eintippt, landet unzählige Treffer.

Vor allem die Freiwilligen Feuerwehren machten von Anfang an begeistert mit. Die Mitglieder der Wehren lieferten sich zunächst Wasserschlachten. Sie fuhren später mit ihren Schlauchbooten durch Auto-Waschanlagen. Bei einer Mutprobe ließ sich eine Feuerwehrmann per Drehleiter in die Luft heben und dann an einem Seil hängend von einem Wasserstrahl immer wieder drehen. Eine nicht ganz ungefährliche Aktion. Die ganze Aktion wurde gefilmt und ins Netz gestellt. Verbunden mit der Nominierung der nächsten Wehr, die 48 Stunden Zeit hatte, eine gestellte Aufgabe zu lösen. Wer die Aufgabe nicht lösen konnte, musste den Herausforderer zum Grillen einladen.

Großer Spaß

Eigentlich ein großer Spaß für alle Beteiligten. Der womöglich auch helfen sollte, Nachwuchs für die Feuerwehr zu gewinnen. Erst mit dem dramatischen Todesfall von Isselburg vor gut einer Woche wurde das vermeintlich harmlose Spielchen überall publik. 14 Mitglieder eines Kegelclubs sollten in Isselburg im Rahmen des CWC an einem Biertisch sitzend von einem Bagger mit 2000 Liter kaltem Wasser übergossen werden. Doch die gefüllte Schaufel war zu schwer, der Bagger kippte vorne über. Ein Familienvater (34) war sofort tot, fünf weitere Männer wurden zum Teil schwer verletzt.

Scharf kritisiert

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) kritisierte die Wettbewerbe daraufhin scharf. Bei der Stolberger Feuerwehr war die Teilnahme an den Cold Water Wettbewerben bereits vor sechs Wochen verboten worden. Gleich nachdem die Löschgruppe Donnerberg eine eher harmlose „Mutprobe“ ins Netz gestellt hatte. Die Wehrleute aus Donnerberg hatten einen Fußball per Wasserdruck durch ein „Herz“ aus auf dem Boden ausgelegten Schläuchen bugsiert. Andreas Dovern: „Wir schließen uns aber der Empfehlung des Feuerwehrverbandes NRW und der Unfallkassen an und nehmen nicht mehr an diesen Wettbewerben teil.“ Nicht nur, um die Gesundheit der Feuerwehrleute vor Ort zu schützen. Einen Unfall gab es in der Kupferstadt bei den Wettspielen bislang noch nicht. Dovern: „Wir müssen schließlich aber auch verantwortungsvoll mit den Steuergeldern umgehen.“

Wie der Fall in Isselburg zeigt, sind aber auch Vereine Fans der Cold Water Challenge. In der Nachbarstadt wurden bereits die Original Eschweiler herausgefordert, die in einem kalten Wasserpool auftraten. „Die Weisweiler“ sprangen in den kalten Blausteinsee. Die Scharwache sitzt auf ihrem Video mit den Füßen in einem Planschbecken - in einer Kneipe.

Oft werden auch Karnevals- und Schützenvereine zur Challenge herausgefordert. Ein generelles, gesetzliches Verbot der Teilnahme an den Cold Water-Spielen gibt es in Nordrhein-Westfalen nicht. Wer mitmacht, trägt insofern selbst die Verantwortung dafür, dass er, wie die Mitglieder des Kegelclubs in Isselburg, womöglich sein Leben aufs Spiel setzt.

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