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Kontrollgang durch das Innere des Riesen

Von: Doris Kinkel-Schlachter
Letzte Aktualisierung:
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Zur Führung durch das Innere der Wehebachtalsperre gehörte auch der Wasserentnahmeturm. Hier erklärt Ralph Prost den Lesern, dass auf insgesamt sechs unterschiedlichen Ebenen Wasser entnommen werden kann. Foto: D. Kinkel-Schlachter
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Kraftwerk
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Kontrollgang
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Im Kontrollgang ist sehr gut zu sehen, wie das Sickerwasser aufgefangen wird.
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Durch die energetische Nutzung der Turbine werden bis zu 100 Haushalte mit Strom versorgt.

Stolberg-Schevenhütte. 20.000 Meilen unter dem Meer befinden sich die Damen und Herren an diesem Nachmittag zwar nicht. Mulmig ist dem ein oder anderen aber dennoch. An der tiefsten Stelle des alten Talgrundes der Wehebachtalsperre stehen die Füße bei 206 Meter über Normalnull, der Wasserspiegel ist auf 244 Metern.

Über ihren Köpfen sind also rund 40 Meter Wasser. „Hier ist noch nie etwas passiert“, sagt Ralph Prost zu der Gruppe. Er muss es wissen: Schließlich wohnt und arbeitet er an der Wehebachtalsperre.

Heute fällt sein Kontrollgang nicht so einsam aus wie sonst. Im Schlepptau hat der Talsperrenbetriebsleiter 22 Teilnehmer der exklusiven Leser-Führung, die unsere Zeitung anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Wehebachtalsperre in Kooperation mit dem Wasserverband Eifel-Rur (WVER) angeboten hat.

Am 11. Mai 1983 wurde die Talsperre offiziell in Betrieb genommen. Die Grundsteinlegung fand am 7. Juni 1977 nach vierjähriger Bauzeit statt. Das kann die Gruppe im Entnahmeturm sehen, wo der Grundstein befestigt ist. Bevor es in den über 400 Meter langen Kontrollgang geht, erfahren die Teilnehmer von Marcus Seiler, was der WVER macht, welche Aufgaben er hat und warum es überhaupt Talsperren gibt.

Die Mitglieder des WVER sind im Verbandsgebiet die Kommunen und Kreise, Abwasser ableitende gewerbliche Betriebe im Verbandsgebiet und die Trinkwasserversorger. Seine Aufgaben sind der Hochwasserschutz und die Vergleichmäßigung, also Stabilisierung, des Wasserflusses, die Unterhaltung von Fließgewässern, Talsperrenbetrieb, die Bereitstellung von Trinkwasser und Betriebswasser und Ausnutzung der Wasserkraft, die Be- und Entwässerung von Grundstücken, die Beseitigung von Abwässern aus Gewerbe- und Privatbereich sowie die Herstellung von naturnahen Verhältnissen an Gewässern und die Sicherung des guten Zustandes der Gewässer.

„Früher wurde alles einbetoniert und begradigt, heute lautet das Stichwort ‚naturnah‘. Das können Sie zum Beispiel im Gewerbepark Atsch sehen, wo wir das Bett der Inde verlegen“, erklärt der WVER-Pressesprecher seinen Zuhörern. In der Vergangenheit war es immer wieder zu Hochwasser-Ereignissen gekommen, „da werden wir auch künftig noch einiges machen müssen“, verweist Seiler auf das in Stolberg aktuellste Vorhaben des Wasserverbands. „Zwischen Stolberg und Roetgen werden wir zwei Hochwasserrückhaltebecken bauen, um die Vicht zu zähmen“, so Seiler.

Zurück zur Talsperre: Vor dem Tourismus stehen als Zweck der Talsperren der Hochwasserschutz, die Vergleichmäßigung des Wasserabflusses, die Bereitstellung hochwertiger Rohwässer für die Trinkwassergewinnung, die Sammlung von Rohwasser für Industriebedarf und die Stromproduktion aus Wasserkraft. Dem Hochwasserschutz des Wehetales und der unteren Inde wurde durch den Bau der Anlage am Rand von Schevenhütte im Besonderen Rechnung getragen.

