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Luftsportverein sieht Existenz in Gefahr

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Da können die Segelflieger in die Luft gehen: Nach jahrelanger Anerkennung des Pflegeaufwandes für das Gelände in Diepenlinchen möchte die Stadt angesichts ihrer finanziellen Lage nun eine Pacht erheben vom Luftsportverein Stolberg bei einer Verlängerung des Vertrages für zehn Jahre.

Stolberg. „In Anbetracht des Engagements des Vereins und zur Erhaltung eines wichtigen Bestandteils der Sport- und Erholungslandschaft in Stolberg”, hat Kämmerer Dr. Wolfgang Zimdars dem Hauptausschuss vor einem Jahr vorgeschlagen, den 2013 auslaufenden Vertrag mit dem Luftsportverein Stolberg über die Nutzung des Segelfluggeländes Diepenlinchen für weitere 20 Jahre zu verlängern.

Der Club hatte soeben die offizielle Genehmigung für den Betrieb durch die Bezirksregierung erhalten und wollte langfristig seine Investitionen in Anlage sowie in Jugend- und Nachwuchsarbeit generationenübergreifend gesichert wissen.

Doch vor einem Jahr mussten die Segelflieger eine Platzrunde drehen: Der Hauptausschuss meldete weiteren Beratungsbedarf ob der Länge der Vertragsbindung an. Dabei hatte Dr. Zimdars die Leistungen des Vereins herausgestellt. Neben sportlicher Vielfalt in Stolberg, Jugendarbeit, touristischer Bedeutung und positivem Image hob der Kämmerer vor allem die Kosten hervor, die der Verein zur Pflege und „Bewirtschaftung des weitläufigen und öffentlich zugänglichen Geländes der Werther Heide” und zur „Entsorgung von wildem Müll” übernimmt.

Auch deshalb hatte der Rat 1980 und 1988 beschlossen, auf eine Erhebung eines Pachtzinses zu verzichten für das insgesamt rund 160.000m2 große Gelände, für das „eine anderweitige realistische Verwertungsmöglichkeit nicht besteht”. Gleichwohl machte der Kämmerer darauf aufmerksam, dass bei einer Vertragsverlängerung die „Widerruflichkeit dieser Verzichtsregelung noch einmal hervorgehoben werden sollte”.

Und genau von dieser Möglichkeit möchte heute der Bürgermeister Gebrauch machen. Nachdem der Hauptausschuss die Entscheidung vertagt hatte, hat Ferdi Gatzweiler mit dem Luftsportverein weitere Gespräche geführt. Auch der Verwaltungschef stellt in seiner Vorlage für den am 18.Januar tagenden Hauptausschuss die Leistungen der Segelflieger heraus, aber er kommt zu einer anderen Schlussfolgerung als der Kämmerer: Der Vertrag soll über nur zehn Jahre bis 2023 verlängert werden, und „vor dem Hintergrund der prekären Haushaltslage ist ein kompletter Pachtverzicht jedoch nicht weiter vertretbar”, erklärt der Bürgermeister.

Unter Berücksichtigung der dortigen Altlasten und Einschränkungen durch Naturschutzgebiete müssten bei einem üblichen Liegenschaftszins 4400 Euro jährlich fällig werden. Weil aber angesichts einer solchen finanziellen Belastung bei einer Aufgabe des Segelfluggeländes durch den Verein „ein erheblicher Pflege- und Unterhaltungsaufwand auf die Stadt zukäme”, schlägt Ferdi Gatzweiler dem Hauptausschuss vor, die Pacht um 50 Prozent auf 2200 Euro im Jahr zu reduzieren.

Eine ganz andere Rechnung macht dagegen Thomas Rehermann auf. „Diepenlinchen wird von uns jährlich an etwa 50 von 365 Tagen als Segelfluggelände genutzt”, rechnet der Vorsitzende des Luftsportvereins vor. In diesem Verhältnis sollte auch der von der Stadt errechnete Pachtzins festgesetzt werden. Dieser Anteil von 50 / 365stel soll dann mit dem vom Verein zu erbringenden Pflegeaufwand für das Gelände verrechnet werden: „Auf die Erhebung der Pacht wird deshalb verzichtet”, fordert Rehermann.

