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Misereor-Fastenaktion: Erfahrungen aus erster Hand bewegen

Von: dim
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Julio Rosales aus Guatemala be
Julio Rosales aus Guatemala berichtet mit Hilfe der Dolmetscherin Elke de San Antonio von erschütternden Schicksalen. Foto: D. Müller

Stolberg. Der Vortrag war im Unterricht vorbereitet worden, und die Schüler der siebten und zehnten Klassen der Realschule an der Walther-Dobbelmann-Straße hatten schon einige Fragen gesammelt, um sie dem Gast zu stellen.

Doch was Julio Rosales berichtete war dermaßen bewegend, dass am Ende doch andere Fragen wichtiger für die Schüler waren. Rosales war aus Guatemala gekommen, um Erfahrungen und Informationen aus erster Hand zu vermitteln. Er arbeitet in dem Projekt „Grupo Ceiba”, das von dem Misereor Hilfswerk unterstützt wird.

Zahlen und Fakten über Guatemala hatten die Schüler in der Vorbereitung des Besuchs im Rahmen der Misereor-Fastenaktion „Menschenwürdig leben. Kindern Zukunft geben!” bereits kennengelernt, doch die erschütternden Schicksale, die Rosales beschrieb, wirkten ergreifender als jede Statistik. Zum Beispiel sein eigenes. Der 48-Jährige stammt von den Ureinwohnern des Landes ab, ist angehöriger einer indianischen Volksgruppe. Seine gesamte Familie wurde bei einem Massaker in dem 36 Jahre lang andauernden Bürgerkrieg getötet. Im Alter von 13 Jahren war Rosales so auf sich alleine gestellt und lebte auf der Straße in einem Elendsviertel.

Durch persönlichen Einsatz und günstige Umstände schaffte er es Psychologie zu studieren. „Man muss an sich selbst glauben, auch wenn man keine gute Möglichkeiten hat. Angetrieben hat mich der innige Wunsch, anderen Menschen zu helfen, die auch keine Familie haben”, sagte Rosales, und die sichtlich ergriffenen Schüler der Realschule I applaudierten ihm. In Guatemala, das noch immer keinen Frieden gefunden hat, halte die Diskriminierung an, nur dass nicht mehr die Indigenen in erster Linie die Verfolgten und Ausgegrenzten seien, sondern die Kinder und Jugendlichen auf der Straße, erklärte Rosales.

Er veranschaulichte die Arbeit der „Grupo Ceiba”, die in 23 Zentren landesweit Betreuung, schulische und Berufsausbildung und Mahlzeiten für 8000 Kinder und Jugendliche bietet. Größtenteils sind diese Halb- oder Vollwaisen, haben schreckliche Erlebnisse hinter sich und sind traumatisiert. Anhand von Einzelschicksalen verdeutlichte Rosales, wie menschenunwürdig die Situation vieler Minderjähriger in Guatemala ist.

Die tief beeindruckten Schüler hakten nach. „Wieso werden Kinder und Jugendliche in dem Land von der Polizei verfolgt?”, wollten sie unter anderem wissen. Rosales Antwort war ernüchternd: „Sie leben in Vierteln, die als gefährlich gelten. Wenn sie aus Angst vor der Polizei flüchten, machen sie sich noch verdächtiger.”

Unterstützung für das Projekt „Grupo Ceiba”

Spenden für den Misereor-Partner „Grupo Ceiba” zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen in Guatemala sind willkommen: Konto-Nr.: 1007000010 bei der Pax-Bank-Aachen (BLZ: 370 601 93); Verwendungszweck: GR 2012 P 70089-Rosales-S07605.

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