Leidenszeit ist da: Wenn die Nase dauernd trieft

Von: Ottmar Hansen
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Der Taschentuchverbrauch von Heuschnupfenkranken steigt derzeit fast ins Unermessliche. Die Augen sind gerötet und die Nase trieft ohne Unterlass. Foto: imago/chromorange

Stolberg. Die Zeit der Schniefnasen hat wieder begonnen. Zahlreiche Menschen reiben sich derzeit auch in der Region ständig ihr Riechorgan und laufen mit geröteten Augen herum. Der Heuschnupfen geht um.

„Seit einer Woche haben wir einen einen extremen Birkenpollenflug“, hat Dr. Veronika Becker , Kinder- und Jugendmedizinerin mit allergologischem Schwerpunkt im Krankenhaus Stolberg, beobachtet. Vor allem die Verbreitung der Birkenpollen sei von 0 auf 100 geschossen.

Seit Mitte Januar war bereits der Blütenstaub von Haselnuss und Erle in der Luft. Und das trotz des langen Winters? Dr. Becker: „Da reicht manchmal schon ein etwas wärmerer Tage, und die Pollen sind in der Luft.“

Schon Kleinkinder können an Heuschnupfen erkranken. Zwei sechs und acht Jahre alte Kinder, die ohnehin schon an Asthma bronchiale leiden, hat es derzeit prompt so stark erwischt, dass sie wegen Atemnot ins Stolberger Krankenhaus gebracht werden mussten.

„Die Symptome von Heuschnupfen sind Fließschnupfen, ständiges Niesen und rote Augen“, erklärt Dr. Becker. Pollenflug gehört zur Natur wie die Blüte zur Pflanze. Auch wenn man den Blütenstaub nicht sofort in der Luft wahrnimmt, auf einem schwarzen Auto wird der gelbe Staub rasch sichtbar.

Menschen, die allergisch auf Blütenstaub reagieren, hat es wohl schon immer gegeben. Doch ihre Zahl sei steigend, so Dr. Becker. Auch bei Kindern. Wer schon an Asthma erkrankt ist, ist besonders betroffen. Hinzu kommt die steigende Belastung von Ozon, Smog oder die Allergie gegen Hausstaub. „Den Pollenflug zu meiden, ist fast unmöglich“, weiß Dr. Becker. „Sobald man das Fenster öffnet, kommen Pollen rein.“

Ein Mittel, die körperliche Belastung durch Heuschnupfen zu senken, ist die Hyposensibilisierung. Über Hauttests oder eine Analyse des Blutes sind die auslösenden Faktoren meist einfach feststellbar. Eben diese Auslöser werden dem Körper mittels Spritze bewusst zugeführt. Anfangs wöchentlich, später einmal im Monat. Die Prozedur läuft über drei Jahre. Mit dem Ziel, dass sich der Organismus irgendwann an die Allergie auslösende Substanz gewöhnt und nicht mehr so stark darauf reagiert .

Dr. Veronika Becker: „Sieben von zehn Kindern müssen hinterher weniger Medikamente gegen ihre Allergie nehmen.“ Selbst Beschwerdefreiheit ist möglich. Zumindest auf bestimmte Zeit. „Aber endgültig geheilt ist der Patient damit leider nicht“, bedauert die Fachärztin.

Neue Medikamente, die zuletzt auf den Markt gekommen sind, machen die Patienten nicht mehr so müde. Dr. Becker empfiehlt, Kinder abends unter die Dusche zu stellen, um die Pollen abzuduschen. Die Kleidung müsse außerhalb des Schlafraumes deponiert werden. „Vor dem Schlafzimmerfenster sollte ein Pollenfluggitter installiert werden.“ Den Pollenfilter in der Klimaanlage des Autos sollte man regelmäßig wechseln lassen.

Um wenigstens für kurze Zeit beschwerdefrei zu sein, empfiehlt die Ärztin, den Urlaub nach dem Pollenflugkalender auszurichten. Und an die See oder ins Gebirge zu fahren. Dr. Becker: „Dort gibt es weniger Pollen in der Luft als bei uns.“ Und wer weiter weg fliegt, etwa nach Nordafrika, braucht sich um Pollenflug nicht zu kümmern. Dr. Becker: „Viele warme Länder haben damit kaum Probleme.“

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