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Meijer offenbart sein Herz nach schweren Tagen

Von: Robert Flader
Letzte Aktualisierung:
„Wir brauchen jetzt 37 Punkte
„Wir brauchen jetzt 37 Punkte”: Erik Meijer im Gespräch mit Klaus Offergeld (l.) und unserem Redakteur Michael Grobusch (r.). Foto: Robert Flader

Stolberg. Der rund einstündige Auftritt am Zinkhütter Hof war vermutlich genau das, was Erik Meijer in diesen unruhigen schwarz-gelben Wochen braucht. „Es war ein besch...ner Tag, von guter Laune war ich ganz weit weg”, sagte der Sportdirektor von Fußball-Zweitligist Alemannia Aachen bei der Talkrunde des Fan-Clubs „Stolberger Tivoli Jonge” im Zinkhütter Hof.

Und: „Ich kann verstehen, dass die Fans sehr enttäuscht sind.”

Moderiert wurde die Veranstaltung von Klaus Offergeld (Interessengemeinschaft der Fans) und unserem Redakteur Michael Grobusch. Die Entlassung des Trainer-Gespanns Peter Hyballa und Eric van der Luer stand dem 42-Jährigen Meijer auch rund 30 Stunden später noch im Gesicht und war natürlich das Thema am „Tag danach”.

Und Meijer, so geradlinig wie er als Spieler immer unterwegs war, zeigte sich offen und ehrlich. Zur Frage, warum er denn gleich den Co-Trainer und Leiter des Nachwuchsleistungszentrums mit beurlauben musste, antwortete er: „Es macht keinen Spaß, einen Freund zu beurlauben. Doch er ist genau wie Peter Hyballa ein absolutes Alpha-Tier. Das hat anfangs mit den beiden gut geklappt, hat aber weniger und weniger zusammen funktioniert.”

Meijer, den die Alemannia-Fans nur „den Erik” nennen, erklärte, warum es schwierig sei, „statt des Trainers 25 bis 27 Spieler zu beurlauben”, warum er bereits an die Wende gegen Fürth glaubt („Ich schätze, dass David Odonkor von Beginn an spielen wird”), warum der auf die Tribüne verbannte Aimen Demai unter dem neuen Trainer vielleicht doch noch eine Chance erhält („Er ist kein Schwerverbrecher”) und warum er nicht noch einmal den Co-Trainer vor dem eigentlichen Chef-Coach verpflichten würde: „Auch ich bin noch ziemlich grün hinter den Ohren. Auch für mich ist das hier Learning by Doing”, sagte der Limburger in bemerkenswert offener Manier und ergänzte: „Wenn man die bisherige Saison sieht, kann man sagen: Dann habe auch ich bislang einen schlechten Job gemacht.”

Meijer bleibt Meijer

Das waren keine Floskeln, das waren selbstkritische Worte eines jungen Managers, wie sie im knallharten Profi-Geschäft nicht alltäglich sind. Erik Meijer aber ist Erik Meijer, er sprang nach seiner aktiven Karriere auch schon als Co-Trainer in der Bundesliga ein und zumindest am Anfang seiner Manager-Karriere lässt er sich nicht verbiegen, Allerwelts-Formulierungen sind ihm fremd. Abgesehen davon, dass die Fans am Zinkhütter Hof Antworten auf die missliche Lage - sieben Spiele, kein Sieg, drei Punkte und das Pokal-Aus - verlangten.

Und dann, ja dann folgte ein Moment, den vermutlich keiner der rund 250 Zuschauer so schnell vergessen wird: Angesprochen auf seine eigene Zukunft, ob er im Falle eines Abstiegs dem Verein erhalten bleibe, entgegnete Meijer: „Ich glaube, dann will mich hier keiner mehr haben.” Auf die Nachfrage, ob er denn - bei anhaltendem Misserfolg - von sich aus das Handtuch werfen würde, versagte ihm erst die Stimme - und dann kamen die Tränen...

Der Sportdirektor offenbarte sein Herz, schämte sich seiner Tränen nicht und jeder konnte sehen, wie schwer die vergangenen Tage, Wochen, vielleicht auch Monate auf dem Limburger lasten. Aufgemuntert von minutenlangen stehenden Ovationen beantwortete er tapfer die letzten Fragen seiner Talkrunde, bevor er noch einmal stehend verabschiedet wurde. „Das Konzept für den Trainer gilt noch immer”, gab Meijer den Fans zu Protokoll. Wer genau es nun wird, das wollte der ehemalige Stürmer, Kapitän und Aufstiegsheld nicht verraten.

Abend voller Brisanz

Bei den insgesamt drei Diskussionsrunden am Zinkhütter Hof sollte ursprünglich auch (Ex-)Trainer Hyballa zu Wort kommen, durch den Trainerwechsel gewann der Abend kurzfristig an Brisanz.

Dabei musste sich Meijer neben zahlreicher aufbauender Worte auch Kritik anhören: Warum wurde bislang nicht Daniel Engelbrecht, der für die 2. Mannschaft in der NRW-Liga konstant auf Tore-Jagd unterwegs ist, aufgestellt? Waren die medizinichen Befunde bei den Langzeitverletzten wie Kim Falkenberg und Kevin Maek nicht vorher bekannt? Und woher kommt jetzt das Geld für einen neuen Trainer, wenn doch auch keines für Verstärkungen auf dem Feld vorhanden ist? „Wir werden es irgendwo her nehmen müssen”, sagte Erik Meijer. Denn: „Wir brauchen jetzt 37 Punkte”, gab er die Marschrichtung unmissverständlich vor.

Meijer nahm im Zinkhütter Hof noch einmal die Mannschaft in die Pflicht: „Es ist nicht nur der Trainer schuld. Nach dem Spiel am Sonntag gegen Fürth kommen Gegner auf Augenhöhe. Wir müssen die unbedingt schlagen und dafür brauche ich eine Mannschaft, die vor Selbstvertrauen strotzt”, sagte er in Richtung der ebenfalls anwesenden Manuel Junglas und Kevin Kratz.

Dann verchwand Erik Meijer, so wie er kam: In schwarzer Jacke und Alemannia-Schal um den Hals. Ein kurzes, mit brüchiger Stimme vorgetragenes „Danke” und ein „Ich habe noch was zu erledigen” verabschiedete sich die personifizierte Hoffnung eines ganzen Vereins in die Nacht. Da hatte er bereits wieder sein verschmitztes „Meijer-Grinsen” aufgesetzt.

Erik Meijer hatte im wahrsten Sinne Eindruck hinterlassen und sein Herz gezeigt. Jetzt sollten ihm die Spieler am Sonntag folgen.
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