Stolberg - Kein Zweifel an der Gesamtschule

Kein Zweifel an der Gesamtschule

Von: Kolja Linden
Letzte Aktualisierung:
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Wohin geht die Reise? Stolbergs Schullandschaft wird sich sicher verändern. Dafür dürfte nicht zuletzt die zu erwartende Einrichtung einer Gesamtschule sorgen. Foto: K. Linden

Stolberg. Explizit hat es Wolf Krämer-Mandeau nicht vorweggenommen, und doch ist es mehr als deutlich geworden am Mittwochabend im Schulausschuss: Der Bonner Gutachter - vom Stadtrat mit der Schulentwicklungsplanung für Stolberg beauftragt - wird im Januar die Einrichtung einer Gesamtschule im Stadtgebiet vorschlagen.

„Das ist wohl ziemlich klar geworden”, kommentierte der Ausschussvorsitzende Patrick Haas (SPD) die Ausführungen des Referenten, der zunächst nur einen Sachstandsbericht vortrug, diesen aber bereits mit einigen Vorbemerkungen zur zukünftigen Gestaltung der Schullandschaft garnierte.

Das haben auch die anwesenden Schulleiter so verstanden. „Ich finde, das ist schon stark vorstrukturiert in Richtung einer Gesamtschule”, kommentierte Bernd Decker vom Goethe-Gymnasium.

Für seinen Kollegen Jörg Klein, Leiter der Hauptschule Kogelshäuserstraße, besteht die Spannung nun gar nicht mehr darin, ob, sondern wie eine Gesamtschule eingerichtet werden soll. „Interessant wird sein, wie die Empfehlungen in Bezug auf die Machbarkeit aussehen”, sagt Klein. „Als Laie sehe ich es skeptisch, wo in Stolberg ein Schulstandort besteht, der über die Räumlichkeiten für eine Gesamtschule verfügt.”

Dass die Stolberger Landschaft um eine weitere Schulform ergänzt wird, daran besteht für Klein ebenso wenig Zweifel wie daran, dass für die Hauptschulen damit ein Kampf gegen eine (zu) starke Konkurrenz beginnt. „Es wird eine Umkrempelung der Schullandschaft geben”, prophezeit Klein: „Ich glaube nicht, dass das dreigliedrige System parallel zur Gesamtschule bestehen bleiben kann.”

Der Kampf gegen die Gesamt- oder Gemeinschaftsschule sei ein Kampf mit ungleichen Mitteln, den die Hauptschule nicht bestehen könne. Die erwartete Umkrempelung wird also, und das vermutet nicht nur Jörg Klein, nicht ohne Schließungen an bestehenden Standorten vonstatten gehen.

Wachsamkeit ist geboten

Wachsamkeit ist allerdings auch für die Gymnasien geboten. „Ich nehme das ernst als Konkurrenz sagt Bernd Decker frei heraus - auch angesichts der Zahlen, die Krämer-Mandeau zu den Gymnasien vorstellte. Schon jetzt zögen die umliegenden Gesamtschulen viele Kinder mit Gymnasialempfehlung „raus aus der Stadt. Es gibt Jahre, in denen 180 Schüler der fünften Klassen nicht da sind”, sagt der Gutachter - fast alle gehen zu einem Gymnasium oder einer Gesamtschule.

Was das für die Politik bedeutet, sagte Krämer-Mandeau den Ausschussmitgliedern ebenfalls in aller Deutlichkeit: „Sie müssen sich stärker als Schulstadt etablieren.” Es darf kaum daran gezweifelt werden, dass dies künftig auch über die Einrichtung einer Gesamtschule geschehen wird.

Wie die Potenziale von Migranten besser nutzen?

Stolberg hat eine „ungerechte Verteilung an den Schulformen nach Nationalitäten”, sagt Wolf Krämer-Mandeau. Was er damit meint: 10,3 Prozent aller Grundschüler sind ausländischer Herkunft. Geht es auf die weiterführende Schule, dann splitten sich die Anteile jedoch enorm. Während nämlich fast jeder dritte Hauptschüler in Stolberg Ausländer ist, trifft dies auf gerade einmal sechs von 100 Gymnasiasten zu.

„Wir werden auch in Stolberg hervorragende Bildungsbegabungen bei jungen Menschen mit Migrationshintergrund haben. Die müssen ausgeschöpft werden, doch das passiert nicht”, klagt Krämer-Mandeau, der vor der Entstehung eines sich selbst reproduzierenden Prekariat warnt. Es gehe nicht nur darum, wirksame Förderung in Kitas und an Grundschulen zu schaffen. Die Grundschulen müssten sich auch hinterfragen, „wie sie für weiterführende Schulen empfehlen”.

Mandeau spricht es zwar nicht aus, zwischen den Zeilen ist aber zu lesen, dass er in Frage stellt, ob Grundschulen die Fähigkeiten ausländischer Schüler richtig einschätzen und dann eine Empfehlung abgeben, die diesen gerecht wird.
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