Denn bei der angestrebten Verlängerung des Pachtverhältnisses mit der Stadt „möchten wir uns nicht besser stellen, uns aber auch nicht verschlechtern”. Eine heute von der Verwaltung vorgeschlagene derartige Verschlechterung würde letztlich die Aufgabe des Segelfluggeländes als Konsequenz bedeuten. Um einen solchen Betrag aufbringen zu können, müssten Startgebühren mehr als verdoppelt, Beiträge um mehr als ein Drittel erhöht werden.

Erheblicher Pflegeaufwand

„Beides würde die Ausübung des Segelflugsports in Stolberg unattraktiv oder für die Mitglieder gar nicht mehr bezahlbar machen”, verweist Rehermann darauf, dass gut 30 der 67 aktiven Segelflieger im Alter zwischen 14 und 27 Jahren rangieren. „Das sind Schüler, Auszubildende, Studenten sowie Wehr- und Zivildienstleistende”. Der Stolberger Luftsportverein würde in eine Gebührenkategorie gezwungen, in der benachbarte Clubs mit moderneren Fluggeräten und einer besseren Infrastruktur aufwarten könnten.

Der aktuelle Vorstoß des Bürgermeisters gehe an der Sache vorbei, bilanziert Thomas Rehermann. „Wir leisten einen erheblichen Aufwand bei der Unterhaltung des Geländes”, betont der Vorsitzende. Für dringende Investitionen in die Sanierung der Infrastruktur wolle der Luftsportverein Planungssicherheit haben - zu den für beide Seiten bewährten Konditionen. „Wir fordern doch keinen Kunstrasenplatz”, sagt Thomas Rehermann mit einem Seitenblick auf andere Sportarten.

Die Jugend ist beim Segelfliegen besonders stark engagiert

Der Luftsportverein Stolberg gründete sich 1953. Vier Jahre später begann er das Segelfluggelände Diepenlinchen in Eigenleistung herzurichten. 1959 wurde der Flugbetrieb aufgenommen. Peu à peu wurden zwei Flugzeughallen und ein Vereinsheim errichtet sowie die Flugbetriebsfläche erweitert. Im Jahr 2009 wurde die abschließende luftrechtliche Zulassung als Segelfluggelände bei der Bezirksregierung erwirkt.

Neben der Segelfliegerei frönt der Luftsportverein auch dem Modellflug. Von den insgesamt 103 Mitgliedern sind 67 aktive Segelflieger, darunter 30 Mitglieder im Alter zwischen 14 und 27 Jahren.

1282 Flüge zählt die Statistik für das Vorjahr; dabei blieben die Stolberger 470 Stunden in der Luft. Davon entfielen 521 Flüge und 99 Stunden auf die Ausbildung.

Geflogen wird in der Regel von Ostern bis Anfang November, sofern es die Wetterlage zulässt, samstags von 13 bis 18 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Die Wintermonate dienen vor allem zur Pflege, Wartung, Instandsetzung und Herstellung von Fluggerät und Equipement. Fünf Fluglehrer zählt der Verein in seinen Reihen; zwei weitere sind in der Ausbildung.

Vier Segelflugzeuge stehen dem Verein zur Vefügung. Sie sind im Durchschnitt 30 Jahre alt, gebraucht erworben, moderniesiert und verursachen einen erheblichen Unterhaltungs- und Wartungsaufwand.

Regelmäßig muss das Fluggelände Diepenlinchen von wild deponiertem Abfällen gesäubert werden. Mehrfach wird die Betriebsfläche von ehrenamtlichen Kräften gemäht und planiert. Das Gerät dazu wird vom Verein gestellt und unterhalten. Vorsitzender Thomas Rehermann (Bild): „Hier sehen wir andere Sportvereine, die städtische Einrichtungen zum Teil unentgeltlich nutzen können, uns gegenüber bevorteilt”.

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