Metallwerk: Standortsicherung statt Massenentlassung

Von: Michael Grobusch
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Standort zumindest vorerst gesichert: Die jetzt erzielte Einigung schließt betriebsbedingte Kündigungen im Stolberger Metallwerk bis Ende Februar 2016 aus. Foto: M. Grobusch
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Ist mit dem erzielten Ergebnis sehr zufrieden: Gewerkschaftssekretär Martin Peters.

Stolberg. So richtig lösen wird sich die monatelange Anspannung wohl erst, wenn die berühmte Tinte trocken ist. Das kann noch einige Tage dauern, denn die Vereinbarung für das Stolberger Metallwerk, die die IG Metall und der Betriebsrat mit der Geschäftsführung des Mutterkonzerns KME Europe ausgehandelt hat, wird jetzt von den Juristen beider Seiten geprüft.

Dass sich bei dieser Prüfung triftige Gründe gegen eine Unterschrift ergeben könnten, wird aber nicht erwartet. Und so kann davon ausgegangen werden, dass die Geschichte, die Anfang September mit der Ankündigung eines massiven Stellenabbaus begann, tatsächlich noch ein gutes Ende erleben wird.

Standortsicherung statt Massenentlassung – so lässt sich die Entwicklung nach der spektakulären Wende auf den Punkt bringen. Denn von den 102 Stellen, die in dem Werk an der Kupfermeisterstraße wegfallen sollten, ist keine Rede mehr. Lediglich in einem Fall ist es tatsächlich zu einer betriebsbedingten Kündigung gekommen, 17 Kollegen haben in eigener Regie einen neuen Job gefunden. 14 weitere sind von einer mittlerweile gegründeten Transfergesellschaft aufgenommen worden und sollen an andere Unternehmen vermittelt werden.

„Angesichts der Tatsache, dass die Geschäftsleitung ursprünglich quasi das halbe Werk schließen wollte, haben wir ein sehr gutes Ergebnis erzielt“, zeigte sich Martin Peters am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung zufrieden. Über sechs Monate hat der Verhandlungsführer der Stolberger IG Metall mit den Arbeitgebern um eine Lösung gerungen und die Gespräche zwischenzeitlich sogar für gescheitert erklärt. Erst danach, ab Januar, kam Bewegung in die Angelegenheit – mit einem jetzt sehr überraschenden Ergebnis, das den Forderungen der Arbeitnehmer in zahlreichen Punkten entspricht. Kern der Einigung ist nach Informationen unserer Zeitung ein Standortsicherungsvertrag für das Stolberger Metallwerk mit 36-monatiger Laufzeit. Bis Ende Februar 2016 verzichtet KME demnach sowohl auf betriebsbedingte Kündigungen als auch auf den Abschluss von Werksverträgen und den Einsatz von Leiharbeitern – sofern der Betriebsrat dem nicht zustimmt. Die Mindestgröße der Belegschaft wird auf 180 festgeschrieben. Zudem soll es keine Einschränkung bei der Anstellung und Übernahme von Auszubildenden geben.

Drei Millionen Euro

Eine Zusage gibt es auch hinsichtlich der von Gewerkschaft und Betriebsrat reklamierten Investitionen: Rund drei Millionen Euro werden in den kommenden drei Jahren in die Modernisierung des Maschinenparks fließen. Außerdem verpflichtet sich das Unternehmen, auf den im September angekündigten Bau einer Verzinnung am deutschen Stammsitz in Osnabrück zu verzichten. Gerade der letzte Punkt wird in Stolberg mit großer Aufmerksamkeit zur Kenntnis genommen, gilt die hiesige Anlage doch nicht nur als weltweit eine der besten, sondern auch als Herzstück des Metallwerkes, das zum Überleben im harten internationalen Wettbewerb unverzichtbar ist.

Im Gegenzug soll am Standort Stolberg ein Einsparvolumen von 3,6 Millionen Euro bis Anfang 2016 erreicht werden. Ein wesentlicher Beitrag dazu kommt von den Arbeitnehmern. Sie verzichten auf Teile ihres Urlaubs- und Weihnachtsgelds und leisten zudem unbezahlte Mehrarbeit – im ersten Jahr drei Stunden, im zweiten dann zwei Stunden und im dritten schließlich eine.

„Wir haben jeden einzelnen Kollegen darüber informiert, mit welchen finanziellen Einschnitten das für ihn verbunden ist“, berichtet Martin Peters. Die Zustimmung in der Belegschaft war nach Angaben des Gewerkschaftssekretärs dennoch überwältigend: In einer geheimen Abstimmung sprachen sich 134 Mitarbeiter für diese Vereinbarung aus, nur zwölf stimmten dagegen.

„Das Ergebnis zeigt, dass sich der monatelange Kampf, den wir gemeinsam mit dem Betriebsrat geführt haben, gelohnt hat“, erklärte Helmut Wirtz, 1. Bevollmächtiger der Verwaltungsstelle Stolberg/Eschweiler, auf Anfrage. Ähnlich äußerte sich der Betriebsratsvorsitzende Heinz Meuser: „Das war ein Kraftakt. Für mich ist er allerdings erst beendet, wenn der Standortsicherungsvertrag auch tatsächlich unterschrieben ist.“ Die vergangenen Monate haben geprägt, ein Rest Skepsis bleibt, weil das O.K. der Juristen noch aussteht. Bei Leo Bergstein ist das nicht viel anders. Und dennoch geht auch der Werksleiter grundsätzlich davon aus, dass es keine bösen Überraschungen mehr geben wird, denn: „Es liegt ein reifes Verhandlungspaket vor.“

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