Stolberg-Büsbach - Konrad-Adenauer-Straße: Hindernisse bei Abbruch und Neubau

Konrad-Adenauer-Straße: Hindernisse bei Abbruch und Neubau

Von: Toni Dörflinger
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Abwechslungsreiche Fassade: Das Gebäude Konrad-Adenauer-Straße 129 schuf Platz für eine Neugestaltung des Gehweges. Foto: T. Dörflinger

Stolberg-Büsbach. Seine Geheimnisse gab das Haus erst beim Abbruch preis. Denn im Verlaufe der Abbrucharbeiten - das alte Gebäude an der Konrad-Adenauer-Straße 129 sollte einem Neubau Platz machen - ist Spannendes ans Licht gekommen. Von Dramatik begleitet war der Fund einer Giftgasgranate. Dass mit Senfgas gefüllte Geschoss, das aus dem Ersten Weltkrieg stammte, wurde unter einem Treppenabsatz liegend in einem Hohlraum entdeckt. Wie die Granate in das 1990 beseitigte Haus gelangte, konnte nicht mehr nachvollzogen werden.

Damit die Bauarbeiten weiter gehen konnten, musste die mit einem Zeitzünder versehene Artilleriegranate vom Kampfmittelräumdienst entschärft werden.

Als weniger folgenschwer entpuppte sich die Enthüllung architektonischer Details. So stellte man fest, dass das Althaus im Giebelbereich nur an das Nachbargebäude, Konrad-Adenauer-Straße 127, angelehnt war. Denn bei der Errichtung des vermutlich Anfang des 19. bzw. Ende des 18. Jahrhunderts entstandenen Gebäudes - eine Inschrift wurde nicht entdeckt - hat man offensichtlich auf den Bau einer linksseitigen Giebelwand verzichtet und die Stützbalken des Hauses mit dem Korsett des Nachbargebäudes verbunden.

Ein Indiz für das hohe Alter des 1990 beseitigen Objektes ist auch die Feststellung, dass die dem Haus Konrad-Adenauer-Straße 131 zugewandte Seite im oberen Bereich in Fachwerk ausgeführt war.

Ansonsten bestand die äußere Hülle aus Bruchstein. Konsequenzen für die Nachbargebäude und den geplanten Neubau hatte aber die bei den Ausschachtungsarbeiten aufgespürte Kleinsteinader, die man entfernen wollte, weil sie als Hindernis betrachtet wurde.

Allerdings gehörte die in Richtung Wilhelmbusch verlaufende Barriere zu einem Spannungsfeld, auf dem sich die Standsicherheit der Nachbargebäude begründete. Als man dem Felsen mit Presslufthammer und Bagger zu Leibe rückte, gab der Untergrund nach und in den Nachbarhäusern traten Risse auf. Das Problem wurde gelöst, indem man zur Absicherung der Nachbargebäude zusätzliche 150 Kubikmeter Beton zur Stütze verbaute. Fertiggestellt wurde der Neubau, der neben sechs Wohneinheiten auch ein Versicherungsbüro und ein Tätowier-Studio enthält, im Februar 1991.

Ins Auge fällt die staffelförmige Fassadengestaltung des mit Ziegelsteinklinkern verkleideten Neubaus. Indem man das Gebäude dreistufig erstellte, wurde Platz für einen größeren Gehweg geschaffen. Denn das Altgebäude hatte weit in den Straßenraum hinein geragt.

Die Geschichte des Althauses ist nicht besonders ergiebig. Schriftliche Quellen sind nur spärlich vorhanden. Im Stadtarchiv befindet sich ein Schriftstück, dass einen Besitzerwechsel in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wiedergibt. Denn 1925 veräußerte Peter Ramakers das Gebäude und übergab es dem Fuhrunternehmer Johann Bau, der neben einem Transportservice für die örtliche Industrie auch einen Kohlenhandel betrieb.

Die hinter dem Haus liegenden Ställe - Bau setzte für die Transporte anfänglich ein Pferdefuhrwerk ein - erreichte der Dienstleister, indem er eine seitlich liegende Einfahrt benutzte. Die für die Fütterung der Pferde benötigten Kalksteintröge hat Bauherr Georg Braun, der, unterstützt von seiner Mutter Maria, das Nachfolgegebäude errichtete, 1990 im Hofbereich ausfindig gemacht.
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