Mehr Geld und Zeit für die Beratung von Betreuern

Von: Kolja Linden
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Betreuung von Menschen, die dement oder durch andere Diagnosen auf Hilfe angewiesen sind, ist nicht nur fachlich, sondern auch emotional anspruchsvoll. Gerade Angehörigen soll besser geholfen werden. Foto: ddp

Stolberg. Die Politik muss sich einer Entwicklung stellen, die nicht aufzuhalten ist und sich dabei nicht an Debatten, sondern an der Realität orientiert. Und die sieht so aus, dass in Deutschland der Großteil der betreuungsbedürftigen Menschen von Angehörigen ehrenamtlich betreut werden, deren Förderung jedoch trotz dringender Notwendigkeit kaum nennenswert ist.

Das ist das Ergebnis einer Gesprächssrunde mit fünf Landtagskandidaten beim Stolberger SkF (Sozialdienst katholischer Frauen), die als Podiumsdikussion geplant, aber eher als Gedankenaustausch mit Fachleuten geführt wurde.

In der von mehreren Sozialverbänden - federführend war die Caritas - ausgerichteten Veranstaltung war das zentrale Thema die mangelnde öffentliche Förderung ehrenamtlicher Betreuung.

Konkret fordern die Betreuungsvereine, so formulierte es Erhard Beckers vom katholischen Verein für soziale Dienste in Krefeld, „dass Beratung und Begleitung von ehrenamtlichen Betreuern gewährleistet werden muss”.

Die dafür zuständigen Vereine stecken in einem Dilemma: Die meisten Menschen wünschen sich, im Bedarfsfall von Angehörigen, also engen Vertrauten, nicht nur gepflegt, sondern auch rechtlich vertreten zu werden zu werden.

Gerade diese Angehörigen aber bedürfen einer intensiveren Beratung und Unterstützung durch die Fachleute der Sozialverbände als geschulte Haupt- oder Ehrenamtler.

Die finanzielle Förderung wurde nach 2002 extrem zurückgefahren, von ursprünglich 4,1 Millionen auf heute nur noch 800.000 Euro, sagt Beckers - und am wenigsten Geld gibt es ausgerechnet für den Bereich der pflegenden Angehörigen.

Selbstkritisch gab sich SPD-Kandidat Kämmerling - und sprach damit nicht nur für seine, sondern für alle Parteien: „Ich bin der Meinung, dass gerade Verwandte einer Förderung bedürfen, aber Sie finden in keinem Parteiprogramm dazu eine konkrete Aussage.”

Es sei die Aufgabe von Politik, gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, ergänzte Axel Wirtz (CDU), der als einziger der Kandidaten bereits im Landtag sitzt. „Es sind bei der Politik Defizite deutlich geworden. Ich glaube aber, dass das Problem erkannt ist. Nun müssen wir es in Ihrem Sinne lösen.”

Im Sinne der Betreuungsvereine würde dies bedeuten, eine Finanzausstattung zu schaffen, wie sie vor 2002 bestanden hat. Das würde den Betreuungsvereinen ermöglichen, mehr Personal und Zeit darauf zu verwenden, pflegende und betreuende Angehörige zu beraten.

Gerade Zeit ist da ein wichtiges Stichwort, sagt Erhard Beckers und spricht die hohe emotionale Belastung der Angehörigen an: „Menschen rufen uns an und brauchen manchmal einfach jemanden, der zuhört, mit dem sie reden können.” Und Margitt Schmitt, Geschäftsführerin des SkF Stolberg, ergänzt: „Das Betreuungsgesetz gibt Stundenkontingente her, die für die emotionale Zuwendung zu knapp bemessen sind.”

Wirtz und Kämmerling sowie die anderen Kandidaten Kurt Victor (FDP), Albert Borchardt (Linke) und Horst-Dieter Heidenreich, der für Werner Krickel (Grüne) einsprang, versprachen, sich des Themas in Zukunft intensiver anzunehmen.
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