„Motivationsboni”: 35.000 Euro als Dankeschön an die Fußballer

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
Nicht nur für den Strom kommt
Nicht nur für den Strom kommt die Stadt bei ihren von Vereinen genutzten Sportanlagen auf. Auch die Kosten für Wasser, Heizung und Abfallentsorgung werden übernommen. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Bei dieser „Altlast” geht es ausnahmsweise einmal nicht um die Hinterlassenschaften der industriellen Blütezeit in Stolberg.

Es ist vielmehr der im August 2005 vom Rat beschlossene und noch bis Ende 2015 gültige Vertrag über die Nutzungsbedingungen von städtischen Sportstätten, der als Relikt aus der Vergangenheit den städtischen Haushalt der Gegenwart belastet, weil er manchem Fußballverein auch in diesem Jahr eine zusätzliche Einnahme beschert. Insgesamt 35 019 Euro sind als „Motivationsboni” für das zurückliegende Jahr eingestellt. Mit diesen sollen die Klubs dafür belohnt werden, dass sie bei Training und Spielen ihren Beitrag zur Senkung der Kosten für Energie, Wasser und Abfallentsorgung auf städtischen Anlagen geleistet haben.

„Eigenverantwortliche Nutzung” nennt sich offiziell die Regelung, die unter Punkt 7.1. festgehalten ist. Demnach werden Vereine grundsätzlich mit mindestens 50 Prozent an der Ausgabenreduzierung beteiligt. Weitere „Zuschläge” gibt es je nach Anzahl der beim Fußball-Verband Mittelrhein gemeldeten Nachwuchsmannschaften: Ab fünf Jugendteams werden weitere zehn Prozent fällig, ab zehn 20 und ab 15 sogar 30 Prozent. Diese Hürde überwindet allerdings alleine der SV Breinig, dem für 2011 somit 4114,66 von der laut Verwaltung erzielten Einsparung von 5143,32 Euro überwiesen werden.

Den Spitzenplatz nimmt der Klub von der Schützheide damit bei weitem nicht ein. Den größten Nutzen der seit knapp sieben Jahren praktizierten Regelung haben mittlerweile die Fusionsvereine. Weil sowohl für die SG Stolberg als auch für den VfL Vichttal die Verbrauchsgrößen aus Zeiten zugrunde gelegt werden, als es noch jeweils zwei Klubs - Werth und Gressenich beziehungsweise Zweifall und Vicht - gab, sollen der SG 10.017 Euro und dem VfL sogar 17.269 Euro überwiesen werden. Allein der 2010 gegründete FC Stolberg fällt in dieser Gruppe aus dem Rahmen: Sein Bonus beträgt für das erste Jahr nach der Fusion 390 Euro - nicht nur, aber auch, weil er mangels ausreichender Zahl an Jugendmannschaften nicht über eine 50-prozentige Beteiligung hinauskommt.

Das Vertragswerk hat allerdings noch weitere Haken. Am Glashütter Weiher beispielsweise wird nur der Aschenplatz bei der Berechnung berücksichtigt, weil es laut Stadt nicht möglich ist, die Verbräuche im eigentlichen Stadion aufgrund der verschiedenen Nutzer differenziert zuzuordnen. In der Konsequenz muss der SC Münsterbusch, der für 2011 bereits 682,68 Euro nachzuzahlen hat, mit Blick auf das laufende Jahr eine weitere Belastung fürchten, weil der seit September 2011 wegen Sanierung gesperrte Rasenplatz bis in den Frühsommer nicht nutzbar war und die Mannschaften des SCM deshalb auf den Nebenplatz ausweichen mussten.

Derweil lässt sich in der Atsch (Hammstraße/ASA) und auf Krakau I (Trockener Weiher/Columbia) aus technischen Gründen lediglich der Stromverbrauch eindeutig nachvollziehen. In Büsbach (Kranensterz) bereitet die Bezugsgröße Probleme, weil das Sportheim bis zu seiner Übertragung an die Stadt im Mai 2006 vom FC Adler betrieben und die dazugehörige Nebenkostenabrechnung vom Verein beglichen wurde.

Noch krasser gestaltet sich die Lage in Dorff: Weil die Sportanlage als „Gesamtkomplex” aus Fußballplatz, Sportheim, Bürgerhaus, Schützenhaus und einer Wohnung geführt wird und keine separaten Zähler existieren, ist eine Beteiligung der DJK Sportfreunde nach Aussage des zuständigen Fachbereichsleiters Willi Seyffarth schlichtweg unmöglich. Unabhängig von den tatsächlichen Kosten wird der Verein somit Jahr für Jahr als „Nullnummer” verbucht. Das gilt auch für den BSC Schevenhütte - allerdings aus gänzlich anderen Gründen: Hier gibt es zwar einen Fußballplatz, aber weder Strom- noch Wasseranschluss und auch keine Abfallbehälter.

Die Nachzahlung wegen gestiegener Verbrauchskosten, zu denen drei Klubs herangezogen werden, sind derweil eher gering: Für den FC Breinigerberg (1205 Euro), den bereits erwähnten SC Münsterbusch und den VfR Venwegen (1219) werden insgesamt 3107 Euro fällig.

Verbräuche von 2001 bis 2003 als Referenzwert

Dass sich der Referenzwert für die Energie- und Abfallkostenberechnung aus den Verbräuchen der Jahre 2001 bis 2003 ergibt, wird im Rathaus mittlerweile als größtes Manko angesehen. Eine realistische Einordnung der Energie-, Wasser- und Abfallkosten ist nicht machbar, Bezug wird, so sieht es der Vertrag unumstößlich vor, stets auf mittlerweile völlig veraltete Werte genommen.

Doch nicht nur unter diesem Gesichtspunkt hadert die eigentlich zum strengen Sparen verdammte Verwaltung dem Vernehmen nach mittlerweile mit der Regelung. Denn die tatsächlichen Kosten für die kompletten städtischen Anlagen belaufen sich, so Pressesprecherin Petra Jansen auf Anfrage unserer Zeitung, in der Summe auf 113.357 Euro - 59.916 Euro für Heizung, 33.106 Euro für Strom, 13.611 Euro für Wasser und 6700 Euro für die Müllentsorgung. Mit den Boni muss die Stadt somit nahezu ein Drittel drauflegen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert