Kupferstadt Vorreiter beim Klimaschutz

Von: Jürgen Lange
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In Stolberg ist er als Sinnbild für Klima- und Umweltschutz Foto: Lange

Stolberg. Das beste Beispiel in der Praxis lieferte Stolberg selbst vor wenigen Tagen mit seinem Beschluss, die sechs städtischen Ampelanlagen auf LED-Technik umzustellen. Um 15,5 Tonnen jährlich wird dadurch der CO<sub>2</sub>-Ausstoß verringert.

Bei seinem Beschluss dachte aber niemand im Rathaus daran, dass sie das auch dem Stolberger Unternehmen Aurubis zu verdanken hat. Denn sie fertigt die Rohstoffe für den nur 180 µ dünnen Kupferstreifen, den Direct Copper Board, und spezielle Legierung für die LED-Chips, Kühlplatten und Trägerbänder. Und mit diesem Produkt ist Aurubis Marktführer auf einem jährlich um 15 Prozent expandierenden Weltmarkt, erklärte am Donnerstag Geschäftsführer Dr. Holger M. Artelt bei einem hochrangigen Unternehmergespräch in der benachbarten Bleihütte Binsfeldhammer vor zahlreichen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Journalie.

„Die Nichteisen-Metalle sind Klimaschützer”, unterstrich Peter Willbrandt, Vorstand der Aurubis und stellvertretender Vorsitzender der Klimaschutzinitiative Metalle pro Klima. Denn ohne die Produkte dieser Branche seien Schlüsseltechnologien zur CO2-Reduzierung nicht denkbar. Sie werden beispielsweise benötigt zur Effizienzsteigerung erneuerbarer Energien, für Kraft-Wärme-Koppelung, Hybrid- und Elektrofahrzeuge, Batterien, Ausbau des Schienenverkehrs, effiziente Beleuchtung, Photovoltaik oder Solarthermen. „Wie Werkstoffeigenschaften von Kupfer in der LED-Technik ermöglichen ein Einsparpotenzial von bis zu 71 Prozent der CO2-Emissionen”, sagte Artelt.

Aber es sind nicht nur die Produkte der Nichteisen-Metallindustrie, die dem Klimaschutz zugute kommen. Der Industriezweig selbst leiste einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz, unterstrich Martin Kneer, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung Metalle. So investiert beispielsweise Aurubis bis 2012 in Hamburg 38 Millionen Euro, um seit 1990 die CO2Emissionen um 82 Prozent zu senken, was 120.000 Tonnen im Jahr ausmacht. Das beste Beispiel lieferte wieder Stolberg selbst mit seiner traditionsreichen Bleihütte Berzelius Binsfeldhammer. Heute produzieren hier 190 Mitarbeiter in der größten und modernsten Primärbleihütte Europas jährlich u..a. 150.000 Tonnen Blei, 100.000 Tonnen Schwefelsäure, 60.000 Tonnen Berzelit, 8000 Tonnen Kupfer-Bleistein und 300 Tonnen Silber. Die Muttergesellschaft Berzelius deckt mit ihren Tochterunternehmen das komplette Recycling von Batterien ab.

Branche drückt Energie-Kosten

Der große Durchbruch gelang der Hütte 1990 mit der Einführung des QSL-Verfahrens. Anstelle von 1,09 Tonnen CO2 pro Tonne Werkblei sank die Emission um 40 Prozent auf 0,64. Das entspricht einem Einspareffekt von 1,5 Millionen Tonnen CO2 bis heute, erklärte Berzelius-Geschäfsführer Dr. Reinhard Püllenberg. „Heute haben wir den höchsten Umweltstandard in Europa”.

Denn auch die weiteren Emissionen wurden seitdem deutlich gesenkt: von Staub auf 18 Prozent, von Blei auf neun Prozent, von Schwefeldioxid auf 12 Prozent. Allein in den vergangenen zehn Jahren wurden in den Standort Stolberg 42 Millioonen Euro investiert, die der Prozessoptimierung und dem Umweltschutz dienten: Vorstofflagerhalle, Abwasserbehandlungsanlage und Schwefelsäuretanks wurden errichtet. Jüngster Erfolg ist die gemeinsam mit Bayer entwickelte Bayqik-Anlage für Schwefelsäure, in die acht Millionen Euro inverstiert wurden, erläuterte Geschäftsführer Dr. Urban Meurer.

Doch die Branche drücken auch Sorgen, insbesondere nach dem Scheitern der Klimaschutz-Konferenz in Kopenhagen. „Deutschland kann nicht alleine eine Vorreiterolle auf dem Weltmarkt einnehmen”, warnte Willbrandt vor weiteren Kostenbelastungen der Industrie insbesondere auf dem Energiemarkt. „Das führt zu Wettbewerbsverzerrungen, die wir nicht mehr auffangen können.” Den Strom für den Stolberger Standort kauft Aurubis übrigens in Österreich ein. Sicherlich seien reduzierte Industriestrompreise erwünscht, sagte Martin Kneer, vor allem aber strebe die Wirtschaftsvereinigung mehr Akzeptanz und Sympathie für ihre Branche an.

Rückendeckung der Politik

Rückendeckung erhielten die Industrieführer von der stellvertretenden Bürgermeisterin Hildegard Nießen, die ein klares Bekenntnis der Stadt zu den Stolberger Unternehmen ablegte. „Wir werden alles tun, damit sie in Stolberg auf ein gutes Klima treffen.” Und Dietmar Broches, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP im Landtag, plädierte für einen gesicherten Grundlaststrom durch einen breit angelegten Energiemix.

Die grüne Bundestagsabgeordnete Bettina Herlitzius zeigte sich beeindruckt von richtigen Weg des Klimaschutzes, auf dem sich die NE-Metallindustrie befinde. Und die CDU-Europaparlamentarierin Sabine Verheyen sprach sich für eine Klima- und Energiepolitik aus, die mit Augenmaß die Realität der Industrie berücksichtige.
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