Stolberg - Karmelitinnen wollen vor EU-Gericht ziehen

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Karmelitinnen wollen vor EU-Gericht ziehen

Von: Michael Grobusch
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Das Kloster Zweifall hat sich
Das Kloster Zweifall hat sich auch zu einem Kunst- und Kulturzentrum entwickelt. Unser Bild - links Schwester Maria Regina - zeigt die Vernissage zur jüngsten Ausstellung von Pater Laurentius im Juni. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Mit der Ruhe im Kloster Zweifall war es am Freitag erst einmal vorbei. Nach dem Beschluss des Aachener Amtsgerichtes, für den Karmelitinnen e.V. Stolberg einen Notvorstand einzusetzen, der die Auflösung des Vereins vorantreiben soll, stand das Telefon im Büro des Karmels nicht mehr still.

Diverse Fernsehsender und Zeitungen haben sich für die kommende Woche angemeldet, spätestens dann werden die beiden verbliebenen Schwestern wohl wieder für bundesweite Schlagzeilen sorgen.

Schwester Katharina freut sich einerseits darüber. „Denn weil der Rechtsweg ausgeschöpft ist, können wir nur über den öffentlichen Druck noch etwas erreichen.” Andererseits ist ihr aber ebenso wie Subpriorin Schwester Maria Regina immer noch deutlich der Schock anzumerken, den die Mitteilung des Amtsgerichtes ausgelöst hat. „Und dann ist da noch die Ungewissheit, was jetzt geschehen wird”, räumen beide ein.

„Geistliches Zentrum bewahren”

Es ist eine Momentaufnahme, die nicht unbedingt die generelle Stimmung in dem idyllisch über den Dächern von Zweifall gelegenen Kloster wiedergibt. Denn den Kampf um „ihr” Kloster, das für das Bistum bereits seit Dezember 2005 offiziell aufgelöst ist, wollen die beiden Schwestern nicht aufgeben. „Wir werden weiter alles für die Bewahrung dieses geistlichen Zentrums tun”, beteuert Schwester Maria Regina, die gemeinsam mit dem Freundeskreis des Karmels in den kommenden Tagen über mögliche Protestaktionen sprechen will.

Parallel dazu werden die beiden Karmelitinnen - und damit könnte doch noch eine juristische Hintertür geöffnet werden - ihren Rechtsbeistand beauftragen, den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg anzurufen. „Aus unserer Sicht ist zu klären, inwieweit der Karmelitinnen-Verein als Rechtsperson Schutz genießt”, erklärte Jürgen Hotz auf Anfrage unserer Zeitung und ergänzte: „In diesem Zusammenhang ist es sehr bemerkenswert, dass der Vatikanstaat der einzige Staat in Europa ist, der sich der Europäischen Menschenrechtskommission nicht unterworfen hat”, so der in Erfurt ansässige Rechtsanwalt. „Außerdem wird durch den Beschluss des Amtsgerichtes in das Recht des Ordens eingegriffen.”

Der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff freilich sieht das anders. „Das Kloster ist seit fast sechs Jahren aufgelöst. Jetzt geht es darum, die wirtschaftlichen und vermögensrechtlichen Angelegenheiten zu regeln und zu klären, was mit der Immobilie und was mit den Schwestern passiert”, betonte Franz Kretschmann am Freitag. Dies werde im Sinne des Ordens geschehen, versicherte der Bistumssprecher. „Es ist ja nicht so, dass die Immobilie und die Liegenschaften vom Bistum vereinnahmt werden.”

Gleichwohl, so sieht es die Satzung vor, fällt der gesamte Besitz an den bischöflichen Stuhl, wenn der Karmelitinnen-Verein aufgelöst wird. Wann ein solcher Schritt gemacht werden könnte, vermochte Notvorstandsmitglied Schwester Hildegard am Freitag noch nicht zu sagen. „Ich habe heute erst die Bestätigung vom Amtsgericht erhalten, dass ich zum Notvorstand bestellt worden bin. Die erste Aufgabe wird sein, sich zunächst einmal ein Bild von der Situation in Zweifall zu machen und mit den dortigen Schwestern Kontakt aufzunehmen.”

Die Örtlichkeiten dürften der im Kloster St. Josef Auderath in Rheinland-Pfalz beheimateten ehemaligen Priorin, die Vorsitzende der Föderation der Karmelitinnen-Klöster in Deutschland ist, noch bekannt sein: Im Oktober 2005 hatte sie den vom Vatikan entsandten Pater Paul Weingärtner bei dessen Visitation in Zweifall begleitet. Wenige Wochen später war die offizielle Schließung des Klosters von Rom verfügt worden.

Den zweiköpfigen Notvorstand komplettiert Schwester Josua Maria vom Karmelitinnenkloster „Heilige Familie” in Düren. Die Vorstandsmitglieder sind, so heißt es im gerichtlichen Beschluss, nur gemeinschaftlich vertretungsberechtigt.

„Das ist zunächst keine Angelegenheit des Bistums”, stellt Franz Kretschmann fest, aber: „Natürlich werden wir dem Notvorstand beratend zur Seite stehen.”
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