Stolberg - Kinder und Erwachsene stillen Wissbegierde im Wald

Kinder und Erwachsene stillen Wissbegierde im Wald

Von: Johannes Mohren
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Auch unter dem Laub blüht das
Auch unter dem Laub blüht das Leben: Walter Pilgram erläutert den jungen Besuchern den Aufbau der Foto: J. Mohren

Stolberg. Plötzlich ertönt ein Hämmern, leise, aber dennoch hörbar. Walter Pilgram reagiert sofort, legt den Finger auf seine Lippen. Die Kinderstimmen verstummen. Ein Donnern in weiter Ferne, das Rauschen der Blätter im Wind, sonst ist nichts mehr zu hören. Die Kinder hocken lauschend auf dem weichen Waldboden, keiner gibt nur einen Laut von sich.

Gespannt wird gewartet, doch ein erneutes Hämmern bleibt aus. Dafür beginnt das große Rätselraten. Interessiert hört sich Förster Pilgram die Ideen der Kinder an, erläutert und gibt Tipps. „Das, was ihr eben gehört habt, war ein Specht”, klärt er die kleinen Naturkundschafter schließlich auf.

Dann geht es weiter. 3,5 Kilometer werden durch den Wald zwischen Vicht und Schevenhütte zurückgelegt, immer wieder hält die Gruppe inne. An den Stopps weist der Rotter Revierleiter Pilgram auf die Besonderheiten des Waldes hin, geht auf die Kinder ein, hört ihnen zu und erklärt beobachtete Phänomene. „Es geht darum, die Kinder kindgerecht an den Wald heranzuführen, sie mit der so wichtigen Natur vertraut zu machen”, berichtet Wolfgang Evertz, der für das Waldstück als Förster verantwortlich ist.

Mit seinem Geländewagen sorgt er für die Verpflegung auf der über zweistündigen Wanderung. Zwei Stunden, die geprägt sind von Lachen und jeder Menge guter Laune, Erschöpfung scheinen die kleinen Entdecker nicht zu kennen.

Lehrreich ist es auch bei der zweiten Gruppe, die sich unter der Leitung von Förster Johannes Frings in den Wald aufgemacht hat. Hier haben sich die großen Naturfreunde versammelt, die in ihrer Wissbegierde den Kindern nicht nachstehen. „Durch die Aufteilung in Erwachsene und Familien mit Kindern ist es uns möglich, jedem das zu bieten, was zu ihm passt”, erklärt Evertz.

Beide Gruppen legen die gleiche Strecke zurück, eine andere Akzentuierung und tiefergehende Einblicke wecken auch das Interesse der Erwachsenen. Immer wieder kommen die Teilnehmer an den „Haltestellen” und auf dem Weg mit den Fachmännern ins Gespräch. „Das ist enorm wichtig. Es soll ein Dialog stattfinden, kein Monolog”, unterstreicht Evertz.

Damit verweist er auf die Idee der Exkursion, die vom Bund Deutscher Forstleute unter dem Motto „Forstleute - Wald in guten Händen” durchgeführt wird. Die Teilnehmer sollen mit den Förstern ins Gespräch kommen, den Wald und das Tagesgeschäft des Försters kennen und so verstehen lernen.

„Uns ist der Wald ja praktisch anvertraut. Und es gibt viele Faktoren, die wir berücksichtigen müssen. Zum einen gilt es sicherlich viel Wert auf den Naturschutz zu legen, ganz ohne Frage, aber auch eine gewisse Nutzfunktion muss gegeben sein”, beschreibt Evertz einige der verschiedenen Gesichtspunkte, die er bei seiner alltäglichen Arbeit versucht, unter einen Hut zu bringen. „Das ist natürlich oftmals ein Drahtseilakt”, weiß der Förster um die große Herausforderung.

Herausforderungen, die vor allem auch in der Zukunft liegen. „Ziel ist es, den Wald so auf- und umzubauen, dass er breit aufgestellt und einschneidenden Veränderungen wie etwa dem Klimawandel gewachsen ist”, berichtet Förster Johannes Frings an einer der vielen Stationen.

Zu diesen zählt auch ein „Wildnisgebiet”. „Das ist ein Ort, an dem man Natur wirklich Natur sein lässt”, sagt Frings und deutet auf ein Waldstück, das urwaldähnliche Züge aufweist. „Hier sieht man, was die Natur selbst schafft, ein ständiges Gegenarbeiten wie das früher der Fall war, ist heute an Stellen wie diesen nicht mehr gewollt”, berichtet er den interessierten Besuchern.

Diese genießen es sichtlich, den Wald immer besser zu verstehen. Alles wissen sie aber noch nicht: Denn wie der Specht telefoniert, das haben wohl nur die Kinder gelernt. Vielleicht werden sie beim nächsten Waldspaziergang von den kleinen Experten aufgeklärt.
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