Mal-Workshop: Zuerst mutig schwingen und später dann „pingeln“

Von: Dirk Müller
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Der Blick über die Schulter von Elke Schatten: Anhand der Vorlage entsteht ein individuelles Werk, da die Leserin sich bald von der Fotografie löst, und ihr eigenes Bild „zu leben“ beginnt. Foto: D. Müller
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Die Künstlerin lässt den Lesern alle Freiheiten, gibt aber dennoch unaufdringlich zahlreiche Tipps und beantwortet viele Fragen.
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Stolz präsentieren Willi Seyffarth, Gerda Zuleger-Mertens und Elke Schatten die kunstvollen Resultate des Workshops.
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Gerda Zuleger-Mertens hilft den Workshop-Teilnehmern beim Mischen der Acrylfarben, bevor es an die Leinwand geht.

Stolberg-Zweifall. Der Mal-Workshop in der Kunstwerkstatt am Zweifaller Frackersberg beginnt mit einer kleinen Verzögerung, denn die Künstlerin Gerda Zuleger-Mertens wartet noch ein wenig auf die Leser unserer Zeitung.

Doch zwei der angemeldeten Leser mussten kurzfristig absagen, andere nehmen das kostenlose Angebot ohne vorherige Absage nicht wahr. So kommen dann Elke Schatten und Willi Seyffarth in den Genuss eines besonders exklusiven Workshops in dem seit zwei Jahren in Zweifall beheimateten Gemeinschaftsatelier von Zuleger-Mertens und Prof. Hans-Wolfgang Menges-Spell.

Die Künstlerin präsentiert den Teilnehmern zahlreiche Seiten aus Zeitschriften mit Fotos. Zuleger-Mertens hat Schablonen vorbereitet, und Schatten und Seyffarth wählen Motive aus, von denen sie einen Bildausschnitt auf die große Leinwand übertragen wollen. „Ziel ist es, die Komposition zu übernehmen. Das könnt Ihr aber gerne auch frei, indem Ihr das Motiv eher als Anregung nehmt“, erklärt Zuleger-Mertens, die seit Langem sowohl mit Kindern und Jugendlichen als auch Erwachsenen künstlerisch arbeitet.

Die geborene Eschweilerin schloss 1974 ihr Design-Studium mit Diplom ab, arbeitete als freiberufliche Textildesignerin, studierte dann Kunst-Pädagogik an der Universität Münster. Es folgten zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen als freischaffende Künstlerin im In- und Ausland. Zuleger-Mertens wirkte auch als Dozentin unter anderem an der städtischen Musik- und Kunstschule Dorsten und im Kulturhaus Barockfabrik Aachen, übte künstlerische Lehrtätigkeiten für das NRW-Landesprogramm „Kultur und Schule“ und mehrere Stiftungen aus.

Heute leitet sie im Rahmen unserer Aktion „8 x Sommer in der Kupferstadt“ unsere Leser an und verhilft ihnen dazu, am Ende des Workshops jeweils ein fertiges Bild mit nach Hause zu nehmen. Für das Motiv von aufeinander geschichteten Steinen in verschiedenen Blautönen entscheidet Seyffarth sich. Schatten wählt einen geöffneten Damenmund. Beide verbinden diagonal die Ecken der Vorlage und markieren so den genauen Bildmittelpunkt.

Mutig Akzente setzen

Mit großen Linealen gehen sie auf Papier, dann auf Leinwand ebenso vor. „Wichtig ist es, keine Angst vor der weißen Leinwand zu haben“, sagt Zuleger-Mertens. Diese Angst würden auch manche Künstler haben, sie selbst arbeite nie auf weißer Leinwand, sondern ihr erster Schritt sei immer die Grundierung. Daran nimmt Elke Schatten sich ein Beispiel und trägt zuerst rosafarbenen Grund auf.

