Kupferhof bietet Kulisse für eine Zeitreise

Von: Heike Eisenmenger
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Der „Mond“ ist über dem Kupferhof Rosental aufgegangen: Eine mit Helium gefüllte Lampe sorgt beim Dreh für die erforderliche Ausleuchtung von oben. Foto: H. Eisenmenger
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Fast zwei Stunden haben Visagisten und Haarstylisten gebraucht, bis die Komparsinnen Laura Borile (links) aus Aachen und Stefanie Langfeld aus Heinsberg bereit sind für die Dreharbeiten.
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Bis ein solch kunstvolles Haargebilde entstanden ist, vergehen leicht 40 Minuten.
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Philipp Budweg schwärmt: „Die Aachener Region ist ideal für Dreharbeiten.“

Stolberg. Im Kupferhof in Stolberg wurden Szenen für den Kinofilm „Saphirblau“ gedreht, der am 7. August 2014 in den deutschen Lichtspielhäusern starten soll. Rokoko-Kleider und Kutschen bestimmen die Szene. Der Mond, der keiner ist, schwebt bleich und groß über dem Kupferhof Rosental.

Der Mond, der keiner ist, schwebt bleich und groß über dem Kupferhof Rosental. Fast jeder, der an diesem Abend an dem historischen Gemäuer vorbeikommt, glaubt, der Ballon stelle einen künstlichen Vollmond dar. Das tut er aber nicht: Tatsächlich handelt es sich um eine mit Helium gefüllte Speziallampe, die bei Dreharbeiten und Fotoshootings dazu genutzt werden, eine Kulisse von oben auszuleuchten. Diffuses Licht ist nötig, um eine Szene, die im Eingangsbereich der Hofanlage spielt, zu filmen. Die Szene, die der Zuschauer später auf der Leinwand sehen wird, dauert nur wenige Sekunden. Aber bis diese kurze Sequenz im „Kasten“ ist, hat die Filmcrew ein hartes Stück Arbeit zu leisten.

Teil 1 ein Kassenschlager

„Saphirblau“ heißt der Kinofilm, der am 7. August 2014 in den deutschen Lichtspielhäusern starten soll. Es ist der zweite Teil der „Liebe geht durch alle Zeiten“-Trilogie. Geschrieben hat den Dreiteiler die Schriftstellerin Kerstin Gier. Nach dem Erfolg von „Rubinrot“ hoffen die Produzenten, dass auch „Saphirblau“ ein Kassenschlager wird.

Die Hauptrollen besetzen wie schon bei Teil I („Rubinrot“) Maria Ehrich als Gwendolyn und Jannis Niewöhner als Gideon. Die beiden Helden reisen durch die Zeit und erleben spannende Abenteuer. Eingebettet ist das Ganze in eine Liebesgeschichte.

Ebenfalls zu sehen sind in der Fantasie-Geschichte Katharina Thalbach und Veronica Ferres. Für die Dauer der Dreharbeiten, die in der Region stattfinden, hat Philipp Budweg von der Lieblingsfilm GmbH mit Sitz in München ein Großraumbüro im Aachener Tivoli angemietet: „Wir drehen hier rund vier Wochen lang. Eine feste Anlaufstelle zu haben, wo wir einen Teil des Equipments unterbringen, uns besprechen und sich auch die Komparsen umziehen können, ist da ungemein praktisch“, sagt der Geschäftsführer.

NRW-Filmstiftung unterstützt

Budweg ist von der Region als Drehort angetan. Und das nicht nur wegen der historischen Bausubstanz, wie man sie etwa in Kornelimünster, in der Jülicher Zitadelle oder eben auch im Kupferhof Rosental in Stolberg findet. Auch das Entgegenkommen seitens der Behörden sei ein wichtiger Aspekt. Ein weiterer Grund, warum die Aachener Region als einer der Drehorte ausgewählt wurde, ist, dass „Saphirblau“ von der NRW-Filmstiftung bezuschusst wird. Ergo wird in Nordrhein-Westfalen gedreht, denn es geht auch um das Ankurbeln der Wirtschaft im Bundesland.

