Klare Konfrontation mit der Verwaltung

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. Beim Thema Nachbarschaftsbetreuung geht die SPD-Fraktion auf offenen Konfrontationskurs zur Verwaltung.

Zwar nahm sie Dienstagabend in der Sitzung des Sozialausschusses die Ausführungen aus dem Rathaus zur Kenntnis, kündigte aber zugleich an, dass sie sich mit der städtischen Ablehnung des Projektes, das die Betreuung älterer Menschen durch ehrenamtliche Helfer zum Ziel hat, nicht abfinden wird.

„Die Vorlage bleibt eindeutig hinter den Erwartungen zurück”, erklärte Dieter Wolf gegenüber unserer Zeitung. „Das Thema werden wir nicht zu den Akten legen”, so der Fraktionsvorsitzende, der sich vor allem an zwei Punkten der Verwaltungsargumentation stößt. „Es kann doch nicht sein, dass die Akquise weiterer ehrenamtlicher Kräfte als Ablehnungsgrund angeführt wird”, schüttelte der Sozialdemokrat ungläubig den Kopf. Und auch den Hinweis, dass die städtischen Ressourcen ausgeschöpft seien und es keinen personellen Spielraum für ein Vorhaben wie die Nachbarschaftsbetreuung gebe, wollte Wolf nicht gelten lassen. „Wir erwarten eigentlich eine Reaktion der Stadt im großen Kontext der demographischen Entwicklung.”

Die Zuständigkeiten sind aus Sicht der Sozialdemokraten eindeutig geklärt. „Das ist eine Kernaufgabe des Senioren-Infocenters, das wir vor anderthalb Jahren mit viel Aufwand und großen Erwartungen geschaffen haben.” Bürgermeister Ferdi Gatzweiler freilich sieht das anders. Er bekräftige im Sozialauschuss noch einmal, dass die personelle Besetzung des Infocenters das Initiieren eines Projektes, das die Größenordnung der Nachbarschaftsbetreuung hat, nicht zulasse. „Auch der Seniorenbeauftragte kommt irgendwann an seine Grenzen”, erklärte Gatzweiler. „So sehr ich das auch bedauere. Wir können das ohne Geld nicht leisten.”

Anlass aller Diskussionen war ursprünglich ein Antrag der SPD gewesen. Sie hatte im Dezember 2009 einen ersten Vorstoß gemacht und angeregt, nach dem Vorbild des niederrheinischen Schermbeck ein Netzwerk von ehrenamtlichen Betreuern aufzubauen, die älteren Menschen bei bürokratischen Angelegenheiten helfen und sich zudem als Bezugs- und Vertrauenspersonen anbieten. In Schermbeck ist das Modell auf große Resonanz gestoßen. Aufgrund der enormen Nachfrage soll die Zahl der Helfer weiter erhöht werden. Begleitet wird das Pilotprojekt dort von einer hauptberuflichen Fachkraft, die jährlichen Kosten für die Nachbarschaftsbetreuung in der 14.000-Einwohner-Kommune werden von der örtlichen Verwaltung mit jährlich gut 88.000 Euro beziffert.

Für die Stolberger SPD ist das Thema nach dem Abend noch lange nicht erledigt. Im Gegenteil: „Möglicherweise werden wir einen neuen Antrag mit einem konkreten Umsetzungsvorschlag einreichen”, blickte Dieter Wolf nach vorne.

Der Fraktionschef ging mit seiner Kritik an der Verwaltung weit über das Thema Nachbarschaftsbetreuung hinaus. „Wir sehen mit Unbehagen, dass die finanzielle Situation der Stadt Stolberg zunehmend als Totschlag-Argument für Dinge herhalten muss, die der Verwaltung nicht ins Konzept passen.” Das klingt nach weiterer Konfrontation ...
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