Leserforum unserer Zeitung: Ein Konzept für alle Klubs soll her

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Forderte ein ganzheitliches Ko
Forderte ein ganzheitliches Konzept: Ulrich Bohrer von den Sportfreunden Dorff. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg-Büsbach. Mit vielen neuen Anregungen endete nach zwei Stunden am Donnerstag der offizielle Teil unseres Leserforums. Gut 100 Leser waren der Einladung gefolgt, um über das Reizthema Sportplätze zu diskutieren.

Dass es noch viel Gesprächsbedarf geben wird zwischen Sportlern, Politikern und Mitarbeitern der Stadtverwaltung, zeigte allein die Tatsache, dass sich die Beteiligten auch nach Ende der Veranstaltung eifrig weiter die Bälle zuspielten.

Was bislang immer als Allheilmittel für die Zukunft auch kleiner Vereine galt, nämlich eine Fusion, klappt längst nicht bei jedem Verein. Gut funktioniert hat der Zusammenschluss von Vicht und Zweifall zum VfL Vichttal. Zur „Belohnung” gab es einen Zuschuss seitens der Stadt in Höhe von 250?000 Euro.

Den Mammutanteil haben die Mitglieder selber gestemmt, und Vorsitzender Michael Frey nutzte das Leserforum, um genau diese Eigeninitiative zusammenzufassen und mit Vorurteilen aufzuräumen. Neid müsse man sich erarbeiten, aber was ihm an Feindlichkeiten entgegengebracht werde, gehe einfach zu weit. Frey: „Meine Frau und ich sind sogar körperlich angegriffen worden.”

Wie wichtig es sei, als Sportler eine Sprache zu sprechen, betonte der Vorsitzende der SG Stolberg, die sich über einen städtischen Zuschuss für ihren Traum vom Kunstrasen gefreut hätte. Der gezückte Sparstift hat ihn aber zunächst einmal zerplatzen lassen. Den Kampf gegeneinander dürfe es nur im sportlichen Wettkampf geben. Axel Wirtz: „Wir vermehren das städtische Vermögen, wir als Sportlerfamilie. Und das müssen wir in Zeiten knapper Kassen mit viel Eigenleistung, Firmen und Sponsoren umsetzen.”

Die Eigeninitiative, die die Vichttaler an den Tag gelegt haben, um eine zeitgemäße Sportstätte mit Kunstrasen aus dem Boden zu stampfen, hat sich bezahlt gemacht. Fast 700 Mitglieder zählt der Verein, darunter über 300 Kinder, der Club auf dem Dörenberg schreibt Erfolgsgeschichte. Diesbezüglich im Abseits steht zum Beispiel der fusionierte FC Stolberg.

„Er hat gar keine Jugendmannschaft mehr, und auch die Anzahl der Kinder und Jugendlichen bei den anderen Vereinen schrumpft. Uns laufen die Kinder weg”, betonte Thorsten Meier vom VfL Vichttal, der aber in seiner Funktion als Jugendwart des Fußballkreises Aachen sprach. Den Grund dafür sieht er in einer fehlenden Infrastruktur. Was bei umliegenden Kommunen funktioniere, nämlich aus Ascheplätzen moderne Kunstrasenanlagen zu machen, scheitere hier.

Meier: „Es muss ein Konzept her, das es jedem Verein ermöglicht, einen Kunstrasenplatz umzusetzen - mit Hilfe eines finanziellen Zuschusses und Eigenleistung.” Alleine durch die Aufgabe und Vermarktung derzeit noch bestehender Plätze könne ein finanzieller Spielraum für die Sanierung verbleibender Anlagen geschaffen werden, hielt die große Koalition dagegen.

„Kostenneutralität”, das ist den Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD besonders wichtig. „Erhebliche Eigenleistungen, Spenden und Darlehen sind gefragt. Die Zeiten, in denen eine Stadt, vor allem eine Stadt wie Stolberg, eine Sportanlage zum Nulltarif errichten konnte, sind vorbei”, betonte Dr. Tim Grüttemeier. Darüber hinaus erinnerte der Christdemokrat an die politische Verantwortung gegenüber allen Stolberger Bürgern.

„Wir können nicht beim Fußball das Geld mit beiden Händen ausgeben und bei den Bürgern die Steuern erhöhen, die Stadt darf dafür keine neuen Schulden machen.” Sozialdemokrat Dieter Wolf machte in diesem Zusammenhang noch einmal auf die altbekannte „Pool-Lösung” aufmerksam: „Wenn Vereine fusionieren, können die daraufhin frei werdenden Sportplätze in Bauland umgewandelt werden. Das eingenommene Geld soll in diesen Pool fließen, und dann überlegen wir gemeinsam mit den Vereinen, wie wir das Geld einsetzen.”

Als „unverantwortlich” empfindet es Bernd Pidancet, dass der FC Columbia seinen Platz aufgeben soll zugunsten einer Fusion. „Wie stellt Ihr Euch das vor”, fragte der stellvertretende Vorsitzende die auf dem Podium vertretene Politik und Verwaltung. „Wenn ich auf Krakau stehe, kann ich den Platz vom TSV Donnerberg sehen, sage ich mal bewusst provokativ”, antwortete Ferdi Gatzweiler.

Der Erste Bürger sieht durch einen Wegfall der beiden Sportplätze am Trockenen Weiher sowie an der Stadtrandsiedlung natürlich bares Geld, schließlich würde so neues Bauland entstehen. Deswegen befürwortet das Verwaltungsoberhaupt auch eine gemeinsame Lösung für die beiden Donnerberger Fußballvereine.

Der Fusion als Allheilmittel gab Ulrich Bohrer die rote Karte. „Jeder denkt an sich, hier fehlt ein ganzheitliches Konzept. Die Stadt sollte als ersten Schritt einen Rahmen setzen”, betonte der Vorsitzende der DJK Sportfreunde Dorff. Wie viele andere Vereine möchte auch er wissen, wie es 2016 weiter geht, wenn die Pachtverträge für die Sportplätze ausgelaufen sind. Bohrer: „Transparenz und Klarheit müssen her. Wie soll ich 50 Prozent bezahlen, wenn ich nicht weiß, wie viel 100 Prozent sind?”

Mit der Frage „Wer soll das bezahlen” beschäftigten sich am Freitag auch die betroffenen Vereine am Stadion Glashütter Weiher. Hieß es bislang immer, dass die Fußballer von FC Stolberg und SC Münsterbusch nicht auf einen Nenner mit den Leichtathleten der LG Stolberg kämen, bekräftigten nunmehr Peter Jandeleit und Günter Poick geradezu harmonisches Einvernehmen.

Das wenig genutzte Gelände hinter dem Goethe-Gymnasium könnte als zusätzliche Fläche genutzt werden, um die Situation im Stadion zu entzerren. Ein leicht erstaunter Bürgermeister Ferdi Gatzweiler sagte gerne zu, die im ersten Schritt notwendigen planungsrechtlichen Dinge zu klären und dafür alle an einen Tisch zu holen.
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