Stolberg - Kripo sichert Spuren: Zwei weitere Ölspuren vorsätzlich gelegt

Kripo sichert Spuren: Zwei weitere Ölspuren vorsätzlich gelegt

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
7500114.jpg
Noch in der Nacht rückt der Ermittlungsdienst aus dem Aachener Polizeipräsidium in Breinig und Zweifall an. Im Scheinwerferlicht der Feuerwehr werden die Tatorte dokumentiert und Spuren für eine kriminaltechnische Untersuchung gesichert. Foto: J. Lange

Stolberg. Das Tückische ist, dass man nichts sieht. Erst recht nicht an diesem Abend, nachdem es heftig angefangen hat zu regnen. Doch die Kraft dieser Tropfen reicht bei weitem nicht aus, um den schmierigen Film von der Fahrbahn der beiden Landesstraßen zu spülen.

Erst im Gegenlicht der Scheinwerfer von Feuerwehr und Polizei ist auf dem schwarzen Asphalt der Winterstraße in Höhe des Wanderparkplatzes Roggenläger das gefährliche Leuchten des Ölfilms zu erkennen. Wer nicht darauf achtet, wird ihn kaum wahrnehmen. Aber an diesem Abend bemerken aufmerksame Passanten die Gefahrenstellen, alarmieren gegen 21.30 Uhr Feuerwehr und Polizei. Die sorgen erst einmal dafür, dass die Gefahrenstellen für den Verkehr gesperrt bleiben – bis in den Vormittag hinein.

Und als Hauptkommissar Lauscher in der Finsterau kurz hinter Zweifall nach weiteren Spuren sucht, rutscht er sogar auf seinen beiden Dienstschuhen aus. Nach einem kleinen Tanz findet der Polizist seine Balance Halt wieder. „Wer tut nur so etwas?“, fragt sich nicht nur Brandoberinspektor Roland Keller. Er ist fassungslos. Ebenso seine Kollegen der Venwegener Löschgruppe, die die Tatorte bei Breinig und Zweifall ausleuchten, und die Polizeibeamten, die die Strecken absperren und Spuren sichern.

Es ist die zweite Nacht innerhalb von fünf Tagen, in der in Stolberg und der Nordeifel das Öl augenscheinlich vorsätzlich auf beliebte Strecken von Motorradfahrern von noch unbekannten Tätern aufgebracht wurde – mitten in den bei Kradfahrern beliebten Kurven. Ein Kradfahrer stürzte bereits und verletzte sich schwer.

Allen bisherigen Erkenntnissen nach sind es Taten mit Vorsatz und System. In jeweils zwei großen Kreisen zieht sich der Film dieses besonders heimtückisch wirkenden Hydrauliköls über die beiden Fahrbahnen der Landesstraßen 24 und 238. Der Regen der Nacht sorgt zudem dafür, dass sich die glitschige Substanz weiter verteilt.

„Diese Kreise kann man nicht einfach aus einem Auto auf die Fahrbahn spritzen“, spricht einer der Beamten das aus, was hier alle denken. Es muss sich jemand die Mühe gemacht haben, mit einem Fahrzeug die Tatorte anzusteuern, um dann zu Fuß die Ölspuren auszulegen. Alle Indizien deuten auf gezielte Attentate hin. Dabei müssen der oder die Täter in Kauf genommen haben, von Passanten entdeckt zu werden. Aber eindeutige Beweise fehlen noch, ebenso wie die entscheidenden Hinweise auf mögliche Täter aus der Bevölkerung.

Auf die setzt die Aachener Staatsanwaltschaft, die den Fall jetzt an sich gezogen hat. „Der oder die Täter nehmen stillschweigend in Kauf, dass Menschen verletzt oder sogar getötet werden“, sagt Dr. Jost Schützeberg. „Deshalb ermitteln wir wegen eines versuchten Tötungsdeliktes“, erläutert der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen werden mit Hochdruck betrieben. Dazu hat Polizeipräsident Klaus Oelze eigens eine eigene, mehrköpfige Sonderkommission eingesetzt.

Aufwendige Reinigung

Mit Akribie werden auch an diesem Abend Spuren gesichert. Der Ermittlungsdienst der Aachener Kriminalpolizei dokumentiert die Tatorte fotografisch. Sie werden vermessen und die Beamten nehmen Proben. Zur Analyse des Öls und zur Sicherung von DNA-Spuren durch Kriminaltechniker. Doch schon auf den ersten Blick ist es für die Polizeibeamten augenscheinlich, dass die bislang entdeckten fünf Vorfälle einem einheitlichen Muster entspricht. Die Serie von Attentaten erschüttert vor allem die Motorradfahrer. „Das ist eine Katastrophe“, fühlt sich Ferdi Gatzweiler doppelt betroffen – als Stolberger Bürgermeister und als begeisterter Kradfahrer.

Ein anderer Stolberger rückt noch in der Nacht zu den beiden Tatorten aus: Helmut Kutsch sorgt mit seinen Mitarbeitern und Spezialgerät dafür, dass die Fahrbahnen der beiden Landesstraßen wieder befahrbar werden. Mit einem Lösemittel und Dampfstrahlgerät soll das gefährliche Öl aus dem Asphalt gespült und dann aufgesogen werden. „Das wird aber eine schwierige Sache“, sagt Kutsch. Denn Hydrauliköl ist besonders hartnäckig und nur aufwendig zu beseitigen. Erst kurz vor 9 Uhr gibt der Landesbetrieb Straßenbau die Strecken wieder für den Verkehr frei.

Leserkommentare

Leserkommentare (20)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert