Stolberg - Lesertour: Handwerkliches Geschick im OP-Saal gefordert

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Lesertour: Handwerkliches Geschick im OP-Saal gefordert

Von: Heike Eisenmenger
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Adolf Konrads (rechts), treuer Teilnehmer der Sommer-Leseraktion unserer Zeitung, präsentierte sich in bester Laune mit Dr. Petra Kriger, Tanja Delahaye, Melitta Förster und Andrea Kuhn (von links) rund um Knochenmann „Hugo“. Foto: H. Eisenmenger
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Dr. Herbert Röhrig, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie erklärte den Lesern anschaulich, wie ein künstliches Gelenk eingebaut wird. Er gab interessante Einblicke in die Anatomie des Menschen. Foto: H. Eisenmenger
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Wie setzt man den Bohrer an? Oberarzt Dr. Ralf Münker zeigte seinen Gästen im Krankenhaus, worauf zu achten ist. Foto: H. Eisenmenger
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Um ein künstliches Gelenk zu bearbeiten benötigt man schon stabiles Werkzeug. Die Leser durften auch einmal selbst Hand anlegen. Foto: H. Eisenmenger
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Oberarzt Dr. Markus Pilz ging mit den Lesern per Kamera ins Innere des Körpers. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. „Handwerker im Einsatz“: So hätte das Motto unserer vorletzten Sommerlesertour, die ins Bethlehem Gesundheitszentrum führte, lauten können. Seltsame Geräusche drangen aus der Cafeteria in Richtung des Foyers. Es wurde gebohrt, gefräst und gehämmert, als ob ein ganzer Trupp von Handwerkern zugange wäre.

Tatsächlich aber waren es 30 Leser, die unter fachkundiger Anleitung von Dr. Herbert Röhrig und seinen Ärzten in die Rolle des (operierenden) Orthopäden schlüpften. Röhrig ist seit Juni Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Stolberger Krankenhauses.

Unterstützt wurde er von den Ärzten Dr. Ralf Münker, Dr. Markus Pilz und Dr. Mateusz Kalnik, die sich grüppchenweise um die Leser kümmerten. Die Teilnehmer gingen hochmotiviert ans Werk, schließlich hat man nur selten die Chance, an Seite von Profis auf so unkonventionelle Weise Medizin zu erleben.

Wie wichtig handwerkliches Geschick in seinem Beruf ist, erklärte der 43-jährige Chefarzt unseren Lesern plastisch. „Ein Orthopäde ist ein Handwerker am Menschen“, stellte Röhrig klar. Was auf der Hand liegt, wenn man zertrümmerte Knochen und Gelenke wieder zu einem funktionierenden Ganzen zusammenfügen will.

Die Klinik hatte Apparaturen und Gerätschaften aufgebaut, die die Gäste neugierig in Augenschein nahmen. „Was Sie hier sehen, sind Kunstknochen und Dummy-Gelenke, wie sie auch von Ärzten zum Üben benutzt werden“, erläuterte Röhrig und griff sich demonstrativ einen der Knochen. „Sie haben die gleiche Eigenschaften wie echte. Das muss auch sein, damit der Arzt ein realistisches Gefühl für die Festigkeit des Materials bekommt“, erklärte der frisch gebackene Zweifaller, der auf erfrischend lockere Art und mit einfachen Worten das hochkomplexe Thema rüber brachte.

Unsere Leser zeigten keinerlei Berührungsängste und setzten unter Anleitung von Röhrig und seinem Team schon nach kurzem Zuschauen künstliche Hüftgelenke ein oder arbeiteten an einem künstlichen Knie. Oberarzt Pilz nahm die Besucher mit auf Tauchstation ins Innere des Körpers. In dem Fall war es ein Dummy-Knie. Behutsam schob er eine winzige Kamera hinein.

Alles, was die Kamera sah, wurde auf einen Bildschirm übertragen. „Sie müssen schon dreidimensional denken können und multitaskingfähig sein. Es ist ähnlich wie bei einem Computerspiel: Sie beobachten das Geschehen auf dem Bildschirm und bedienen dabei, ohne hinzuschauen, den Joystick“, erzählte der 37-jährige Oberarzt.

Beeindruckt von dem, was sie sah, war Leserin Resi Laschet. „Es ist spannend, was die Ärzte machen. Ich wurde hier operiert, aber ehrlich gesagt bin ich froh, dass ich während des Eingriffs geschlafen habe“, sagte sie mit Blick auf Dr. Röhrig, der gemeinsam mit einer Leserin mit Inbrunst eine Hüftpfanne mit einer Fräse bearbeitete.

Beim Stichwort „Schlafen“ ist Dr. Gernot Keller, Facharzt für Anästhesie und spezielle Schmerztherapie, hellwach. Auch wenn bei dieser Leseraktion das Thema „Orthopädie hautnah erleben“ im Mittelpunkt stand, hatte sich auch das Anästhesie-Team an der Veranstaltung beteiligt. Ohne künstlichen Schlaf und Ausschalten des Schmerzes ist keine Operation möglich.

Gemeinsam mit seinen Kollegen hatte Keller einen Dummy mit elektronischen Innenleben mitgebracht, um die Überwachung eines Patienten bei einer Narkose darzustellen. Interessiert waren die Leser aber auch an einem Gerät zur automatischen Bluttransfusion. „Das eigene Blut wird aufbereitet, es verlässt im Gegensatz zu anderen Systemen nicht den geschlossenen Blutkreislauf.“

Das sei für die Zeugen Jehovas ein ganz entscheidender Punkt. „Normalerweise lehnen Zeugen Jehovas eine Bluttransfusion aus religiösen Gründen ab. Da aber bei diesem System der Blutkreislauf in einem geschlossenen Kreislauf bleibt, dürfen sie diese Hilfe aber annehmen“, erklärte der 54-Jährige.

„Die meisten Patienten haben mehr Angst vor der Narkose als vor dem Eingriff an sich“, erzählte Fachbereichsschwester Melitta Förster von der Anästhesie. „Viele haben die Sorge, dass sie nicht richtig narkotisiert werden. Die Horrorvorstellung des Patienten ist, dass er die Schmerzen fühlt, sich aber nicht bemerkbar machen kann.“

Die Angst konnte das Team zumindest unseren Lesern nehmen. „Wir überwachen den Patienten permanent, die Geräte würden uns das sofort anzeigen“, versicherte Keller. So wären ein Anstieg des Blutdrucks und ein schnellerer Herzschlag sichere Alarmzeichen. Doch die Ärzte verlassen sich nicht nur auf die Technik „Ich kontrolliere regelmäßig, ob der Patient zu schwitzen beginnt und kontrolliere auch seine Pupillen“, nannte er ein Beispiel.

Leser Adolf Konrads (78) gab offen zu, dass er bis dato Angst vor der Narkose hatte. „Die haben das so gut erklärt – meine Angst ist wie weggewischt.“

Als spannend und informativ empfand auch Leserin Margret Lütge die Veranstaltung: „Man sieht ja sonst sowas nur im Fernsehen. Meine Hüfte macht sich ab und zu bemerkbar, darum dachte ich mir, es ist eine gute Idee, sich das Ganze Mal anzuschauen. Der neue Chefarzt hat das ganz toll rüber gebracht.“

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