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Kinder im Kettenhemd: Einmal ein echter Ritter sein

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Gut gerüstet für die nächst
Gut gerüstet für die nächste Schlacht: Der siebenjährige Ritter Lucas macht als mittelalterlicher Kämpfer schon eine gute Figur.

Stolberg. „Mensch, ist das schwer”, stöhnt der siebenjährige Lucas. Nur Sekundenbruchteile später, als hätten sie auf einen Weckruf gewartet, fallen seine Mitstreiter in die Klagelaute ein. Vier Jungen sind am Werk, vier gerötete Gesichter spiegeln die kurzzeitige körperliche Anstrengung.

Ihr Blick ist auf den engmaschigen, eisernen Gegenstand gerichtet, den sie mit geeinten Kräften hochstemmen: ein Kettenhemd. Es dauert nicht mehr lange, dann landet das mittelalterliche Kleidungsstück auf dem Boden, die Jungen betrachten es von nun an lieber von oben. Der Wind, der um die Türme der Stolberger Burg pfeift und die Regentropfen, die vom grauen Himmel hinabprasseln, bieten den „Lastenträgern” in diesem Augenblick der Erschöpfung eine willkommene Erfrischung, ehe sie wieder unter den Regenschirmen verschwinden.

„Das Kettenhemd besteht aus 28.000 kleinen Ringen und während ein Ring fast gewichtlos scheint, wiegen sie alle beisammen stolze 28 Kilogramm”, informiert der Mann, der in seinem bürgerlichen Leben Gerd Bergheim heißt, die wissbegierigen Kinder. In diesen Stunden verkörpert er den Burgritter Goswin von Susteren, einen stolzen Kämpfer in mittelalterlicher Kluft. Wie maßgeschneidert sitzt die Kleidung, wie eine zweite Identität scheint das Ritterdasein für Bergheim, sein zweites „Ich” scheint wie der historische Ritter von Susteren im 12. Jahrhundert heimisch.

„Früher gehörte das Kettenhemd zur ganz alltäglichen Kleidung”, berichtet der authentische Neuzeitritter Goswin. Ungläubig blicken die Kinder ihn an. Zu schwer scheint das Produkt aus den unzähligen Ringen, das Bergheim selbst in 140 Stunden Handarbeit hergestellt hat. Kurze Zeit später darf jeder von ihnen einmal in ein solches Eisenhemd schlüpfen, Helm inklusive. Auch wenn die Kinderversion nicht ganz so schwer ist wie die achtzig Pfund wiegende Gesamtmontur; sich für einen Moment wie ein echter Ritter zu fühlen, das bereitet den Jungen ganz offensichtlich eine große Freude.

Die mittelalterliche „Modenschau” bildet den Abschluss eines Vormittages auf dem und rund um das Stolberger Wahrzeichen auf den Spuren der Ritter um Reinardus von Stalburg, dem ersten Stolberger Burgherren im Jahre 1118. Eine Zeitreise in die Vergangenheit, die nach einer Burgführung für die Kinder gerade im zweiten Teil zwischen Kettenhemd und Schwert im Kräutergarten Fahrt aufnimmt und aus den Jungen echte kleine Nachwuchsritter werden lässt.

Beim „9. Burgritterlager” wird Gerd Bergheim seine Ritterkleidung für ein Wochenende gegen seine bürgerliche eintauschen und wie Adel und Gesinde, Ritter und Pagen im Mittelalter leben. Fast zumindest. Denn ein leises melodiöses Summen in seiner Tasche zwischen Schwert und Holzlöffel verrät bei dieser Führung, dass auch ein Ritter so manches Mal von der Zeit eingeholt wird: Das Wort Handy, das hätte nämlich im 12. Jahrhundert einige Ritterkollegen vor unlösbare Verständnisprobleme.

Am Samstag, 7. Mai, von 14 bis 22 Uhr und am Sonntag, 8. Mai, von 12 bis 17 Uhr werden Ritter aus nah und fern die Kupferstädter Burg belagern.

Auf Einladung der Stolberger „Burgritter 1118” werden Gäste aus ganz Deutschland werden die Besucher auf eine Zeitreise ins Mittelalter begleiten. Lagerleben, Handwerk, Schwertkampf und Musik erwartet die Gäste, den Abschluss bildet die Ehrenritterernennung am Sonntag um 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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