„Mittagessen im Kindergarten”: Sorge um Fortsetzung der Aktion

Von: Michael Grobusch
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Auch in der städtischen Kindertagesstätte im Steinweg kommt dem gemeinsamen Mittagessen eine große Bedeutung zu. Die Fälle, in denen eine Hilfe durch „Miki” erforderlich ist, werden vertraulich behandelt. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Eigentlich könnte Hans-Josef Wellmann mehr als zufrieden sein. Anderthalb Jahre nach der Gründung verzeichnet die Hilfsaktion „Mittagessen im Kindergarten” einen regelrechten Boom.

„Mittlerweile kommen täglich 130 Kinder in den Genuss einer kostenfreien, warmen Mahlzeit”, zieht der Vorsitzende der Stolberger Arbeiterwohlfahrt eine Zwischenbilanz und ergänzt: „Der Trend ist weiter steigend.”

Anlass zur Freude sieht Wellmann trotz der positiven Resonanz derzeit aber nicht. Denn die Entwicklung der vergangenen Monate bringt die Initiatoren zunehmend in Schwierigkeiten: Während der Bedarf steigt, sinken die Spendenmittel.

Und so ist die AWO, die das Projekt gemeinsam mit dem Jugendamt ehrenamtlich trägt, mittlerweile ernsthaft um die Fortsetzung der Hilfe im kommenden Jahr besorgt.

„Machen wir uns doch nichts vor: Wenn zwei, drei große Sponsoren wegfallen, sind wir am Ende”, spricht AWO-Geschäftsführer Manfred Steffens Klartext.

Vorbei scheinen die Zeiten, in denen „Mittagessen im Kindergarten” nicht nur bei den Bedürftigen, sondern auch bei den Gönnern Begeisterung auslöste.

Während sich die Zahl der Kinder, die von Armut betroffen oder bedroht sind, auch in Stolberg deutlich nach oben bewegt, büßt die Problematik als solche in der öffentlichen Wahrnehmung an Relevanz oder zumindest Aufmerksamkeit ein.

„Erschwerend hinzu kommt die gegenwärtige Wirtschaftskrise, deren Ende nicht in Sicht ist”, stellt Hans-Josef Wellmann betroffen fest.

Die Mittel werden in vielen Haushalten und Unternehmen gleichermaßen knapper, wodurch die Bedürftigkeit erhöht und die Spendenfreudigkeit gehemmt wird.

Somit schließt sich auch für „Miki” der (Teufels-)Kreis. Oder um mit den Worten des AWO-Vorsitzenden zu schreiben: „Es entwickelt sich ein dramatischer Trend.”

Rund 300 Euro Spendengelder fließen mittlerweile täglich in die Finanzierung der kostenfreien Mahlzeiten. „Viele Kinder kennen das von Zuhause gar nicht”, weiß Willi Seyffarth, der die Unterstützung als Jugendamtsleiter auch in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext sieht: „Sie ist ein wichtiger Bestandteil der frühen Hilfe für benachteiligte Kinder.”

Das Szenario einer möglichen Reduzierung oder gar Einstellung der „Miki”-Initiative im nächsten Jahr löst denn auch Alarm aus bei allen Beteiligten. „Das darf einfach nicht passieren”, bringt es Manfred Steffens auf den Punkt.

Das engagierte Trio will deshalb mit Entschlossenheit für die Beibehaltung und sogar den erforderlichen Ausbau der Hilfsaktion kämpfen.

„Wir können uns nicht allein auf andere verlassen, sondern müssen selber handeln”, betont Willi Seyffarth. Deshalb soll verstärkt für Patenschaften geworben werden, die es ermöglichen, ein Mittagessen für ein Kind über einen festen Zeitraum - beispielsweise ein Jahr - zu finanzieren.

Rund 40 Euro werden in einem solchen Fall pro Monat fällig - gut an gelegtes Geld, wie Hans-Josef Wellmann weiß: „Wir besuchen regelmäßig Einrichtungen im Stadtgebiet und haben immer wieder erlebt, wie sehr sich die Kinder auf das gemeinsame Mittagessen freuen.”

Verstärkt bemühen will sich Wellmann mit seinen Mitstreitern auch die Organisation einer hochkarätigen Sportveranstaltung, deren Erlös in den Mittagstisch fließen soll.

„Ich denke da ein Freundschaftsspiel mit einer prominenten Fußballmannschaft”, setzt der AWO-Vorsitzende in diesem Punkt auch auf die Unterstützung und die Kontakte des Stadtsportverbandes.

Breite Unterstützung soll es derweil für eine Benefizveranstaltung geben, die am 17. Oktober im Jugendheim Münsterbusch stattfinden wird.

„Zum Programm können wir noch nichts sagen. Aber es war uns sehr wichtig, frühzeitig den Termin zu sichern”, erklärt Manfred Steffens.

Den sollten sich nach Überzeugung von Hans-Josef Wellmann auch schon mal alle Parteien notieren. „Wenn die Spendeneingänge nicht wieder zunehmen, werden wir die Politik in die Verantwortung nehmen und massiv deren Handeln reklamieren.”

Für Wellmann steht fest: „Das Kindeswohl liegt uns sehr am Herzen. Aber es kann nicht sein, dass sich die Politiker in diesem so wichtigen Punkt allein auf Ehrenamtler verlassen.”

Im Gegenteil: „Auf Dauer wird das kostenlose Mittagessen in den Kindertagesstätten eine staatliche Leistung sein müssen”, richtet Willi Seyffarth den Blick nach vorne.

Weil Stolberg davon aber bis dato noch sehr weit entfernt ist, muss der Bedarf zunächst weiter über Spenden gedeckt werden. Hans-Josef Wellmann hofft, dass noch einmal ein Ruck durch die Bevölkerung gehen wird.

Neben den Kindern könnten dann auch die Initiatoren bei der nächsten Zwischenbilanz wieder zufrieden sein.
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