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Kostendruck: Dalli baut 245 Arbeitsplätze ab

Von: Jürgen Lange
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Insbesondere die Produktion an
Insbesondere die Produktion an den Standorten Stolberg und Flörsheim, aber auch alle übrigen Unternehmensbereiche sind vom konzernweiten Stellenabbau bei Dalli betroffen. Foto: J. Lange

Stolberg. Die Kette der Schreckensmeldungen reißt nicht ab. Nach Bombardier in Aachen, dem Lynen-Werk in Eschweiler und der Stolberger KME kündigt nun auch die traditionsreiche Dalli-Gruppe einen drastischen Personalabbau an: Konzernweit werden 245 der 1500 Stellen gestrichen.

Am stärksten betroffen ist davon der heimische Standort an der Finkensief­straße. Dort wird mit einer Reduzierung von 98 Beschäftigten fast jeder sechste der rund 620 Arbeitsplätze gestrichen - zum größten Teil in der Produktion. In vergleichbarem Ausmaß betroffen ist das Tochterunternehmen Win Cosmetic, bei dem in Flörsheim auf vollautomatischen Anlagen Flüssigwaschmittel hergestellt und abgefüllt wird, während sich die Produktion in Stolberg auf Pulverwaschmittel und Maschinenreiniger-Tabs konzentriert. Weitere Produktionsstätten sind in Westerburg sowie im niederländischen Hoensbroek und Heerde.

„Zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit und zur Sicherung der Unabhängigkeit” sieht sich Dalli zu einer solchen Maßnahme gezwungen, erklärte Geschäftsführer Markus Kessler gegenüber unserer Zeitung. Die Umsetzung der Restrukturierung „erfolgt in unterschiedlichen Zeiträumen und über alle Bereiche hinweg bis Ende des Jahres 2013”. Begonnen werde damit bereits im ersten Halbjahr. Nicht betroffen sei das zur Gruppe gehörende Tochterunternehmen Mäurer & Wirtz.

Bereits vor einem Jahr sah sich Dr. Hermann Wirtz bei der Belegschaftsversammlung in der Stadthalle gezwungen, die Beschäftigten über ein verlustreiches Jahr zu informieren: „ein Verlust, der in etwa der Kapitalerhöhung entspricht, die die Gesellschafter Anfang 2011 dem Unternehmen zugeführt haben und die somit vollständig verbraucht ist”, so der geschäftsführende Gesellschafter.

Nicht bestätigt wurde seinerzeit das Volumen von zehn Millionen Euro. Diese bilanzielle Talfahrt wird in erster Linie mit drastisch gestiegenen „Rohstoffkosten in nie gekannter Höhe” begründet.

Nicht mit allen Kunden und Lieferanten fand Dalli eine Lösung, wie die steigenden Kosten aufgefangen werden könnten. Weil das Handelsmarkengeschäft von geringen Margen geprägt ist, trennte man sich von nicht profitablen Aufträgen. „Jeder Standort ist betroffen”, kündigte Kessler bereits im Dezember eine „Dalli 2014” genannte Verschlankung und Restrukturierung an und kennzeichnete die zuvor mit dem Betriebsrat vereinbarte Einführung der 40-Stunden-Woche als „unbedingt notwendig, um wettbewerbsfähige Angebote machen und damit die Arbeitsplätze sichern zu können.”

Das reichte vor dem Hintergrund weiter steigender Rohstoffkosten und „veränderter Rahmenbedingungen im Wettbewerb und im Markt” offensichtlich nicht aus. Um den Erfolg von Dalli als Marktführer in seinem Bereich „auch künftig zu sichern”, sollen „Strukturen in Verwaltung und Produktion nachhaltig optimiert” werden, „um weiterhin an der Spitze des Marktes stehen zu können”, nennt Kessler das Ziel.

Bereits während der vergangenen zehn Jahre seien der Standort Stolberg und die Sicherung der Arbeitsplätze das zentrale Thema gewesen. Als Familienunternehmen „fühlen wir uns unseren Mitarbeitern in besonderer Weise verbunden”, betont der Geschäftsführer, dass der „Stellenabbau so sozialverträglich wie möglich” gestaltet werden solle. Geplant seien Qualifizierungsmaßnahmen, freiwillige Aufhebungsverträge sowie eine deutlich verringerte Zahl von externen Einstellungen.

Betriebsrat ist schockiert

Derzeit sind Stellen für Key-Account- und Produktmanager, Controller, Verpackungstechniker und für einen Volljuristen ausgeschrieben sowie für das Ausbildungsjahr 2013 Chemikanten und Mechatroniker gesucht. Darüber hinaus soll die Effizienz in der Fertigung nachhaltig gesteigert werden. Kessler: „Es wird in Anlagen und Qualifizierung investiert.”

„Es wurde wohl in der Vergangenheit nicht ausreichend investiert”, sieht Karl-Josef Emonds in zu hohen Produktionskosten einen Grund für die Krise, die nun die Mitarbeiter treffe. „Das hat uns eiskalt erwischt”, ist der Betriebsratsvorsitzende schockiert vom Umfang des Stellenabbaus. „Wir werden um jede Stelle kämpfen”, kündigt Emonds harte Verhandlungen über einen Sozialplan an. Um heute bereits in Details zu gehen, sei es noch zu früh. „Es liegen uns noch nicht alle Informationen vor, und wir wollen uns mit den Kolleginnen und Kollegen an den anderen Standorten abstimmen”, aber bereits gewiss sei, dass die in zwei Wochen angesetzte Belegschaftsversammlung in der Stadthalle wohl anders ablaufen wird, als man das bislang geplant hatte.
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