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Mahnwache zum Gedenken an die Reichspogromnacht

Von: Dirk Müller
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Schüler der Kogelshäuserschule befassen sich mit den gegenwärtigen Schicksalen junger Flüchtlinge, die auf realen Erfahrungen von Mitschülern und Freunden basieren. Foto: D. Müller

Stolberg. „Der Blick auf dieses Haus und die Namen der Opfer ermahnt uns, dafür zu sorgen, dass das dunkelste Kapitel der Geschichte sich nicht wiederholt“, sagte Bürgermeister Tim Grüttemeier bei der Mahnwache zur Erinnerung an die Reichspogromnacht am 9. November 1938, die den industriellen Massenmord durch die Nazis eingeleitet hatte.

Das Stolberger Bündnis gegen Radikalismus und die Gruppe Z (Zukunft ohne Fremdenhass, Faschismus und Krieg; gegen das Vergessen) hatten zu der Mahnwache vor dem ehemaligen jüdischen Bethaus eingeladen, und rund 50 Menschen gedachten der jüdischen Mitbürger, denen die Nazis das Recht auf Leben seinerzeit grausam entzogen hatten.

Bündnis-Sprecherin Beatrix Oprée begrüßte die Teilnehmer an der Mahnwache, und Karen Lange-Rehberg erinnerte an persönliche Schicksale von Stolberger Familien. „Die meisten Stolberger Juden endeten in Theresienstadt und in Auschwitz“, sagte Lange-Rehberg. Musikeinspielungen und von Ralf Dallmann vorgetragene Gedichte verliehen dem Gedenken einen würdigen Rahmen.

Stolpersteine geplant

Die Gruppe Z machte auf den Plan von der Verlegung sogenannter Stolpersteine im Steinweg aufmerksam. Den Anfang machen sollen zehn im Boden eingelassene Steine, die an die Stolberger Familien Salomon und Zinander erinnern sollen, zum Beispiel an die Schülerin Hannelore Salomon, die mit ihrer Familie im Steinweg 56 wohnte. Bis sie nach Amsterdam floh, deportiert wurde und 1944 in Auschwitz ermordet wurde – im Alter von elf Jahren.

Derzeit sind die Namen von rund 50 Stolbergern, die ermordet wurden, bekannt und langfristig soll jedem dieser Opfer mit einem Stolperstein gedacht werden.

Schüler der Kogelshäuserschule widmeten sich bei der Mahnwache jungen Flüchtlingen in der Gegenwart. Sie betraten durch eine Türe, die mit dem Schild „Fluchtwege freihalten“ versehen war, den Steinweg und schlüpften in die Rolle von jungen Flüchtlingen, deren Familien etwa ganz aktuell Diktaturen in Afrika, dem Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien oder der Diskriminierung als Roma in Bulgarien zu entkommen versuchen.

Auch wenn die Schüler Rollen einnahmen, berichteten sie in diesen nicht von fiktiven Schicksalen, sondern ließen die realen Erfahrungen von Mitschülern und Freunden in ihre ergreifenden Beiträge einfließen.

„Ein Willkommen den Flüchtlingen“ hatte Udo Beitzel seinen Vortrag überschrieben. „Nicht die Abwehr von Flüchtlingen, sondern den Menschen zu helfen, sollte unser Ziel sein“, erklärte Beitzel und forderte in diesem Zusammenhang: „Stoppt die Menschenrechtsverletzungen an den Außengrenzen der Europäischen Union. Wir müssen legale Wege öffnen und das Sterben beenden.“

Er betonte, dass heute Flüchtlinge Schutz in Europa dringend brauchen würden, und forderte für sie freie Wahl eines Asyl-Landes ein.

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