Stolberg - Krönender Abschluss des Musiksommers

Krönender Abschluss des Musiksommers

Von: Marie-Luise Otten
Letzte Aktualisierung:
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Mit Virtuosität und Improvisationstalent spielte das siebenköpfige Ensemble „Fun drojssn” die religiöse Festmusik der Juden. Foto: M.-L. Otten

Stolberg. Das Klezmerensemble „Fun drojssn” aus Köln sorgte am Samstagabend mit Temperament und Können für einen krönenden Abschluss beim 17. Stolberger Musiksommer.

In der gut gefüllten Finkenbergkirche präsentierten sich Burghard Corbach (Saxophon), Christine Moos (Violine), Carola Jeschke (Klarinette), Ulrike Kaempfert (Schlagzeug), Jürgen Ostmann (Akkordeon), Holger Schroers (Bassposaune) und Eva Kreft (Gesang und Moderation) als ein gut aufeinander eingespieltes Team. Technisch perfekt, stilsicher und mit Leichtigkeit vorgetragen war ihre Musik, die spürbar von Herzen kam und zu Herzen ging.

Mit Virtuosität und Improvisationstalent spielte das Ensemble die religiöse Festmusik der Juden, wie sie sich in Osteuropa entwickelte und in den Vereinigten Staaten weitergeführt wurde. Ganz nebenbei erfuhren die Zuhörer noch Wissenswertes über diese facettenreiche Musik. So wurde von den großen Klezmer-Klarinettisten Naftule Brandwein und Dave Tarras erzählt, die das heimwehkranke osteuropäische Immigrantenpublikum in New York mit ihren Klängen verzauberten.

Ergreifende Wendungen

Hier in Stolberg war es Carola Jeschke, die im Dialogstil mit Christine Moos oder Burghard Corbach ergreifende melodische Wendungen und liebevoll ausgearbeitete Details zum Besten gab. Aber auch die übrigen Ensemblemitglieder überzeugten mit spielerischer Brillanz und schufen Klanglandschaften von großer Schönheit und Fantasie.

Die Einflüsse der Neuen Welt durch Charleston, Swing und Tango sowie das jazzige Element vereinten geschickt eingängige Melodik und mutige Klangkonstruktionen - ein Verdienst der Arrangeure Corbach, Moos und Jeschke.

Trotz des erfrischenden Schwungs und der mitreißenden Tanz-Rhythmen kamen immer auch die tragischen Seiten des Lebens zum Vorschein. Ob Ghetto-Leben oder als Immigrant an der Lower East Side, in den teils wehmütigen und melancholischen Liedern war von Sehnsucht nach Freiheit und Glück die Rede. Der Doina, einem rhythmisch ungebundenen und melodisch frei improvisierbaren Klagelied folgte meist ein schnelleres Stück.

Ein ganz eigener Stil

Das Kölner Septett spielte in seinem ganz eigenen Stil und vermittelte den Zuhörern packende Stimmungsbilder, die in ihrer Mischung aus eigenwilligen klanglichen Eingebungen ungemein charakteristisch die „jiddische” Musik erkennen ließ. Besonders interessant war der normalerweise geradtaktige Bulgar, den das Ensemble in einem siebener Takt spielte.

Lang anhaltender Schlussbeifall war der Dank für diese seelenvollen Darbietungen.

Mit „Abi gezunt” (Bleibt gesund) verabschiedete sich „Fun drojssn” von der begeisterten Zuhörerschaft in Stolberg.

Dem Organisationsteam des Stolberger Musiksommers kann man nur gratulieren, Künstler im Engagement zu haben, die das Musikleben der Kupferstadt in dieser Form bereichern. Das nährt bereits jetzt die Vorfreude auf die nächste Auflage.
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