Leben zu retten ist für sie wie ein Spiel

Von: Heike Eisenmenger
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Bestätigung gibt es nach jedem Training: Für Rettungshunde ist Motivation unerlässlich. Ebenso wie das Vertrauensverhältnis zu ihrem Hundeführer, so Christoph Tiebel (li.) und Yves Marx.

Stolberg. Zwischen Übung und Ernstfall können die Rettungshunde genau unterscheiden. Es ist die Erregung der Menschen um sie herum, der den Vierbeinern verrät, dass die Lage ernst ist.

Eine Erregung, die mitunter fürs Auge unsichtbar bleibt, der feinen Hundenase aber bleiben bereits kleinste chemische Veränderungen in unserem Körper nicht verborgen.

Glücklicherweise ist das Zusammentreffen der DRK-Rettungshundestaffel der Städteregion mit ihrem Pendant aus Luxemburg am Samstag in der Buschmühle ein Training und kein Ernstfall.

Seit 1996 verbindet die Rettungshundestaffeln von DRK und dem Roten Kreuz Luxemburg eine Freundschaft, der regelmäßige Übungen zugrunde liegen. Eine positive Folge dieser Freundschaft ist, dass beide Teams gut aufeinander eingespielt sind und auch gemeinsame Einsätze fahren.

Im Ernstfall ist keine Zeit für lange Erklärungen, da muss jeder Handgriff mit schlafwandlerischer Sicherheit sitzen. Den Ernstall hat Yves Marx, Leiter der Hundestaffel des luxemburgischen Roten Kreuzes, erst kürzlich im vom Erdbeben zerstörten Haiti erlebt. „Wir waren mit sechs Leuten und vier Hunden dort. In dem Moment, als mein Alarm piepste, wusste mein Hund schon, dass es los geht.”

Die Rettungshunde beide Staffeln sind auf das Aufspüren lebender Personen trainiert. Während sie ausschließlich auf den menschlichen Geruch ansprechen, reagieren Leichenspürhunde auf den Verwesungsgeruch.

„Wenn der Mensch erst kürzlich gestorben ist - die Umstände wie die Witterung spielen dabei auch eine Rolle - können unsere Hunde nicht immer zwischen einer lebenden und einer toten Person unterscheiden”, erzählt der 34-Jährige vom Einsatz in Port-au-Prince.

„Auf Haiti haben wir leider nur noch Tote unter den Trümmern gefunden. Unsere Hunde erkannten zwar, dass da irgendwo ein Mensch ist, aber sie merkten auch, dass etwas anders ist, als sie es vom Training kennen.” Dass zeigten die Rettungshunde deutlich: „Es war die Art, wie sie bellten - es war mehr ein Winseln - und auch die Körperhaltung ist anders”, beschreibt es Yves Marx.

Wie das aussieht, wenn eine lebende Person gefunden wird, kann man beim Training auf dem Truppenübungsplatz aus nähster Nähe beobachten. Rettungshündin Paula hat Zoe Ast, die das Opfer mimt, in der Nähe eines kleinen Tümpels im Nu gefunden: Paula ist ganz aufgeregt, sie bellt freudig und laut, tänzelt fast und bleibt bei der Zoe sitzen.

Im Gegensatz zum Einsatz im Karabikstaat sind die Rahmenbedingungen in der Buschmühle deutlich besser: Es war vor allem der Staub, der aus dem Trümmern aufstieg, der der feinen Hundenase zusetzte.

Es sind Hunde unterschiedlicher Rassen(mixe) in den Staffeln anzutreffen, aber was die Körpergröße angeht, ist eine klare Linie zu erkennen. „Ideal sind mittelgroße Hunde mit einem Gewicht 30 bis 35 Kilogramm - und natürlich muss der Spieltrieb stimmen”, stellt Professor Christoph Tiebel, Vorsitzender DRK Aachen-Stadt, klar.

Ein kleiner Hund sei beim Geländeabsuchen zu schnell erschöpft: „Wenn ein kleiner Hund drei Schritte macht, braucht ein großer nur einen”, so der 53-Jährige. Ein zu großer, schwerer Hund sei ebenfalls nicht geeignet, „den kann der Hundeführer nicht tragen”, erklärt Tiebel.

Die Belohnung bzw. die Bestätigung ist die Basis bei der Arbeit mit Rettungshunden. Paula, die Zoe gefunden hat, wird mit ihrem Lieblingsball und ganz viel Lob von „Frauchen” Bettina Frings belohnt. Zeit zum Belohnen muss sein, auch beim Ernstfall, sagt Yves Marx von der luxemburgischen Staffel.

„In Haiti haben wir immer nur einen Hund eingesetzt. Nach 10 bis 15 Minuten war Schluss, dann wurde der Hund ausgewechselt und gelobt.” Wird der Hund auch dann gelobt, wenn er keinen Überlebenden gefunden hat? „Auch dann. Die Motivation ist ganz wichtig für den Hund.”

Und wie motiviert sich der Mensch, wenn er nur Tote unter den Trümmern findet? „Die traurige Nachricht gibt den Angehörigen die Gewissheit, was passiert ist, und das ist auch eine Hilfe.”
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