Seyffarth hingegen belässt es nicht bei dem Andreaskreuz, das auf seiner sonst noch weißen Leinwand den Mittelpunkt markiert. Er bringt zudem waagerechte Linien auf, die ihm bei der Orientierung helfen, so dass er die Proportionen des Vorlage-Fotos bei der Vergrößerung beibehalten kann.

Mit Kreide und Holzstiften erfolgen die ersten Probeversuche auf Papier. Die Atmosphäre ist locker, Künstlerin und Leser sind bald per Du. Zuleger-Mertens rät Seyffarth: „Hier kannst du die Farben stärker abgrenzen. Hab‘ den Mut, Akzente zu setzen.“ Schatten leitet sie zu mehr Systematik an: „Denke daran, immer einen Schritt nach dem anderen zu machen.“ Die Künstlerin hilft den Lesern, die Acrylfarben zu mischen, so dass die gewünschten Töne entstehen, und erklärt: „Man kann gar nichts falsch machen, denn die Acrylfarben lassen sich reparieren, sie sind wasserlöslich.“ Derweil trocknen die Grundierungen auf den Leinwänden im Garten rasch im Sonnenlicht. „Im Winter kann man einfach mit einem Föhn nachhelfen“, gibt die Künstlerin einen weiteren Tipp.

Von der Vorlage lösen

Die ersten Pinselstriche auf Leinwand sind noch verhalten. „Nicht so zaghaft, der Pinsel muss schwingen“, sagt Zuleger-Mertens und ermutigt die Leser. „Und jetzt noch nicht pingeln. Erst die ganze Form, später die Details.“ Seyffarth ist sich seiner anspruchsvollen Motivauswahl bewusst: „Das Interessante daran ist, dass man später den Stein erkennt, seine Struktur.“

Er lässt den Pinsel nun mutig schwingen und arbeitet sich durch die verschiedenen Blautöne. Schatten ist indes bei den Lippen des geöffneten Mundes, den sie auf Leinwand bringt, angelangt. Sie löst sich von der fotografischen Vorlage, malt, tupft mit Pinsel und Lappen, reibt mit den Fingern über die Leinwand – und erntet Lob von Zuleger-Mertens.

„Das Bild fängt an zu leben“

„Super Elke. Geh‘ mal drei Schritte zurück, dann siehst Du, das Bild fängt an zu leben.“ Mit Blick auf Seyffarth meint die Künstlerin: „Du machst das sehr gut, hast die Ruhe.“ Er ist mittlerweile beim „Pingeln“ angelangt, bekommt zusehends mehr Gefühl für den jeweiligen Stein, dessen Details er gerade malt. Beide Leser agieren gedankenversunken, arbeiten entspannt und konzentriert zugleich. Zuleger-Mertens gibt unaufdringlich zahlreiche künstlerische und handwerkliche Tipps. Nach gut drei Stunden betrachten die Leser ihre eigene Malerei – und sind mehr als zufrieden mit den kunstvollen Resultaten.

„Ich bin erstaunt, wie sehr das Bild gewachsen ist. Und begeistert von dem Workshop. Gerda hilft einem Dinge zu sehen, die man sonst vielleicht gar nicht wahrnehmen würde“, resümiert Elke Schatten.

Willi Seyffarth schließt sich an, lobt die „schöne Atmosphäre“ des exklusiven Mal-Workshops und sagt: „Es ist toll, wie schnell man in diese Arbeit versinken kann.“ Die Künstlerin und Kunst-Pädagogin selbst habe den Workshop ebenfalls genossen: „Die Leser sind offen, mutig und nicht auf den schnellen Effekt aus. Die Arbeit mit ihnen hat wirklich Spaß gemacht“, erklärt Zuleger-Mertens.

Die Workshop-Teilnehmer nehmen am Ende nicht nur ihre Bilder mit nach Hause, sondern auch noch ein großes Lob seitens der Künstlerin: „Was Ihr geschaffen habt, ist keine hausbackene Malerei. Es sind individuelle, lebendige Werke.“

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