Kaffee „auf Knopfdruck“? Nicht hier!

Von: Dirk Müller
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Kaffee
Für die Zubereitung stehen heutzutage viele verschiedene maschinelle Varianten zur Verfügung, doch Kaffee „auf Knopfdruck“ kommt für Elvira von Wirth nicht in Frage. Foto: D. Müller

Stolberg. Ob schwarz, ob braun oder gar blond und süß – für viele Menschen ist es der einzig denkbare Start in den Tag: Die Zeitung in der Hand schwebt der köstliche Duft von frischem Kaffee über dem Morgen, und der koffeinhaltige Muntermacher dampft frohlockend in der Tasse. Für die Zubereitung des Heißgetränks stehen heutzutage viele verschiedene maschinelle Varianten zur Verfügung, doch Kaffee „auf Knopfdruck“ kommt für Elvira von Wirth und Bärbel Wiese nicht in Frage.

Sie zelebrieren Kaffee von der Zubereitung bis zum Genuss. Und die Zubereitung fängt im Museum in der Torburg mit grau-grünen Bohnen an, die an blass gewordene Erbsen erinnern. „Wir verwenden feinsten Arabica-Kaffee aus dem Hochland von Peru. Dabei legen wir großen Wert darauf, dass der Rohkaffee fair gehandelt wird, auch wenn er im Einkauf teurer ist“, beschreibt Wiese.

Genussmittel Nummer eins

Damit aus dem unscheinbaren Rohmaterial kaffeebraune Bohnen werden, heizt von Wirth zunächst einen gasbetriebenen Röster an, der nicht nur betagt ist, wie es sich für ein Museum gehört. „Unser großer Probat-Röster aus dem Jahr 1920 ist der älteste seiner Art, der tatsächlich noch in Gebrauch ist“, erklärt von Wirth. Die Bohnen werden auf Anfrage und zu besonderen Anlässen wie den Kupfermeisterfrühstücken geröstet, und „immer wenn uns der Kaffee ausgeht“, ergänzt sie. Am heutigen Samstag wird von Wirth um 15 Uhr im Torburgmuseum natürlich auch die Bohnen aus Peru bei 200 Grad Celsius rösten, schließlich ist es der Tag des Kaffees.

Aus mehr als 200 Kilogramm Rohkaffee jährlich produziert der Förderverein des Museums das Genussmittel Nummer eins der Deutschen. 149 Liter Kaffee konsumiert im Durchschnitt jeder Bundesbürger im Jahr; das Getränk rangiert so noch vor Wasser und Bier. Bärbel Wiese und Elvira von Wirth halten den Schnitt hoch: Einen Dreiviertel Liter trinkt jede von ihnen täglich.

Und ihr Genuss beschränke sich nicht auf den Geschmack, denn besonders beim Rösten komme die Nase vor dem Gaumen ins Spiel. „Der peruanische Arabica, den wir zur Zeit verarbeiten, ist nicht leicht zu rösten. Die Rohbohnen nehmen die Hitze schwer an. Ich muss ständig Proben entnehmen und Geduld haben, um den richtigen Röstgrad zu erhalten“, sagt von Wirth, und räumt im selben Atemzug ein, dafür mehrfach entschädigt zu werden.

Schon der Duft der röstenden Bohnen sei ein olfaktorischer Hochgenuss, „und am Ende steht eine ganz exquisite Röstung.“ Diese wird im Torburgmuseum dann bewusst etwas grober gemahlen. „So umspielt das Wasser das Kaffeepulver und der Filter verschlammt nicht so schnell“, führt von Wirth aus. Nachdem in der gemütlichen Kaffeestube bereits „die Nase mitgetrunken“ hat, kommt nun noch das Auge ins Spiel. Das Flair versetzt die Besucher in Uromas Zeiten zurück.

„In unseren Regalen stehen 160 verschiedene Kaffeemühlen“, sagt Wiese nicht ohne Stolz. Die Modelle aus mehreren Kaffee-Epochen sind aus Holz, Eisen, Porzellan, Messing oder Bakelit, darunter spezielle Raritäten wie eine Schiffskaffeemühle oder ein alter „Mahl-o-mat“, aus dem Prym-Arbeiter einst für 50 Pfennig eine Tassenportion Kaffeepulver ziehen konnten. Auch kleinere historische Röster für den Hausgebrauch sowie ein betagtes mobiles Gerät für Kaffee-Einkäufer und eine Bohnensortiermaschine sind zu sehen.

Serviert wird der Kaffee im Museum selbstverständlich stilecht: Die alten Kännchen sind reich verziert, die pittoresken Gedecke aus feinem Porzellan, die Tassen mit Goldrändern versehen. Der Kuchen, der zum Hochland-Arabica gereicht wird, ist selbst gebacken. Als „Nachtisch“ lockt das „Stolberger Museumströpfchen“, ein Kaffee-Sahne-Likör.

Mehr im Internet:

www.museum-torburg.de

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