Und Budweg nennt ein weiteres Argument: „Es gibt Städte, die immer wieder als Drehort herhalten müssen. Dass dann irgendwann die Anwohner genervt reagieren, weil zum x-ten Mal ihr Parkplatz von Kamerateams zugestellt ist, kann ich verstehen. Gerade darum sind für uns Drehorte, die nicht überstrapaziert sind, ideal.“

Aus der Region kommen auch viele der Komparsen. So beispielsweise Sebastian Lück. Er ist der Sohn von Kupferhof-Besitzerin Monika Lück und wurde spontan beim Dreh gefragt, ob er Lust habe, beim nächsten Dreh in wenigen Tagen mitzumachen. Er spielt einen Schüler im Hier und Jetzt. Die Szene jedoch, die im Kupferhof abgedreht wird, versetzt die beiden Helden der Geschichte in eine längst vergangene Zeit: In einer Zeit, als es keine Autos gab, sondern Kutschen als Transportmittel genutzt wurden, und die Damen viel Oberweite zeigten und reichlich Puder auftrugen. Das erklärt auch die Kutsche, gezogen von weißen Pferden, die gleich vorfahren wird. „Die Kutsche ist original. Allerdings haben wir das Dach verstärken lassen, weil wir die Kutsche für eine Stuntaufnahme in Teil I brauchten. Ohne diese Verstärkung wäre der Stuntman durchgekracht“, erklärt Lieblingsfilm-Geschäftsführer Budweg.

Ein Stunt, der in einem echten Rokoko-Kleid gar nicht machbar wäre, weil das eng geschnürte Korsett seiner Trägerin jede Bewegungsfreiheit rauben würde. Aber sie sehen gut aus, die Damen in ihren prächtigen Ballkleidern. Tief dekolletiert, die Haare zu kunstvollen Gebilden hochgetürmt und mit reichlich Make-up versehen, ist die Illusion perfekt. Visagisten und Haarstylist hatten im Vorfeld alle Hände voll zu tun, die Schauspieler entsprechend herzurichten. Auch Komparsin Laura Borile trägt ein Atem beraubendes Kleid. Getreu der Devise „Wer schön sein will, muss leiden“, schnürte ihr das Mieder die Luft ab. „Jetzt geht es, ich kann wieder atmen“, erzählt die 23-Jährige und lacht. Fast zwei Stunden hat es gedauert, bis aus der hübschen Aachenerin eine feine Rokoko-Dame wurde.

Für die meisten Komparsen ist ihr Auftritt nicht mehr als eine spannende Erfahrung. Für Björn Benett aus Köln ist die Schauspielerei hingegen Berufung. Auch wenn der 43-Jährige „nur“ eine Komparsenrolle hat, freut er sich über das Engagement, denn jeder Dreh birgt die Chance, neue Kontakte zu knüpfen.

Der Dreh beginnt: Alle müssen mucksmäuschenstill sein. Vor allem das Blitzen der Handykameras von Passanten stört. Die Stolberger sind aber ein nettes und verständiges Völkchen. Zwar bleiben viele Menschen stehen und schauen, was im Kupferhof los ist, aber es stört niemand. Die Hauptdarsteller dürfen von Außenstehenden ohnehin nicht abgelichtet werden.

5,5 Millionen Euro kostet die Kinoproduktion. Zum Vergleich: „Ein Tatort liegt bei 1,4 Millionen“, so Philipp Budweg. Im Einsatz sind während des kompletten Drehs insgesamt rund 500 Komparsen und 50 Schauspieler (mit Sprechrollen). Das feste Team, das für die Produktion nötig ist, besteht aus 90 Personen. Angesichts der Personalkosten wird klar, warum jede Verzögerung bares Geld kostet – und deshalb vermieden werden sollte.

Zum Glück läuft beim Dreh in Stolberg alles nach Plan, und schon nach drei Stunden schwebt der „Mond“ gen Boden. Licht aus, Klappe zu – die Szene ist im Kasten.

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