Kindertagespflege: Jugendamt wird erster Ansprechpartner

Von: Michael Grobusch
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Die Tagespflege-Erlaubnis wurde auch in der Vergangenheit schon von der Stadt Stolberg erteilt. Ab 1. Januar übernimmt sie nun auch die Beratung von Eltern und die Vermittlung von Plätzen. Foto: imago/wolterfoto

Stolberg. Die Wogen haben sich offenbar geglättet: Gut drei Monate nach der Ankündigung der Stadt, die Koordination bei der Kindertagespflege vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) zu übernehmen, sind die empörten Reaktionen des über viele Jahre bewährten Partners im Rathaus kein Thema mehr.

 Der Blick ist nach vorne gerichtet, und das aus gutem Grund: Zum 1. Januar greift die Änderung, mit der die bis dato schon geltende juristische Verantwortung für die Kindertagespflege auf den organisatorischen Bereich ausgedehnt wird.

„Es gibt freie und öffentliche Träger. Und jeder von ihnen hat individuelle Ansätze und Ideen“, meint Willi Seyffarth. Eine dieser Ideen, die der Fachbereichsleiter mit seinem Team entwickelt hat, ist eine stärkere Dezentralisierung. „Bislang gab es eine Anlaufstelle für alle, und die lag in der Innenstadt. Wir sehen die Kindertagespflege der Zukunft aber mehr in den Sozialräumen“, erklärt Josef Offergeld. Dies bedeute konkret, dass Erstkontakt und -beratung zunehmend in den Kitas und Familienzentren angeboten werden sollen. „Und um das adäquat leisten zu können, wird das Personal vor Ort im Laufe des Jahres geschult werden“, kündigt der Abteilungsleiter an.

Portfolios werden erstellt

Ebenfalls in 2013 will das Jugendamt – analog zu den Kindertagesstätten – Portfolios erstellen, die einen Überblick bieten über die wohnortnahen Angebote sowie Beschreibungen der einzelnen Kindertagespflegestellen. „Dabei wollen wir auch das Internet mit einbeziehen“, kündigt Ulrike Bergmann an. Sie wird ab kommenden Mittwoch die erste Ansprechpartnerin im Jugendamt für alle interessierten Eltern sein – erreichbar in Zimmer 7a des Rathauses sowie telefonisch unter 13326.

„Wenn wir über Betreuungsquoten sprechen, spielt die Tagespflege eine immens wichtige Rolle, vor allem im Bereich der Null- bis Zweijährigen“, stellt Josef Offergeld die Bemühungen in den Kontext des Rechtsanspruches auf einen Betreuungsplatz, der in Deutschland für Kinder ab dem ersten Lebensjahr zum 1. August 2013 in Kraft tritt. Die Tagespflegefamilie biete oftmals eine echte Alternative zu einer institutionellen Betreuung, betont der Abteilungsleiter, was unter anderem an der individuelleren Betreuung in kleinen Gruppen und an den flexibleren und in der Regel auch ausgedehnteren Betreuungszeiten liege.

Analog zu den Kapazitäten in den Kitas soll deshalb auch die Zahl der Tagespflegeplätze ausgebaut werden – von derzeit 98 auf 110. In der Summe würde die Stadt Stolberg eine weitere Steigerung von aktuell 353 auf 470 U3-Plätze im Sommer nächsten Jahres schaffen. „Damit lägen wir bei der Quote dann über 32 Prozent“, rechnet Josef Offergeld hoch.

Inwieweit diese rein theoretische Größe des Landes Nordrhein-Westfalen für den zu erwartenden Betreuungsbedarf bei Kindern unter drei Jahren mit den tatsächlichen Gegebenheiten übereinstimmen wird, bleibt abzuwarten. Eine Unbekannte ist vor allem das Betreuungsgeld, das die Bundesregierung ebenfalls zum 1. August einführen will. Um sich nicht alleine auf Prognosen verlassen zu müssen, hat die Stadt in diesen Tagen nochmals eine Elternbefragung gestartet.

Darin werden die Eltern aller Stolberger Kinder unter drei Jahren gebeten, Auskunft zu erteilen über die gewünschte Betreuungsform und -zeit – möglicherweise auch am frühen Morgen oder abends sowie an Wochenenden. Außerdem gibt es eine Frage zur Nutzung des Betreuungsgeldes und zum damit verbundenen Verzicht auf einen Platz in Kita oder Tagespflege für das Kind im Alter zwischen 15 und 36 Monaten.

Bis zum 15. Januar können die ausgefüllten Bögen im frankierten Rückumschlag an das Jugendamt geschickt werden. Noch vor Karneval soll die Auswertung abgeschlossen sein und damit eine weitere wichtige Bezugsgröße für die Jugendhilfeplanung vorliegen. Willi Seyffarth ist sicher: „Die Umfrage hat zwar keinen verbindlichen Charakter. Wir werden aber dennoch eine Tendenz beim Wahlverhalten der Eltern feststellen können.“

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