Stolberg - Kulturfestival wird zur Sommerparty

Kulturfestival wird zur Sommerparty

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
Triggerfinger
So liebt das Publikum Ruben Glock: „Triggerfinger“ bieten klaren, harten Rock, eine mitreißende Bühnenschow und natürlich ihren beliebten Ohrwurm „I Follow RIvers“. Die Fans im Museum sind begeistert. Foto: Jürgen Lange

Stolberg. Den warmen Sommerabend trübt nur eine einzige kleine Wolke. „Schade, dass das Konzert nicht draußen ist“, hört man immer wieder von den rund 600 Gästen, die es sich derweil auf dem Bernhard-Kuckelkorn-Platz vor dem Museum Zinkhütter Hof bequem und gemütlich machen.

Das Highlight des Kulturfestivals der Städteregion wird zu einer Sommerparty. Während im Saal noch die letzten Vorbereitungen für den Auftritt der Aachener Band „Neogen“ und der Antwerpener Rocker „Triggerfinder“ laufen, genießen die Besucher das Flair der historischen Industrieensembles.

Burger und Rosmarin-Kartoffeln

Einen gut in Anspruch genommenen Biergarten haben die Organisatoren um Dr. Nina Mika-Helfmeier, die Kulturchefin der Städteregion, aufgebaut. Die Getränkestände sind umlagert. Museums-Maître Stefan Carol serviert „Holo“ Burger, Würstchen und Rosmarin-Kartoffeln. In seinem Bistro stärken sich die Helfer von Bands, Musik- und Lichtanlage am Buffet bei Scholle, Schnitzel, Sahnekartoffeln, Nudeln, feinen Desserts & Co. von den Strapazen des Aufbaus.

In ihren Garderoben bereiten sich derweil die beiden Bands auf ihre Auftritte vor. Die Sandwich-Ebenen sind zum Backstage-Bereich umgestaltet. Die Bühne steht vor dem Aufzug; der ist zunächst mit schwarzem, später mit goldenem Stoff verhüllt. Auf den Emporen haben sich die Besucher bereits die besten Plätzen am Geländer gesichert – der garantiert beste Blick auf die Bühne. Dort stimmt zunächst Moderator Robert Esser im Gespräch mit Helmut Etschenberg ein. „Das Kulturfestival wird es auch im kommenden Jahr geben“, verspricht der Städteregionsrat unter dem Applaus des Publikums, „und es bleibt ohne Eintritt“.

Sponsoren und Fördergelder haben das auch bisher möglich gemacht. Die drei Euro beispielsweise für die Triggerfinger-Karten haben nur einen organisatorischen Hintergrund und werden größtenteils für soziale Zwecke gespendet. Doch Helmut Etschenberg zeigt sich nicht nur über die Hintergründe des Kulturfestivals bestens informiert, sondern frohlockt bereits voller Vorfreude auf die belgischen Chart-Stürmer. Ihren Hit „I Follows River“ kann er vorflöten und im Internet hat er sich auf die weiteren Songs der Belgier eingestimmt. „Es gibt schönen, harten Rock“, sagt der Städteregionsrat und wippt schon einmal im Takt mit als „Neogen“ zum Support losrocken.

Mit Dynamik und Lyrik, mit Art-Rock und Harmonie, mit harten Klängen wie mit sanften Balladen ziehen die Gitarristen Oliver Spanke und Martin Rohdich, Bassist Markus Proske und Schlagzeuger Tom Engels das Publikum in ihren Bann – und vor allem mit der klaren Stimme von Sängerin Manuela Frey. Bereits am Abend zuvor hatten sie ihr Publikum beim Signal-X-Konzert im Alsdorfer Energeticon begeistert – ebenso wie bei ihrem knapp einstündigen Gig in der Kupferstadt.

Die verwöhnt während der kurzen Umbaupause die Besucher wieder mit Sommerflair auf dem Zinkhütter Hof; doch pünktlich stehen die Fans wieder vor der Bühne, als Robert Esser „Triggerfinger“ präsentiert. „Warschau, London, Budapest, Glasgow, Paris – und jetzt der Zinkhütter Hof“. Da darf mit einem leichten Schmunzeln auch der kleine Hinweis auf die Organisatorin nicht fehlen: „Nina hat gesagt, Ruben sieht wieder umwerfend aus“.

„Wie in früheren Zeiten“

Der betritt im schwarzen Anzug, schwarzen Hemd, schwarzer Krawatte und goldenen Schuhen die Bühne und greift zur gold-berandeten Gitarre. Ruben Block hatte „Triggerfinger“ 1998 gegründet gemeinsam mit Schlagzeuger Mario Goossens – im pinkfarbenen Anzug. Schnell kam Bassist Paul Van Bruyntegem – schwarzer Anzug, Cowboy-Hut im Leoparden-Look – hinzu. Ab ging‘s: „Love Lost in Love“, „Let It Ride“ und „It Hasn’t Gone Away“: Die Single-Auskopplungen aus den mittlerweile sechs Alben – drei Studio-, drei Live-Alben – bescheren den Blues-Rockern seitdem in schöner Regelmäßigkeit Präsenz im Radio und in den Charts. Der große Durchbruch folgte im vergangenen Jahr mit „I Follows River“, entstanden bei einer niederländischen Radiosendung, der die Hitparaden stürmte.

Doch bis der Ohrwurm im Zinkhütter Hof umjubelt werden kann, soll‘s zu dem Zeitpunkt noch etwas dauern. Erst einmal entfachen die Drei ein Feuerwerk an hartem Sound. Los bricht ein Gewittersturm aus Rock, Blues, Rockabilly mit einer mitreißenden Bühnenschow.

Da steht Mario Goossens auf dem Stuhl an seinen Drums, da schüttet sich vor lauter Wärme im Saal Paul Van Bruyntegem eine Portion Wasser in seinen Hut, um dann wieder die Saiten seines Basses zu malträtieren. Ruben Block zupft enthusiastisch die Gitarre, die immer wieder gewechselt und neu justiert wird. Die Spielfreude schwappt schnell auf das Publikum über. So hautnah wie im ausverkauften Zinkhütter Hof sind „Triggerfinger“ selten zu erleben. Und die Antwerpener genießen diese Atmosphäre sichtlich. Ruben Block blickt in die Runde und auf die Empore, verneigt sich immer wieder für die stimmungsvolle Zustimmung, die auch den Vertreter des Städteregionsrates gepackt hat. „Wie in früheren Zeiten“, freut sich Axel Hartmann neben der Bühne und wippt mit, während die drei Musiker im lichtdurchfluteten Nebel auf dem Podium weiter Gas geben.

Etschenberg zückt das Handy

Immer wieder zückt Helmut Etschenberg dabei sein Smartphone und filmt den Gig – so wie zahlreich andere begeisterte Fans im Publikum. Fast 75 Minuten dauert ihre dynamische Show, bis unter lautem Jubel „I Follows River“ zu hören ist – bei weitem nicht der letzte Song. Und angesichts der vielen Zugabe-Rufe lassen sich eine Viertelstunde später „Triggerfinger“ nicht lumpen und legen noch einmal nach, bevor sie um 23 Uhr erschöpft die Bühne verlassen.

Doch das ist noch nicht das Ende des städteregionalen Kulturfestivals. Der Zinkhütter Hof bietet noch die Gelegenheit zum gemütlichen Ausklang, und auch die Altstadt lockt. Vom Burghaus her klingen leise die Klänge von „Rockballast“ herüber. Und so manch einer macht sich noch auf den Weg zu einem Abstecher in Richtung Burg.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert