Klassenfahrten bald an keiner Schule mehr?

Von: Ottmar Hansen
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Am Ziel der Klassenfahrt angekommen. Der Lehrer verteilt die Zimmerschlüssel an seine Schülerinnen und Schüler. Sind derartige Szenen bald nicht mehr möglich? Foto: imago/blickwinkel

Stolberg. Werden für die Schülerinnen und Schüler in Stolberg künftig alle Klassenfahrten gestrichen? Nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts (OVG) müssen Schulen künftig die Kosten der Lehrer bei einer Klassenfahrt tragen. Es handele sich schließlich um eine Dienstfahrt, so die Richter. Doch dafür haben die Schulen kein Geld.

Also werden die Touren nicht nur für die Lehrer, sondern für die Klassen insgesamt abgesagt werden müssen.

Zum Hintergrund: Bisher hatten die Lehrer meist stillschweigend zumindest einen Großteil ihrer Kosten selbst übernommen und auf einem Formular unterschrieben, dass sie auf eine Erstattung verzichten. Dies sei nicht rechtens, befanden die Richter, nachdem ein Lehrer vor das OVG gezogen war.

„Das ist eine Katastrophe für alle Beteiligten“, bewertete Armin Ochse, Leiter des Ritzefeld-Gymnasiums, am Dienstag den Vorgang. „Ich kann jetzt Kursfahrten nicht mehr genehmigen.“ Zuletzt erhielt das Ritzefeld-Gymnasium einen Zuschuss des Ministeriums zwischen 1700 und 2000 Euro pro Jahr für Klassenfahrten. Dieser Betrag ist rasch aufgebraucht, wenn die Schule die Kosten der Lehrer übernehmen muss.

Das sei das Aus für die Klassenfahrten, die ein wertvoller Bestandteil des pädagogischen Konzeptes seien, so Ochse. Im laufenden Jahr finden Klassenfahrten am „Ritze“ noch statt. Nicht nur, weil die meisten Touren bereits gebucht sind und bei Nichtantritt Regressansprüche auf die Schule zukommen würden. Man wolle es den Schülern einfach nicht antun, alles zu stornieren, sagt Schulleiter Ochse. Außerdem haben sich die Pädagogen bereit erklärt, dieses Jahr ihre Kosten noch selbst zu tragen. Ochse: „Dafür bin ich den Kollegen besonders dankbar.“

Wie es im kommenden Jahr aussehe, wisse man nicht. In den 6. Klassen sind eigentlich Fahrten vorgesehen, in der Oberstufe ebenfalls. Hinzu kommen Ski-Freizeiten in den 9. Klassen. Der Förderverein der Schule könne die Kosten für die Lehrer nicht übernehmen, so Ochse. „Die geben schon einmal Zuschüsse für Schüler aus sozial schwachen Familien, aber nicht für Angestellte oder Beamte an der Schule.“

Bernd Decker vom Goethe-Gymnasium hat einen jährlichen Etat von rund 1500 Euro für Klassenfahrten zur Verfügung. Auch an seiner Schule gehörten Fahrten in die Jugendherberge in der 6. Klasse, Ski-Freizeiten in der 9. Klasse und Sprachreisen in der 7. Klasse dazu. Da konnte eine Tour auch schon einmal nach London oder Rom gehen. In diesem Jahr sind noch alle Fahrten genehmigt. Und dann? „Klassenfahrten gehören zu den pädagogischen Zielen dazu. Es wäre schade, wenn man sie absagen müsste. Aber ich fürchte, dass ich kommendes Jahr keine weiteren Fahrten genehmigen kann“, betont Decker.

An der gerade angelaufenen Gesamtschule sind bereits Fahrten der 5. Klassen gebucht. „Ob wir in der 7. Klasse noch einmal fahren können, müssen wir abwarten“, sagt Schulleiter Helge Pipoh.

Der Fahrtenplan für das laufende Jahr müsse noch durch die Schulkonferenz abgesegnet werden, teilte Charlotte Eßer, Leiterin der Realschule Mausbach, auf Anfrage mit. „Notfalls müssen wir die Kosten eben reduzieren und auf weiter weg führende Fahrten verzichten.“ Glück hatte die Hauptschule Auf der Liester. „Wir haben alle Klassenfahrten im Januar absolviert“, berichtet Vize-Schulleiterin Brigitte Zilligen.

Das heißt: In diesem Jahr musste keine Fahrt abgesagt werden. Wie es im kommenden Jahr aussehe, sei noch offen. „Die Hälfte der Klassen ist betroffen. Das ist schon eine unglückliche Situation.“ Auch Brigitte Zilligen verweist darauf, wie bedeutungsvoll Klassenfahrten für die Bildung der Schülerinnen und Schüler sind. Charlotte Eßer ruft einen anderen Aspekt aus Lehrersicht in Erinnerung: „Viel bedeutsamer als das finanzielle Problem ist doch die große Verantwortung, die die Lehrer und Lehrerinnen bei Klassenfahrten für ihre Klassen tragen müssen.“

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