Muslimische Kinder pauken und beten

Von: Daniel Gerhards
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Religionsunterricht für muslimische Kinder: Die Landesregierung hat dafür die Voraussetzungen geschaffen. Das Fach hingegen gibt es schon länger an der Grundschule Prämienstraße. Foto: dpa

Stolberg. Wenn Tülin Bozkir eine Frage stellt, braucht sie nicht lange auf Antworten zu warten. Sofort gehen viele Finger in der Klasse hoch. Alle Schüler wollen antworten. Das Thema interessiert sie scheinbar brennend: Es geht um den Islam. 29 Kinder aus dem zweiten Schuljahr der Grundschule Prämienstraßen haben bei Bozkir islamischen Religionsunterricht.

Dass muslimische Kinder Religionsunterricht haben, ist neu. Gerade hat die Landesregierung die Voraussetzungen dafür geschaffen. Seit dem laufenden Schuljahr darf an den Grundschulen des Landes das Fach Religion auch für muslimische Kinder unterrichtet werden.

In der Stunde geht es um den Propheten Mohammed. Es geht um die Frage was ein Prophet ist, wie Mohammed gelebt hat und ob es weitere Propheten geben kann. Unterrichtet wird auf Deutsch. Das Glaubensbekenntnis sollen die Kinder auf Deutsch und Arabisch beherrschen. „Wir wollen ja alle Kinder muslimischen Glaubens erreichen“, sagt Bozkir.

Dass der Islam im Unterricht thematisiert wird, ist an der Grundschule in Münsterbusch nicht neu. Schon länger gibt es dort das Fach Islamkunde. Den Unterschied macht Schulleiter Günter Jansen an einem Beispiel klar: Wenn es um die „Wohltätigkeit“ – eine der fünf Säulen des Islam – geht, könne in der Islamkunde über wohltätiges Verhalten gesprochen werden.

Im islamischen Religionsunterricht könne man beispielsweise auch eine Spendensammlung organisieren. „Das ist es, was die Religion ausmacht. Sie für das Leben nutzbar zu machen“, sagt Jansen. Zudem kann Bozkir mit den Kindern im islamischen Religionsunterricht auch beten. Das ist im Islamkundeunterricht nicht möglich.

Um das Fach unterrichten zu dürfen, müssen sich die Lehrer einem Beirat stellen. Es gibt derzeit noch keine ausgebildeten Lehrer für islamischen Religionsunterricht. Aber: Man kann das Fach nun studieren. In NRW allerdings nur in Münster. Bozkir hat eigentlich Germanistik studiert. Sie ist seit 16 Jahren Lehrerin und hat lange Zeit Migrantenkinder in ihrer Muttersprache unterrichtet.

„Der islamische Beirat gibt die Lehrerlaubnis. Ich hatte dort ein halbstündiges Gespräch“, sagt sie. Wichtig ist auch, dass die Lehrer selber ein Glaubensbekenntnis ablegen müssen. Für die Islamkunde ist das nicht nötig. Doch für den islamischen wie etwa auch für den katholischen Religionsunterricht gilt: Der Lehrer muss die Religion auch praktizieren.

Der Religionsunterricht für muslimische Kinder hat für Jansen auch einen „integrativen Aspekt“. Es gehe darum, „den Menschen, die da sind, etwas anzubieten. Auch in Bezug auf ihre Religion“, sagt er. Das gehöre zur „Teilhabe“. An einer Schule mit einem sehr hohen Anteil muslimischer Kinder ist dies auch ein Stück Gleichberechtigung. An der Grundschule Prämienstraße sind die Muslime in der Mehrzahl: Es gibt 111 Kinder muslimischen Glauben, 93 katholische und 28 evangelische Kinder. „Das ist ein Argument für den islamischen Religionsunterricht“, sagt Jansen.

Der Religionsunterricht bringe auch jedes Kind persönlich weiter: „Das fördert die Identitätsfindung und das Selbstbewusstsein“, sagt Jansen. Dieser Punkt ist auch für Tülin Bozkir wichtig: „Die Religion ist ein Thema, das die Kinder zu Hause leben und das nun auch in der Schule besprochen wird. Sie können ein Stück von zu Hause in der Schule wiedererkennen“, sagt sie.

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