Manege frei: „Circus Amany” gastiert in Breinig

Von: Sandra Pavlic
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Einmal lächeln bitte: Eines von zwei Lamas der Famlie Neigert, die mit ihrem Zirkus in Breinig gastiert. Foto: S. Pavlic

Stolberg-Breinig. Was macht eigentlich der Zirkus in der kalten Jahreszeit? Wie verbringt eine Zirkusfamilie den Winter? Was geschieht mit den Tieren? Wer organisiert das Ganze? Viele Fragen - und der „Circus Amany” ist mittendrin. Der Wanderzirkus schlägt mit einem Gastspiel ab Freitag sein Zelt für das Publikum auf.

Seit Montagmorgen befindet sich die Familie Neigert bereits auf dem Raiffeisenplatz in Breinig, ab nächster Woche sind sie in der Atsch an der Eisenbahnstraße für anderthalb Wochen zu bestaunen.

So oder so ähnlich ziehen „Opa Ludwig” und „Oma Regina” Neigert inklusive einem Dutzend Anhang von März bis November von Ort zu Ort. Da es in Bitburg, ihrer eigentlichen Heimat, kaum Überwinterungsmöglichkeiten für einen Zirkus gibt und die Kinder im Winter täglich die Schule besuchen - im Moment sind die Kinder in einer Zirkusschule und zwei mal wöchentlich stattet ein Lehrer aus Mühlheim an der Ruhr der Familie einen Besuch ab - bleiben die Familienmitglieder hier in der Umgebung. „Dies ist von der evangelischen Kirche organisiert und NRW ist das einzige Bundesland, das dieses Angebot vorzuweisen hat. Dementsprechend sind die wenigen Plätze natürlich heiß begehrt,” sagt Familienoberhaupt Ludwig Neigert.

„Dennoch kann sich keines unserer Kinder ein anderes Leben vorstellen; zum einen da sie es nicht anders kennen und zum anderen ist dieses Leben pure Abwechslung für Kinder.” erläutert er. Den normalen Wochentag eines Schülers gibt es im Zirkusleben nicht. „Während andere Kids nach der Schule vor dem Fernseher hängen oder Nintendo spielen, helfen unsere Kinder bei anfallenden Arbeiten, reiten aus oder versorgen die anderen Tiere.”

Das Hauptproblem eines Zirkusses sei das Quartier für den Winter. Eigentlich ist der Familie so ziemlich alles recht, ob auf einem Fabrikgelände oder einem Hof, es muss nur genügend Platz für die rund zehn Wagen und einer Tierstallung geben. Zur Stallung zählen zwei Lamas, sechs Ponys und ein Pferd, zwei Straußenjungen, drei Ziegen, ein Hund und zwei Gänse, die bereits TV-Erfahrung bei der Sendung „Das Supertalent” sammeln durften.

„Den Gürtel enger schnallen”

Die kalten Tage werden genutzt, um Kostüme zu flicken oder zu schneidern, neue Nummern einzustudieren oder die Tiere zu dressieren und vor allem für die Instandhaltung von Fahrzeugen.„Jedes Jahr steht der TÜV an und wir versuchen nach Möglichkeit, alles selber zu reparieren, denn wenn wir alles in der Werkstatt machen ließen, könnten wir auf kurz oder lang dicht machen,” erzählen Regina und „das Mädchen für alles” Ludwig Neigert. Als erstes wird eine neue Zugmaschine für einen LKW, Baujahr 1969, benötigt und hierfür muss die Familie „den Gürtel enger schnallen.”

Neben den laufenden Arbeiten gebe es Ärger mit Tierschützern, die Plakate und Schilder beschmieren oder gar anzünden. Deshalb sind die Werbemittel mittlerweile so geändert worden, dass nur noch ein einziges Clownsgesicht zu sehen ist. 700 Euro kostet der Werbeaufwand nur für Breinig, aber „bei der Werbung darf man nicht sparen,” schmunzelt Ludwig Neigert.

Auch sonst seien die laufenden Kosten nicht gerade gering, wie zum Beispiel die 400 Euro pro Woche für das Tierfutter (Stroh, Heu, Kraftfutter und Salzlecksteine), die steigenden Spritpreise, Standgebühren und Strom und Wasser.

„Es müssen schon 80 bis 100 Besucher pro Vorstellung anwesend sein, damit wir die wöchentlichen Kosten in Höhe von 2500 Euro gedeckt haben,” sagt das Ehepaar, „an sonnigen Tagen ist es schwierig das Publikum zu locken, da sind wir schon froh, wenn 40 bis 50 Besucher den Weg zu uns finden. Für uns sind regnerische Tage die besten Tage,” führt Ludwig Neigert fort.

Auch haben sich zudem die Auflagen der Tierhaltung in den letzten Jahren verändert. Früher zählten noch Elefanten und Kamele zum Bestand der Neigerts, aber wegen bestimmter Größenordnungen des Auslaufgeheges musste man sich von den Tieren trennen. Selbst für die Pferde musste man zusätzliche Fahrzeuge beschaffen, um die Stuten und Hengste ordnungsgemäß in Fahrtrichtung transportieren zu können.

Trotzdem: die schwierigste Arbeit bleibt weiterhin die Unterhaltung des Publikums. „Wir sind kein Roncalli-Zirkus, aber wir möchten sowohl bei Groß und Klein zufriedene Gesichter sehen. Am schwierigsten sind die Sechs- bis Siebenjährigen zu begeistern,” sagt „Opa Neigert” und lacht.
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