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Mit Pausenbrot und Gasmaske in die Schule gegangen

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
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Die Klasse 10a der Realschule I erlebt mit dem Stolberger Zeitzeugen Lambert Gröls eine besondere Geschichtsstunde zum Thema „Schule im Dritten Reich“. Foto: D. Müller

Stolberg. Die Schüler der Klasse 10a hören gebannt zu, wie Lambert Gröls von seiner eigenen Schulzeit berichtet. Gröls seinerseits ist fasziniert von der Realschule I an der Walther-Dobbelmann-Straße, er bestaunt die Architektur, die moderne, „Smartboard“ genannte digitale Tafel und die Wandfarben.

„Ich war acht Jahre an der Grüntalschule. In der Zeit wurde nicht einmal renoviert“, sagt Gröls und erzählt von Schiefertafeln statt Schulheften, „Schönschreiben“ als Fach, getrennten Mädchen- und Jungenklassen. „Wir hatten auch keine Rechenmaschinen oder wie Ihr heute Handys mit Taschenrechnerfunktion, also mussten wir alles im Kopf ausrechnen.“

Gröls stellt den Schülern der „Generation digital“ drei Rechenaufgaben, die sie prompt nicht zeitnah lösen können. Sichtlich bewegt sind die 22 jungen Menschen, als Gröls von der Sirene auf dem Schuldach spricht, von Fliegeralarm und Luftschutzkeller und davon, dass er früher nicht nur ein Pausenbrot, sondern auch eine Gasmaske mit zur Schule nahm. „Für die Schüler hat es offensichtlich eine besondere Qualität, Wissen von einem Zeitzeugen vermittelt zu bekommen“, meint Geschichtslehrerin Silke Matthes, die sich die Gelegenheit nicht entgehen ließ, als Lambert Gröls sich anbot, über „Schule im Dritten Reich“ zu sprechen.

Die Minen der Schüler werden noch eine Spur ernster, als der 1935 geborene Stolberger darlegt, dass ein Lehrer in Uniform an der Grüntalschule Genickschläge verteilte, und statt Vokabeln das Wissen über aktuelle Frontlinien abgefragt wurde. Auch „guten Morgen“ habe man nicht gesagt, sondern den Schultag damit begonnen, das über der Tafel hängende Bild Adolf Hitlers zu grüßen – „mit einem anderen Spruch“. „Den möchte ich nie mehr in meinem Leben aussprechen. Dieser Spruch hat mich sehr viel Kraft und Teile meiner Kindheit und Jugend gekostet“, sagt der 77-Jährige ergriffen. Gröls schildert die Aachener Front und das Ende des Zweiten Weltkriegs in der Kupferstadt und die folgende Zeit:

„Nach dem Krieg sind wir mit leeren Taschen in die Schule gegangen, Schiefertafeln hatten wir keine mehr und an Hefte, Stifte und Bücher war erst einmal nicht zu denken.“ Die Geschichtsstunde mit dem Zeitzeugen vergeht wie im Flug, und Lambert Gröls beendet sie mit einem eindringlichen Appell an die Schüler: „Denkt daran, wie gut es Euch geht. Sorgt dafür, dass es so bleibt, und bewahrt Frieden und Freiheit.“

Die besondere Unterrichtsstunde ist zu Ende, doch keiner der Schüler steht von seinem Platz auf. Gröls reagiert darauf nur kurz verwundert, sagt schließlich: „Wenn Ihr wollt, komme ich noch einmal.“ Die Klasse 10a nimmt das Angebot sofort dankbar an, und die nächste Geschichtsstunde mit dem Zeitzeugen wird gleich für den morgigen Schultag vereinbart.

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