Stolberg - Minensucher statt Kühe auf der Weide

Minensucher statt Kühe auf der Weide

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Kanalrohre statt Kühe: Vom Beginn der Erschließung seiner von der Stadt gepachteten Weide am Duffenter als Baugebiet erfuhr der Landwirt unverhofft am Tag der Bauarbeiten. Das jähe Ende seines Pachtvertrages kostet den Steuerzahler eine deutliche Summe. Foto: J. Lange

Stolberg. Ein wenig erschrocken war er schon, der Landwirt, der eigentlich die Weide am Duffenter für seine Kühe nutzen wollte.

Doch statt schwarzbunter Wiederkäuer machten sich Minensucher daran, den anrückenden Planierraupen und Baggern den Weg zu ebnen, die nun das Gras vom Boden scharren sollten, um eine Erschließungsstraße und die Entwässerung für Stolbergs jüngstes Neubaugebiet zu erstellen.

Stadtrat muss noch genehmigen

Sicherlich hatte der Landwirt schon längst vernommen, dass die Stadt zwischen Duffenter- und verlängerter Josefstraße einmal auf 21 Hektar eine neue Siedlung für 40 Häuser errichten möchte: Immerhin wird mehr als fünf Jahre darüber geredet, dort Bauland zu schaffen.

Nur dass ausgerechnet an besagtem Tag damit begonnen werden sollte, das konnte der Stolberger sich nicht einmal in seinen kühnsten Träumen ausmalen. Zumal er sich ja auf der sicheren Seite wähnte: Zwar ist die Stadt Eigentümerin der Weide, aber er hatte einen rechtskräftigen Pachtvertrag mit ihr über die Weiderechte in der Tasche. Und in dem stand nichts davon, dass das Vertragsverhältnis nun abrupt enden sollte.

„Kämmerer ist erkrankt”

Doch der Blick auf die Wiese zeigte eine andere Realität auf. De facto erschien das Pachtverhältnis durch den Beginn der städtischen Baumaßnahme als vorzeitig beendet erklärt worden. Nur war im Rathaus offensichtlich ganz vergessen worden, den Pachtvertrag auch zu kündigen.

Um den Schrecken des Landwirts und seine Unannehmlichkeiten, nun dem Rindvieh andere Weideflächen zur Verfügung stellen zu müssen, ein wenig zu mildern, musste kräftig in die Stadtkasse gegriffen werden. Ein fünfstelliger Betrag soll nach Informationen unserer Zeitung gezahlt worden sein. Formal wurde der Vorgang, der sich während der Abwesenheit von Bürgermeister Ferdi Gatzweiler ereignete, mit einem Dringlichkeitsbeschluss geheilt, der von dem seinerzeit amtierenden Verwaltungschef und einem Ratsmitglied unterzeichnet worden ist; diese Entscheidung muss in der nächsten Sitzung vom Stadtrat noch genehmigt werden.

Noch keine Notarverträge

Kurzfristig Stellung beziehen wollte die Verwaltung noch nicht zu dem Vorgang, weil eine Rücksprache mit den verantwortlichen Mitarbeitern nicht möglich war: „Kämmerer Dr. Zimdars und der Leiter des Liegenschaftsamtes sind erkrankt”, erklärte Pressesprecherin Petra Jansen auf Anfrage unserer Zeitung.

Im Übrigen hat die Stadt noch keine Notarvertäge unterschrieben für die Grundstücke, deren Verkauf der Hauptausschuss auf seiner Sitzung am 29.September zugestimmt hatte. Acht der 40 Grundstücke mit Größen zwischen 303 und 759 m2 sind bereits als verkauft markiert.

Derweil lassen die Arbeiten an der Erschließung bereits erste Konturen des späteren Wohngebietes erkennen. Der Verlauf der Fahrbahn ist absehbar und die Ausmaße der Entwässerung werden sichtbar: Eigens ein Regenrückhalte- und -klärbecken wird angelegt, um die Ableitung des Oberflächenwassers sicherzustellen. Aus dem „Teich” wird das Wasser über das Donnerberger Grabensystem dann talwärts geführt. Laufen die Erschließungsarbeiten planmäßig weiter, kann mit dem Sprießen der Krokusse im Frühjahr mit dem Bau der ersten Häuser begonnen werden.
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