Kein Geld für schnellere Internet-Verbindungen

Von: Sarah Sillius
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In diesem Gebäude an der Rathausstraße 68b befindet sich die zentrale Vermittlungsstelle der Telekom für Stolberg. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Wie sieht die Internetversorgung in den verschiedenen Stadtteilen Stolbergs aus und was bedeutet eigentlich „Breitband”? Allein der Begriff sorgt bei vielen Bürgern für Verwirrung.

So wird er häufig mit DSL gleichgesetzt, obwohl diese Abkürzung nur für eine bestimmte festnetzgebundene Variante steht. Breitband hingegen ist ein übergeordneter Begriff für die schnelle Datenübertragung im Internet.

„Für manche bedeutet eine Verbindung von einem Megabit pro Sekunde schon Breitband, für andere erst eine Verbindung von sechs Megabits”, erklärt Josef Braun. Der städtische Fachbereichsleiter selbst spricht bei einer digitalen Datenmenge von sechs Megabits pro Sekunde von Breitband. Diese Breitbandstärke steht allerdings nicht allen Internetnutzern in Stolberg zur Verfügung. Vor allem in den ländlichen Ortschaften wie beispielsweise Gressenich oder Zweifall liege die Versorgung unter sechs Megabits in der Sekunde.

Laut der Breitband-Beratungsoffensive des Landes NRW gilt eine breitbandige Infrastruktur für jede Gemeinde inzwischen zu den wichtigsten wirtschaftlichen Standortfaktoren. Die Technologie sei eine Grundlage für Anwendungen und Services, mit denen Bürger, Kommunen und Unternehmen in der wissensbasierten Wirtschaft agieren und sich flexibel entwickeln können, heißt es auf der Homepage der Offensive.

Über einen Ausbau der Breitbandversorgung entscheidet letztlich jede Kommune selbst. Das Thema wurde allerdings von Seiten der Offensive an die Kommune herangetragen, woraufhin die zuständigen Mitarbeiter der Stadt Stolberg an einer Infoveranstaltung teilnahmen. Im Anschluss beriet der Verwaltungsvorstand darüber, ob eine Verbesserung der Breitbandversorgung, das heißt eine Geschwindigkeitssteigerung der Datenübertragung, Pflicht oder nur freiwillige Aufgabe der Stadt sei. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass ein Ausbau zwar als Wirtschaftsförderung angesehen werden kann, aber keine direkte Pflichtaufgabe der Kommune darstellt”, erklärt Braun. In absehbarer Zeit werde es deshalb keine entsprechenden Unternehmungen geben.

Die Anbindung über Glasfaser ist mit erheblichen Investitions- und Ausbaukosten verbunden. Eine dabei zu vermutende „Wirtschaftlichkeitslücke” könne die Stadt Stolberg nicht füllen. „Es gibt Kommunen, die das leisten können. Dabei werden sie zu einem Teil vom Bund finanziell unterstützt.” Diese Hilfe werde bei der Stadt Stolberg allerdings nicht ausreichen, erklärt Braun. Kurzum: Sie kann sich derzeit keine schnelleren Internetverbindungen leisten.

Investitions- und Ausbaukosten

Die Bürger scheint das bislang nicht zu stören. „Bei uns hat sich noch niemand über eine Unterversorgung beschwert”, berichtet Braun. Ähnliches zeigt der „Bedarfsatlas schnelleres Internet” der Industrie- und Handelskammer Aachen. Die IHK hat via Internet systematisch ermittelt, in welchen Teilräumen es konkreten Bedarf für schnellere Internetzugänge gibt. Sie will damit ein erstes öffentlich einsehbares Verzeichnis schaffen, das den Bedarf in der Wirtschaftsregion Aachen widerspiegelt.

Auf der Homepage ist ein tagesaktueller Überblick über die Anzahl der Bedarfsmeldungen der einzelnen Kommunen in der Städteregion zu finden. Das Ergebnis: Während in Monschau, Roetgen oder Simmerath zwischen 100 und 200 Meldungen vorliegen, haben in Stolberg bisher nur sechs Personen ihren Bedarf bekundet. Fritz Rötting, Geschäftsführer des Dienstleistungsunternehmens, der Wirtschaftsförderung und Öffentlichkeitsarbeit der IHK: „Aus diesen Zahlen schließen wir, dass die Internetversorgung in Stolberg in Ordnung ist.”

Wie viele Megabits pro Sekunde in den einzelnen Ortschaften genau zu empfangen sind, wissen IHK und Stadt Stolberg nicht. Fest steht: Wer spezielle Wünsche hat, zum Beispiel am Entertain-Paket der Telekom interessiert ist, hat es schwer. Dieses Angebot ist erst bei mindestens 16 Megabit pro Sekunde verfügbar. Laut Angaben des Anbieters empfängt ein geringes Kontingent an Haushalten in Stolberg diese Bandbreitenstärke. Nur wer sich im Umkreis von einem Kilometer in der Nähe der Vermittlungsstelle an der Rathausstraße 68b befindet, gehört zu denen, die sich das Entertain-Paket anschaffen könnten.

„Die ganz normalen Anwendungen im Internet sind aber auch mit weniger als sechs Megabits pro Sekunde zu tätigen”, erklärt Rötting. Auch von Seiten der Unternehmen seien weder der IHK noch der Stadtverwaltung Beschwerden zu Ohren gekommen. Ein zwingender Handlungsbedarf bestehe daher vorerst nicht.
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