Die Wehebachtalsperre mit einem Hochwasserrückhalteraum von 4,5 Kubikhektometern im 378 Quadratkilometer großen Einzugsgebiet der lnde erfüllt als drittgrößte Talsperre des Nordeifelraumes eine wesentliche Funktion im wasserwirtschaftlichen System der Eifel–Rur-Talsperren. Das Gesamtvolumen der sechs vom Wasserverband betriebenen Talsperren – das sind die Oleftal- und Urfttalsperre, die Rurtalsperre, die Staubecken Heimbach und Obermaubach sowie die Wehebachtalsperre – beträgt rund 300 Millionen Kubikmeter. Davon entfallen gut 25 Millionen Kubikmeter Stauraum auf die Wehebachtalsperre.

„Sie ist mit 14,8 Millionen Kubikmetern im Moment zwar leicht unterdurchschnittlich gefüllt, aber auch hier bestehen keinerlei Probleme für die Versorgung der angeschlossenen Trinkwasseraufbereitung der Wassergewinnungs- und -aufbereitungsgesellschaft Nordeifel“, so Seiler. Die insgesamt durchschnittlichen Füllstände seien angesichts des trockenen Frühjahrs völlig zufriedenstellend.

„Durch die Wasserkraftnutzung produzieren wir knapp 60 Gigawattstunden Strom in sechs Kraftwerken pro Jahr“, berichtet Seiler. Geradezu niedlich mutet da die Turbine an, die die Gruppe bei der Führung durch den Kontrollgang zu sehen bekommt. Sie würde in jeden Kofferraum passen. Seit 2011 wird auch hier zur energetischen Nutzung eine Turbine betrieben. Sie steht im Auslaufbauwerk der Talsperre. Bei einem Durchfluss von 100 bis 200 Litern pro Sekunde wird der Jahresverbrauch von bis zu 100 Haushalten gedeckt.

Die Wehebachtalsperre ist das jüngste „Kind“ des WVER. Übergelaufen ist das Baby seinerzeit nur ein einziges Mal – nicht, weil die Windeln, also der Damm, nicht hielt, sondern weil es bei der Probestauung genauso beabsichtigt war. Trotzdem, die Skepsis bleibt. Beim Abstieg von der Dammkrone in den Kontrollschacht wird es jedes Mal mulmig, wenn es aus den Blockfugen tröpfelt. „Keine Sorge, hier ist noch kein Wasser richtig durch den Felsen gedrungen“, beschwichtigt Ralph Prost.

Auf dem Weg zum Wasser-Entnahmeturm steht ein mehrere Minuten langer Fußmarsch über rund 400 Meter an, von einem Ende der Staumauer zum anderen, alles „unter Tage“. Angeführt wird die Gruppe von Ralph Prost, der viel Informatives weitergibt – und das ein oder andere Anekdötchen.

Von außen deutlich sichtbar steht der Entnahmeturm mitten in der Talsperre. Hier wird das Wasser auf sechs verschiedenen Ebenen entnommen. Erst wird getestet, auf welcher Höhe das Wasser die beste Qualität hat, und von dort wird es dann entnommen. In dem Tunnelgang innerhalb des Staudamms nimmt Prost Kontrollen und Messungen vor, zum Beispiel des Sickerwassers, des Sohlenwasserdrucks oder von Verformungen. Sickerwasser kann gut gesammelt und abgeleitet werden.

Ein Stück weiter unter dem Wasserentnahmeturm ist der Grundablass mit einer automatischen Rohrbruchsicherung. „Er bietet die einzige Möglichkeit, die Talsperre im Notfall oder zur Spülung leerlaufen zu lassen.” Von hier geht auch eine Rohwasserleitung nach draußen, die bis zu 2500 Kubikmeter pro Tag abgeben kann. Prost: „Pro Sekunde geben wir mindestens 100 Liter ab, sonst würde der Wehebach trockenfallen.”

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