Stolberg-Gressenich - Mini-EM: Kicken wie die ganz Großen

Mini-EM: Kicken wie die ganz Großen

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Spanien gegen Portugal, eine h
Spanien gegen Portugal, eine heiße Partie: An der Grundschule Gressenich steht der Sieger nach der Mini-Europameisterschaft schon am Freitag fest. Vier Wochen lang drehte sich hier alles ums runde Leder. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg-Gressenich. Italien ist längst rausgeflogen! In den Halbfinal-Partien treffen Portugal und Spanien aufeinander, die deutsche Elf muss sich gegen „Les Bleus” behaupten. Geplatzte EM-Träume?

Von wegen, in Gressenich ist die Fußball-Welt heil, noch jedenfalls. Seit vier Wochen dreht sich in der Grundschulle alles ums runde Leder, Mini-EM ist angesagt, und die Begeisterung kann - mal von Fanzahlen abgesehen - locker mit der in den großen Stadien der richtigen EM mithalten. Und das beste daran: Steht bei den „Großen” der Sieger erst am morgigen Sonntag fest, entscheidet sich bei den „Kleinen” gleich schon, wer den Pokal in Händen halten wird.

Klarer Favorit ist bei den Grundschülern allerdings nicht Deutschland, sondern Spanien. „Gebt mir ein S, gebt mir ein P, gebt mir ein A...”, schreit Lara, um nach dem Buchstabieren dann gemeinsam mit den anderen Mädchen und Jungen im Chor „Spanien, Spanien” zu rufen. Aber warum in Jogis Namen Spanien? Temperamentvollere Spieler, schnellere Pässe, eine klare Favoritenrolle? Nein, bei den Sieben- und Achtjährigen spielt etwas ganz anderes eine ganz wichtige Rolle: Freundschaft. „Ich bin für Spanien, weil meine Freunde in der Mannschaft spielen”, sagt Tim. Und Lara fügt hinzu: „Mein guter Freund Jasper spielt im spanischen Trikot.” Und die achtjährige Gianna stellt die philosophisch angehauchte Frage: „Sind Freunde nicht das Wichtigste?”

Schiedsrichter Josef Webers hat bei der Partie der benachbarten Südländer gut zu tun, hier fegt das Feuer von der ersten Minute an über den Platz und jubeln sich die jungen Fans am Spielfeldrand genauso heiß. „Den Schiedsrichter haben wir eigens für die Finalspiele einfliegen lassen”, scherzt Schulleiterin Hildegard Lüttecke. Aber es ist tatsächlich so, dass Webers ein richtiger Schiri ist, vor einigen Jahren noch hob er sogar bei der Champions League die Fahne als Linienrichter. Vor Anpfiff der Spiele appelliert er an die Schüler, „fair zu spielen und Respekt zu zeigen”. Zu einem Foul gehöre auch eine Entschuldigung. Das nehmen sich die Nachwuchs-Kicker ganz zur Freude ihrer Trainer Johannes Lüttecke und Daniel Jussen zu Herzen und spielen gnadenlos, aber fair.

Bei der Partie Deutschland gegen Frankreich muss das Spiel erst an Fahrt gewinnen, wie das eben so meistens ist bei Löws Elf. Der achtjährige Lucas gibt ein eindeutiges Statement zu dieser Runde ab: „Ich bin für Frankreich, weil Deutschland es am Donnerstag versemmelt hat!” So einfach ist das eben in den Augen eines Kindes.

Beim Spiel um den dritten Platz stürmt David-Mo alias Christiano Ronaldo für Portugal, doch letztlich ist es Cedric Gerhardt, der im Elfmeterschießen (bei den Grundschülern beträgt die Distanz zum Tor sieben Meter) das entscheidende Tor für Deutschland macht. Gemeinsam mit seiner Schwester Enja wird er auch später zum Torschützen-Königspaar auserkoren. „Ich bin zwar ein bisschen traurig, dass wir verloren haben, aber geweint habe ich nicht”, gesteht der Gressenicher Ronaldo, der ganz authentisch und so gar nicht arrogant rüberkommt - und sicherlich ein noch größerer Frauenschwarm werden wird als der wahre Christiano.

Während das Spiel um Platz drei läuft, wird auf den Bänken die richtige Meisterschaft und das bitte EM-Aus der deutschen Mannschaft analysiert. „Boah, Özils Elfmeter kam einfach zu spät, ich hab mir die Augen zugehalten”, sagt Lara. Lucas schiebt den Verlust auf eine schlechte Aufstellung seitens Jogi Löw, für Jonas spielt auch das Schicksal eine Rolle: „Wir haben noch nie ein Pflichtspiel gegen Italien gewonnen!” Für Gianna stellt es sich noch einfacher dar: „So viele Spiele hintereinander, das ist für unsere Jungs einfach zu anstrengend gewesen.”

Noch einmal anfeuern, noch einmal mitfiebern, lautet die Devise für das große Finale im kleinen Gressenich. Spanien gegen Frankreich, und wieder ist es die „Seleccion”, die auf dem Platz frenetisch gefeiert wird. Zurecht, wie sich am Ende herausstellt. Nach sage und schreibe acht verschossenen Elfmetern gewinnt Spanien gegen Frankreich 3:0. Und damit ist der alte auch der neue Meister. In Gressenich gibt es einen wunderschönen selbst getöpferten Pokal für den Sieger, in Kiew den silbernen „Coupe Henri Delaunay”. Ob in der fernen Ukraine der Sieger Sonntagabend ebenfalls Spanien oder doch Portugal heißen wird, interessiert die Schüler nicht so sehr, sie haben ihre Spiele ausgetragen und letztlich alle gewonnen...
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