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Mit dem Elektrofahrrad zur Baustelle und zu Kunden

Von: Ottmar Hansen
Letzte Aktualisierung:
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Zustellerin Nicole Becker schwört auf ihr starkes Dienstfahrrad der Deutschen Post mit Spezialrahmen, Scheibenbremsen, Elektroantrieb und Ersatz-Akku. Foto: Hansen
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Die Stadt Stolberg hat zwei E-Bikes in Dienst gestellt. Proberunden drehten Personalratsvorsitzender Martin Künzer und Gleichstellungsbeauftragte Susanne Goldmann. Foto: O. Hansen

Stolberg. Bei der Stadt wird ab sofort gestrampelt. Die Verwaltung stellte jetzt zwei Fahrräder in Dienst, die von den Angestellten und Beamten zur Erledigung ihrer Außentermine genutzt werden können. Zunächst nur für zwei Monate zum Test. So lange wurden die Bikes - ausgestattet mit einem Elektromotor - von der Energie- und Wasserversorgung (EWV) an die Stadt ausgeliehen.

Über diesen „zukunftsträchtigen Schritt“ kann man bei der Deutschen Post allerdings nur müde lächeln. Die Briefträger fahren ihre Post in Stolberg schon seit Jahren mit zehn E-Bikes aus. Angesichts der Steigungen in der Stadt mit einer Spezialanfertigung!

Angesichts der besonderen Tallage des Rathauses käme ein Bediensteter mit dem üblichen Fahrrad vermutlich nicht weit. Dienstfahrten wurden deshalb bislang mit dem eigenen Pkw absolviert und die Kosten hinterher abgerechnet. Jetzt also soll es mit einem Elektro-Fahrrad ausprobiert werden. Mit leichter Tretunterstützung und Einsatz des Motors beschleunigt das Rad rasch auf 25 Km/h.

Das E-Bike hat sieben Gänge ohne Rücktritt. Weil das Rad keinen Gaszug besitzt, kann man es ohne Helmpflicht und Nummernschild benutzen. Die Batterie kann in drei Stufen zugeschaltet werden. Die E-Bikes der Stadt sind zugelassen bis zu einem Höchstgewicht von 120 Kilogramm. In Dienst gestellt wurden je ein Herrenrad und ein Damenrad. Die Räder sind jeweils 24 Kilogramm schwer, der Akku zwei Kilogramm. Voll geladen hält die Batterie rund 70 Kilometer weit. Der Akku ist in gut fünf Stunden wieder aufgeladen (eine Ladung kostet sechs Cent).

„Jeder, der Dienstgänge hat, darf auf diese Räder zugreifen“, versicherte Bürgermeister Ferdi Gatzweiler bei der Vorstellung des neuen Angebotes. Für dieses hatte sich der Personalrat stark gemacht. Dann kam der Test der Stiftung Warentest, bei dem etliche E-Bikes durchfielen, weil sie nicht stabil genug gebaut waren. Da wartete man lieber noch etwas, bis sich geklärt hatte, welche Marke man denn jetzt ohne Risiko nehmen kann.

„Die Bediensteten der Stadt müssen im Schnitt 160 Bauprojekte kontrollieren, außerdem 70 Heizungen überprüfen, ob sie richtig laufen. Hinzu kommen viele Dienstbesuche des Jugendamtes. Da könnte man bei der einen oder anderen Fahrt schon das Rad nehmen“, so Personalratsvorsitzender Martin Künzer. Sein Kollege Joachim Paul geht davon aus, dass davon nun auch rege Gebrauch gemacht wird.

Der Bürgermeister erinnerte an die Vorbildfunktion der Stadtverwaltung in diesem Sinne. Er warnte zugleich aber auch davor, dass Elektrofahrräder rasch und fast geräuschlos heran rauschen können: „Die anderen Verkehrsteilnehmer rechnen nicht damit, dass die Räder so schnell sind. Bei den Dienstfahrten müssen wir also auch etwas aufpassen.“

„Die Elektromobilität ist ein großes Thema für EWV“, betonte Heike Asten für das Unternehmen. „Überall entstehen neue Ladestationen.“ EWV-Kunden, die sich ein E-Bike oder einen Elektroroller kaufen, können mit einem Zuschuss von 50 Euro rechnen. Den Rädern der Stadt und denen, die sie nutzen, wünschte Asten „Immer einen vollen Akku“.

Bei der Post ist man über derartige Aufbruchsstimmung längst hinaus. „Wir haben bundesweit 20000 Fahrräder angeschafft, darunter sind 6000 E-Bikes“, sagt Rainer Ernzer von der Deutschen Post AG. „In Stolberger sind zehn Zusteller auf E-Bikes unterwegs.“

Und diese E-Bikes haben es in sich. Es handelt sich bereits um Fahrzeuge der dritten Generation, die eigens für den Postbetrieb entwickelt und produziert werden. „Wir haben viele Erfahrungen mit den Rädern sammeln können“, so Ernzer. So haben alle E-Bikes der Post einen tieferen Einstieg. Das Rad selbst ist bereits 30 Kilogramm schwer. Der Nutzer kann aber noch einmal 50 Kilo Briefwaren in drei Taschen zuladen. Hinzu kommt natürlich noch das Gewicht des Fahrers oder der Fahrerin.

Aber selbst ein derart großer Stauraum reicht nicht immer. Ernzer: „Montags bei durchschnittlich rund 1500 Sendungen pro Zusteller geht es ja noch, aber an den anderen Wochentagen muss er zwischendurch schon noch einmal zuladen.“ Der Zusteller der Post legt mit dem Fahrrad zwischen 15 und 20 Kilometer zurück. Wie dumm, wenn dabei der Akku streiken würde. Also verfügt das Postrad selbstverständlich über einen zweiten Akku, der sich bei Bedarf automatisch hinzu schaltet. Die Räder haben einen stabilen Rahmen. Die Post rechnet schon damit, dass ihre E-Bikes auch acht bis zehn Jahre halten.

„Viele Tipps der Kollegen sind in die Entwicklung eingeflossen“, weiß Rainer Ernzer. So verfügen die Posträder über eine Nabenschaltung mit Rücktritt. Sie haben aber auch - eine Besonderheit - Scheibenbremsen vorne und hinten. Und einen extrem massiven Fuß-Ständer, der noch während der Fahrt ausgeklappt werden kann. „Frühere Schwachpunkte sind heute so gut wie ausgereizt“, ist Ernzer sicher.

Zustellerin Nicole Becker war am Freitag mit ihrem E-Bike auf der Konrad-Adenauer-Straße unterwegs. „Man merkt zwar, wenn das Rad voll beladen ist, ich möchte aber nichts anderes mehr haben“, ist sie von ihrem Dienstfahrzeug regelrecht begeistert. Nun ist Nicole Becker ohnehin eine begeisterte Radfahrerin und hat die Steigungen in Stolberg früher auch ohne Elektromotor unter dem Sattel bewältigt („nur die Lohstraße hinauf musste ich schieben“). „Aber das E-Bike ist schon eine wesentliche Erleichterung“, sagt sie. Das Regenwetter machte der jungen Frau übrigens wenig aus: „Gegen Regen kann man sich anziehen.“ Will heißen: In ihrer Gepäcktasche hat sie auch immer eine Reservejacke dabei. Spricht‘s, und zieht fast lautlos aber zügig mit ihrem Post-E-Bike zu den nächsten Kunden davon.

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