Mit „Faust” den Hof gemacht

Von: Heike Eisenmenger
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Ein Zitat aus Goethes „Faust” brach vor 55 Jahren das Eis zwischen Marita und Günter von der Weiden aus Büsbach, die am Sonntag ihre Goldhochzeit feiern. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg-Büsbach. Das „Gretchen” am Ufer des Rursees ist emsig damit beschäftigt, den Schlamm von ihren Schuhen zu putzen, als ein Kanu mit zwei jungen Männern vorbeizieht. „Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?” startet einer der Männer mit einem Zitat aus Goethes Faust einen Annäherungsversuch.

Das „Gretchen” heißt Marita Steingießer und ist „faustfest”, wie sich zeigt: „Bin weder Fräulein, weder schön, kann ungeleitet nach Hause gehn”, antwortet die junge Dame schlagfertig. Günter von der Weiden, der zweite Mann im Boot, ist beeindruckt, sagt spontan „das ist der erste gebildete Mensch am Rursee” und kommt mit der jungen Frau ins Gespräch.

Das war vor 55 Jahren. 50 Jahre davon ist Günter von der Weiden mit seinem „Gretchen” verheiratet. „Mein Freund hatte damals die Masche drauf, junge Frauen mit einem Zitat aus Faust anzusprechen”, schmunzelt Günter von der Weiden, der damals Student war.

Marita Steingießer aus Hückelhoven war jedoch die erste der Damen, die sich mit Goethe berühmtem Werk gut auskannte.

Günter von der Weiden und Marita Steinigießer verliebten sich an jenem Tag vor 55 Jahren. Wenig erbaulich für beide war jedoch, dass ihnen nur drei Tage blieben, denn auf das „Gretchen” wartete eine Stelle als Au-pair-Mädchen in London.

„Bis zur Abreise bin ich jeden Tag zu ihr nach Hückelhoven geradelt. Das waren gut 40 Kilometer hin und zurück”, erzählt der heutige 75-Jährige.

Drei Monate später gab es ein Wiedersehen: Günter von der Weiden hatte sich auf dem „Drahtesel” zu seiner Herzallerliebsten nach London aufgemacht.

Die Frischverlieben verbrachten eine unvergessliche Woche in London, „aber geschlafen wurde in der Jugendherberge, brav nach Geschlechtern getrennt”, sagt die Jubilarin und muss herzlich lachen.

Nach einem Jahr in England kehrte Marita Steingießer zurück nach Deutschland. „Fünf Jahre haben wir pussiert, dann wurde geheiratet”, erzählt die 74-Jährige. Das war am 22. Februar 1960 in Hückelhoven. Am 8. August des gleichen Jahres folgte die kirchliche Hochzeit in der St. Hubertus-Kirche in Hückelhoven.

So steht für die Goldhochzeiter auch an diesem Sonntag die Messe in der Büsbacher St. Hubertus-Kirche im Mittelpunkt ihres Jubiläums.

Tochter Ute und Sohn Andreas machten die Familie komplett. Günter von der Weiden war von Beruf Sonderschullehrer. Bereits damals war Heimatkunde sein großes Steckenpferd.

Insbesondere als Fachmann für die Zeit des Zweiten Weltkrieges bzw die Nachkriegszeit in Region hat sich der Büsbacher einen Namen gemacht. Von der Weiden ist u.a. Autor des Buches „Zerschossene Heimat”.

Seine Frau hingegen liebt das Singen und das Gitarrenspiel. „Natürlich muss man auch gemeinsame Hobbys haben, aber nur aufeinander zu hocken, tut einer Beziehung nicht gut”, findet Marita von der Weiden, die auch mit 74 Jahren immer noch eine attraktive Frau ist.

Das gemeinsame Hobby des Goldhochzeitpaares ist der große Garten und ihr Häuschen. Und tägliche Spaziergänge, Seite an Seite. Und hin und wieder wird auch aus Goethes Faust zitiert.
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