Stolberg - Kein einheitliches Bild zur Einkaufsmeile

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Kein einheitliches Bild zur Einkaufsmeile

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Vorbild für die geplante Sanierung: Vergleichbar dem Bereich an der Stadthalle soll die weitere Rathausstraße nach den Vorstellungen der Verwaltung ab 2015 und nach dem Feldversuch umgestaltet werden. Foto: J. Lange

Stolberg. Wäre, wie sonst üblich, am Ende der Bürgerversammlung abgestimmt worden, hätte es wohl kaum eine Mehrheit für den Feldversuch zur veränderten Verkehrsführung auf der Rathausstraße gegeben. Allerdings waren die Meinungen der rund 30 anwesenden Geschäftsleute und Bürger recht unterschiedlich.

Von am besten gar nichts verändern, über das Testen von Einbahnstraßen-Lösungen bis hin zu einer Unterbrechung der Haupteinkaufsstraße am Bastinsweiher reichte die Palette der Vorschläge. Doch überwiegend blieben die Ansichten der Anwesenden skeptisch.

„Sanierung in jedem Fall nötig“

Dass die Rathaus- und Salmstraße zwischen Mühlener Ring und Rathaus aufgrund ihres bautechnischen Zustandes in jedem Fall saniert werden müssten, hatte zuvor Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt erläutert, „und die Rathausstraße schreit nach Veränderung“. Denn jahrelang habe Stolberg sein Stadtbild nicht erneuert.

Dies möchte die Verwaltung nun abschnittsweise im Rahmen der Realisierung des Innenstadtkonzeptes umsetzen, zu dem sie sich ab 2015 Zuschüsse aus Städtebauförderungsmitteln des Landes erhofft. „Unser Ziel ist es, die städtebaulichen Probleme zu beheben“, so Pickhardt, „negativen Entwicklungen im Bereich von Rathaus- und Salmstraße zu begegnen und Leerständen im Steinweg entgegenzuwirken.“ Dazu soll das Potenzial von Bastinsweiher, Flora und Wiese Frankental durch eine Steigerung der Aufenthaltsqualität genutzt und in Szene gesetzt werden. Dazu wird für das Jahr 2015 ein städtebaulicher Wettbewerb geplant.

Gleichzeitig möchte die Verwaltung zu diesem Zeitpunkt am Kaiserplatz mit einer abschnittsweisen Umgestaltung der Rathausstraße nach dem optischen Vorbild des Olof-Palme-Friedensplatzes beginnen, zu deren Kosten die Anlieger herangezogen werden dürften. Dazu soll im Anschluss an diese Sommerferien der für Anlieger kostenfreie Versuch starten, um Korrekturen vornehmen und testen zu können, ob zwei Fahrspuren ausreichend sein können.

Doch insbesondere Geschäftsleute sahen das Projekt skeptisch: „Jede Baustelle stört das einzige gut funktionierende Stück Einkaufsstraße und vertreibt nur Kunden aus der Innenstadt“, markierte Heiner Flink die Meinung vieler Kollegen. Angesichts der erwarteten Bauzeiten würde die Existenz der verbliebenen Einzelhändler gefährdet. Zwar sei ein ordentlicher Gehwegbelag erforderlich, so Flink, „aber wenn der Umbau genau so schnell wie die Reparatur der Platten geht, dann Prost Mahlzeit“. Der Gewinn nur weniger Parkplätze stehe nicht in Relation zu den Risiken. Denn im Grunde funktioniere die Rathausstraße zumindest außerhalb der Stoßzeiten.

Das eigentliche Problem sei dann, so Heike Scheidt, die Ampelschaltung von Schellerweg und Europastraße. Angesichts des täglichen Chaos sei nicht zu erwarten, dass zwei Fahrspuren zur Abwicklung des Verkehrs ausreichend seien.

Dieter Koll warnte unter Applaus mit Zahlen aus seiner aktiven Geschäftszeit an der Bierweiderstraße: „Vor der Sanierung hatte ich 1,5 Millionen Umsatz, nach der Bauphase weniger als 0,5 Millionen.“ Die Testphase vergeude lediglich Bauzeit; jede Veränderung schrecke Kunden ab, und „die Einzelhändler in dieser Stadt stehen ohnehin mit dem Rücken zur Wand“, so Koll. Kerstin Titz kritisierte, dass Herbst und Winter nicht nur wegen der Umsatzstärke, sondern auch wegen des Schnees die falsche Jahreszeit für Versuche mit Farbmarkierungen seien.

