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Modellprojekt: Sprachförderung auch im Fachunterricht

Von: Michael Grobusch
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Auf das Erlernen der deutschen Sprache wird an der Stolberger Sekundarschule jetzt noch mehr Wert gelegt. Ziel ist es, Sprachdefizite zu minimieren und damit auch Probleme in anderen Fächern zu lösen. Foto: M. Grobusch
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Ist vom Erfolg des Konzeptes überzeugt: Schulleiter Jörg Klein.

Stolberg. Das Experiment ist simpel und den meisten Menschen bekannt: Auf einem Teller steht eine brennende Kerze. Stülpt man ein Glas darüber, geht die Kerze aus – Sauerstoffmangel. Die Lehrer der Sekundarschule Stolberg hat das natürlich nicht überrascht.

Aber überrascht waren sie, als sie der Aufforderung von Jörg Klein folgen und den physikalischen Zusammenhang in ihrer Zweit- oder Drittsprache erklären wollten. „So wurde für die Kollegen erfahrbar, wie es ist, wenn man Dinge versteht, aber nicht verbalisieren kann“, berichtet der Schulleiter. „Und in dieser Situation befinden sich viele unserer Schüler.“

Die Konsequenz hat nicht lange auf sich warten lassen: Die Einrichtung an der Breslauer Straße gehört zu den insgesamt 38 Schulen in Nordrhein-Westfalen, die sich an dem Modellprojekt „Sprachsensible Schulentwicklung“ beteiligen. Es ist zunächst auf zwei Jahre begrenzt und wird durch die Universität Duisburg-Essen wissenschaftlich begleitet. „Wer nicht in der Lage ist, Deutsch als Bildungssprache richtig zu sprechen und zu verstehen, kann auch nicht sein intellektuelles Potenzial abrufen“, weiß Jörg Klein.

Deshalb wird dem Erlernen der Sprache jetzt grundsätzlich eine größere Aufmerksamkeit geschenkt. Die Unterrichtsreihen sollen schrittweise so konzipiert werden, dass zusammen mit den fachlichen Inhalten auch die dazu erforderlichen Sprachkenntnisse vermittelt werden. „Das geht weit über Fachausdrücke und -formulierungen hinaus und betrifft beispielsweise auch Satzstrukturen und Grammatik“, erklärt der Schulleiter. Zur Vertiefung soll deutlich mehr gelesen und geschrieben werden.

Den Anfang hat die Schule in Naturwissenschaft und Mathematik gemacht. Gemeinsam mit den Deutschlehrern findet nun ein regelmäßiger Austausch statt, um den Unterricht mit Blick auf die angestrebte Sprachvermittlung immer weiter zu optimieren – und das nicht auf Kosten der Lernqualität und des Umfangs. „Wir müssen sicherlich am Anfang etwas Tempo beim Lernstoff rausnehmen, um Raum für die zusätzliche Sprachförderung zu schaffen. In den Folgejahren werden wir das dann aber kompensieren können“, ist Jörg Klein überzeugt.

Einem gängigen Klischee tritt der Schulleiter entgegen: „Die sprachlichen Schwierigkeiten stellen wir nicht nur bei Kindern mit Migrationshintergrund fest.“ Und auf eine weitere Feststellung legt er Wert: „Die sprachsensible Entwicklung kommt vor allem guten Schülern zugute.“ Deshalb soll sie auch langfristig Bestandteil des pädagogischen Konzeptes bleiben.

Erste fundierte Erkenntnisse zu den erhofften Erfolgen soll es am Ende des Schuljahres geben, wenn die Universität Duisburg-Essen eine Lernfortschrittsüberprüfung vornehmen wird. Für Jörg Klein steht aber schon jetzt fest: „Mit diesem neuen Konzept sind wir auf dem richtigen Weg.“

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