Konzert in der Finkenbergkirche: Schönheit und Tiefe der Musik

Von: mlo
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Olga Romanovskaja (Mezzosopran/Klavier) und Boris Kozin (Bariton/Violine) als „Newa-Ensemble“ in Stolberg. Foto: M.L. Otten

Stolberg. Das letzte Konzert ihrer Europatournee gestalteten Olga Romanovskaja (Mezzosopran/Klavier) und Boris Kozin (Bariton/Violine) als „Newa-Ensemble“ aus St. Petersburg in der Stolberger Finkenbergkirche.

Es war gleichzeitig das Abschlusskonzert des diesjährigen Internationalen Konzertzyklus auf dem Finkenberg. Während der erste Teil im Zeichen sakraler liturgischer Gesänge aus der russisch-orthodoxen Kirche stand, führte der zweite Teil durch russische Romanzen und Volkslieder.

Der Gesang nimmt einen sehr wichtigen Platz im orthodoxen Gottesdienst ein. Er drückt die Gedanken der Menschen, seine Gefühle und besonders seine Stimmung aus: Freude und Kummer, Leid und Jubel, Hoffnung und Bitte um Hilfe und Schutz. Der ganze Reichtum der Kirchenmusik zeigte sich in Psalmen, Hymnen und geistlichen Liedern, die die beiden Profis im Duett oder solistisch, a-cappella oder mit Klavier- / Violine-Begleitung darboten.

Die Schönheit und Tiefe dieser Musik berührte unmittelbar das Herz. „Es ist ein Eintauchen in eine Wirklichkeit, der wir sonst im Alltag selten begegnen“, so Olga Romanovskaja, die auch moderierte und den Zuhörern in der gut besuchten Kirche Informationen über „ihre“ Kirche gab.

So erfuhr man nebenbei, dass der Gebrauch von Instrumenten in der orthodoxen Kirche eigentlich nicht gestattet ist, weil Instrumente nicht beten können. Von den vielen Regeln, die zu beachten sind, zählt zum Beispiel, dass Frauen und Mädchen ihre Haare bedecken müssen, wenn sie eine Kirche oder ein Kloster betreten.

Neben den innig, geheimnisvoll und melancholisch klingenden Gesängen gab es auch fröhlicheres, lobpreisendes Liedgut wie es dem Fest der Auferstehung an Ostern entspricht. Von Karfreitag bis Ostermontag werden viele Gottesdienste in den orthodoxen Kirchen gefeiert. Ihrem Selbstverständnis nach wahren sie die Kirche, wie sie von den Aposteln vorgeprägt wurde. Der Altarraum wird von einer prachtvoll mit Schnitzwerk und Ikonen gearbeiteten Wand getrennt vom Kirchenraum, in dem die Gläubigen sich sammeln und feiern.

Mit dem Stück „Andacht“ gedachten Olga und Boris der im 18. Jahrhundert gestorbenen Menschen, die St. Petersburg auf Sumpfgelände gegründet hatten.

Der zweite Teil war von weltlicher Musik geprägt. Zu den populärsten russischen Romanzen zählen Michail Glinkas „Sie kommen nicht zurück, unsere glücklichen Tage“ und „Die Nachtigall“, hinter deren Klage um treulose Liebe sich die Sehnsucht nach einer Zeit, in der Freundschaft und Treue keine leeren Worte sind, verbarg.

Stürmischen Applaus gab es für drei Stücke aus Tschaikowskis „Kinderalbum“, darunter ein altfranzösisches Liedchen, ein italienisches und neapolitanisches Tanzlied.

Russische Liebeslyrik kam in Alexander Puschkins „Fontäne von Bachtschissarai“ zum Ausdruck. Hier wurde die Krim, wie der russische Komponist sie in seiner Verbannung aus Petersburg gesehen hat, beschrieben, eine ganz fremde Welt in einem fruchtbaren, üppig grünen Tal.

Anton Rubinsteins „Melodie“ (F-Dur) - ursprünglich für Klavier solo komponiert - ist das bekannteste Werk aus der Feder des russischen Komponisten. Die schlichte aber innige Melodie und ihre ausdrucksvolle Harmonisierung waren wie geschaffen für Violine und Klavier. Beliebte russische Volkslieder und Chansons rundeten den Nachmittag ab. Nach langem Beifall sangen und spielten sie gerne den „roten Sarafan“ (die traditionelle russische Hoftracht) als Zugabe.

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