Hilfreich sei es auch, so Patric Peters, wenn bereits die Postfahrzeuge auf dem Posthof parken würden und dieser auch für Kunden geöffnet würde. Nicht angepackt werde darüber hinaus das Problem des Parkdrucks vor der Villa Lynen, so der Stadtmarketing-Sprecher. Wolle die Stadt dem Einzelhandel Impulse geben, solle sie lieber auf die Parkgebühren verzichten, meinte Martin Hennig.

Doch es gab auch andere Ideen und Ansätze. Für eine deutliche Reduzierung der erlaubten Geschwindigkeit auf den Straßen plädierte Michael Reinartz. Eine Idee, die Dieter Koll aufgriff. Bei reduziertem Tempo können man auf die Ampeln verzichten; sie seien auch für Fußgänger ein „einziges Hindernis mit langen Wartezeiten“. Sicherlich werde man als Fußgänger ausgebremst, regte Pickhardt an, über einen gemischten Verkehrsraum im Rahmen der angestrebten Umgestaltung nachzudenken. Jedoch hegte der Fachbereichsleiter Sicherheitsbedenken angesichts der Busfrequenz und des starken Verkehrs. Der dürfe aber nicht einfach auf die Europastraße verdrängt werden, sah Patric Peters „in jedem Autofahrer einen potenziellen Kunden“.

Eine Alternative sein könnte eine Einbahnstraßen-Regelungen nach Würselener und Baesweiler Vorbild, regte Reinartz an. Das würde aber angesichts der Stolberger Situation, so gab Andreas Pickhardt zu bedenken, zu langen Umwegen führen. Zu berücksichtigen sei außerdem die ständige Erreichbarkeit des Krankenhauses über die Achse Schellerweg, Rathaus- und Steinfeldstraße. Außerdem würde eine Umsetzung angesichts des dichten Linienbus-Angebotes zu Problemen führen – aus Sicht der Verwaltung sind Einbahnstraßen nicht die richtige Medizin, um mehr Lebensqualität auch für die Bewohner in die Innenstadt zu bringen.

Mehr Lebensqualität ist ein Ziel, das auch Karl-Josef Kaesl­­er als ein der Verkehrsführung übergeordnetes Interesse definierte. Schön fände der Architekt, beispielsweise am Bastinsweiher eine „Sollbruchstelle“, die eine Durchfahrt stark reduziert, wenn nicht gar unterbindet, zu installieren.

Davor warnte allerdings Dieter Koll. „Wir brauchen zwar mehr Lebensqualität in der Innenstadt.“ Weil dieses Ziel in Stolberg vernachlässigt worden sei, schwinde die Kaufkraft. „Wir dürfen die Autofahrer aber nicht aussperren, sondern müssen sehen, dass sie in die Stadt hineinkommen.“

Versuch startet nach Stadtparty

Und man müsse darauf achten, dass die vorhandenen Stellplätze auch genutzt werden könnten. So sei im Bereich der Stadthalle durch dortige Großveranstaltungen der öffentliche Parkraum weitestgehend belegt, mahnte Manfred Kollin eine alternative Regelung an. Denn durch auf der Rathausstraße parkende Stadthallen-Besucher würden Kunden verdrängt.

„Und wer erst einmal weitergefahren ist, weil er keinen Parkplatz gefunden hat, kommt kaum wieder“, sagte Peters. Der bat die Verwaltung auch um ein besonderes Fingerspitzengefühl bei der Testphase auf dem Abschnitt der Salmstraße. „Dort gibt es noch ein reges und engagiertes Geschäftsleben.“

Ein abschließendes Meinungsbild am Ende der Anhörung blieb zwar aus, aber die Lenkungsgruppe Innenstadt sowie der Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt sollen sich noch mit den unterschiedlichen Ansätzen befassen – bevor die Testphase nach der Stadtparty startet und getroffene Veränderungen notfalls kurzfristig korrigiert werden sollen.

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