Kali-Halde: Pilotanlage wird nächstes Jahr gebaut

Von: Jürgen Lange
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Eine tickende und stinkende Zeitbombe: Bis zu einer Höhe von 38 Metern wurden nahe dem Stolberger Hauptbahnhof bis ins Jahr 1944 unterschiedliche Rückstände aus der chemischen Produktion ungeordnet aufgeschüttet. Regen schwemmt aus der 2,6 Millionen Kubikmeter umfassenden Altlast Salze aus, die Saubach und Inde belasten und üblen Geruch verbreiten.
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Andreas Illguth und Uwe Zink (r.) nehmen die nächste Phase zur Sanierung der Kali-Halde in Angriff.

Stolberg. Der Bauantrag ist gestellt, ausgeschrieben und gebaut werden soll im nächsten Jahr, damit das, was im Labor bereits funktioniert dann auch in der Praxis umgesetzt werden kann: Uwe Zink nimmt die nächste Phase der Sanierung der Kali-Halde in Angriff.

Die bis zu 38 Meter hohe, dreieckige Aufschüttung mit einem Volumen von rund 2,6 Millionen Kubikmetern ist die letzte große Altlast in der Städteregion und für den Umweltdezernenten auch eine Geduldsprobe.

Nach jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen schlossen erst 2006 Eigentümerin Solvay GmbH als Rechtsnachfolgerin der Kali Chemie AG und die zuständige Städteregion gemeinsam mit dem Düsseldorfer Umweltministerium und dem Altlastensanierungs- und -aufbereitungsverband in NRW (AAV) eine Vereinbarung über die Sanierung, die auch das jeweilige finanzielle Engagement regelt.

Zehn Millionen Euro sind erst einmal angesetzt, um diese tickende Zeitbombe nahe dem Stolberger Hauptbahnhof zu entschärfen, deren Sickerwässer stinken sowie Saubach und Inde belasten. Von 1852 bis 1944 wurden alle Abfallstoffe und Rückstände, insbesondere Calciumsulfid aus der Produktion von Soda, aber auch diverser weiterer Chemikalien, ungeordnet aufgeschüttet. Vor allem unterschiedliche Salze werden durch das Niederschlagswasser ausgespült, und Schwefelwasserstoffgas sorgt für eine entsprechende Geruchsbelästigung.

Seit 2006 wird die Problematik Schritt für Schritt angegangen, die einzelnen Maßnahmen werden detailliert geplant. Nachdem zuerst seltene Orchideen umgesiedelt wurden, rückten 2009 die Bagger an. Entlang des Haldenfußes an der Bahnlinie wurde eine Drainage gelegt, mit der die Sickerwässer aus der Halde aufgefangen und gesammelt werden sollen. „Das hat bereits zu entscheidenden Verbesserungen geführt“, weist Zink auf die reduzierte Geruchsbelästigung hin.

Allerdings tritt weiterhin Sickerwasser auch diffus aus. Ob versucht werden muss, auch diese Quellen zu erfassen, wird sich erst später zeigen, wenn der Erfolg der nächsten Sanierungsphase messbar wird. Seit 2011 wurden in Zusammenarbeit mit einem RWTH-Institut Haldenplateau und Randbereiche mit mehr als 30.000 kleinen Douglasien bepflanzt. Sie sollen entscheidend dazu beitragen, die Sickerwassermengen zu reduzieren.

„Die Douglasie ist die optimale Pflanze für diesen extremen Standort“, erklärt Zink. Der durstige Baum sorgt selbst im Winter für eine erhebliche Verdunstung des Regens über seine Nadeln. Ihren optimalen Wirkungsgrad werden die Setzlinge mit fortgeschrittenem Alter erreichen.

In der nächsten Phase wurden im vergangenen Jahr steile Böschungen begradigt und im Anspritzverfahren begrünt. Nun soll die entscheidende Phase folgen und eine Aufbereitungsanlage für die Sickerwässer gebaut werden. Seit langem laufen Laborversuche, wie das vor allem mit Sulfiden und Schwefelverbindungen belastete Wasser gereinigt werden kann. Gemeinsam mit Bayer wird ein in den Niederlanden entwickeltes Verfahren, das auch im Bergbau eingesetzt wird, auf Stolberger Verhältnisse angepasst. Im Wesentlichen sollen dazu in Bioreaktoren durch die Zugabe von Kalkmilch die nicht alltäglichen Schwebstoffe ausgefällt und das Wasser weiter gereinigt werden.

Nun soll vor Ort eine zweistufige Pilotanlage gebaut und auf Alltagstauglichkeit getrimmt werden. Kalkuliert sind eine Investition von 4,5 Millionen Euro für die erste und weitere 1,16 Millionen Euro für die zweite Stufe mit jährlichen Betriebskosten von jeweils 0,5 Millionen Euro. Uwe Zink rechnet damit, dass bei der Umsetzung von den Labor- in den Praxismaßstab umfangreiche Nachjustierungen erfolgen werden. „Wir gehen davon aus, dass wir ab 2018 im Regelbetrieb arbeiten können“, sagt der Umweltdezernent. Die Sanierung der Halde soll seine Wirkung auf den Saubach und die Inde nicht verfehlen. Sie sollen deutlich sauberer werden.

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