Stolberg/Eschweiler - Juristen-Empfang: Verjüngung birgt auch Probleme

Juristen-Empfang: Verjüngung birgt auch Probleme

Von: pan
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Trafen sich gestern im Amtsgericht Eschweiler zum Neujahrsempfang: Anwälte, Richter, Notare und Justizangestellte. Foto: Patrick Nowicki

Stolberg/Eschweiler. 26 Amtsgerichte befinden sich im Kammerbezirk Köln, doch nur in einem treffen sich zum Jahresstart die Juristen zum Plausch: im Amtsgericht Eschweiler. Zum vierten Mal fand es statt, was den Gastgeber, Amtsgerichtsdirektor Ulrich Conzen, dazu brachte, gleich von „Brauchtum” zu sprechen.

Und er blickte zurück. Auf ein Jahr, in dem „das Amtsgericht jünger geworden ist”. Drei erfahrene Richter gingen in den Ruhestand. Zurzeit verrichten fünf Proberichter ihren Dienst am Eschweiler Amtsgericht.

Eine Verjüngungskur, die allerdings auch Probleme in sich birgt, wie auch der Landgerichtspräsident Dr. Stefan Weismann herausstellte: „Bei allem Einsatz der jungen Kollegen fällt es schwer, auf so viel Erfahrung zu verzichten.” Von den derzeit im Landgerichtsbezirk Aachen tätigen 180 Richtern seien 60 junge Proberichter. Das Mentorenmodell soll nun helfen: Ein erfahrener Richter im Ruhestand unterstützt einen jungen Proberichter. In den Augen von Dr. Stefan Weismann ein durchaus lohnenswertes Projekt.

Die Wirtschaftskrise hielt die Welt im vergangenen Jahr in ihren Krallen und so wunderte es nicht, dass als Gastredner ein Jurist für den Neujahrsempfang gewonnen werden konnte, der über „Augenmaß und Bodenhaftung” sprach und dabei vor allem das Finanzgebaren von Banken und Aktiengesellschaften im Auge hatte. Der Bonner Rechtsanwalt Dr. Claus Recktenwald übernahm diese Rolle. Und der Mann wusste, wovon er sprach, absolvierte er doch eine Lehre zum Bankkaufmann und sitzt selbst in sechs Aufsichtsräten

Die Krise habe dazu geführt, dass sich die Unternehmen auf ihr Kerngeschäft konzentrieren: War es vor einigen Jahren noch modern, den Trends hinterher zu eifern und an den Börsen eine Seifenblase nach der anderen zu produzieren, kehrt man nun wieder zu den eigenen Wurzeln zurück. „Ein Bekenntnis zum Kerngeschäft bedeutet kein Ausschlusskriterium: Wer heute einen Otto-Motor herstellt, kann morgen einen Elektromotor anbieten”, betonte der Jurist.

Auch auf die Wirtschaftskrise kam Dr. Claus Recktenwald zu sprechen: „In Deutschland hat doch kein Mensch gedacht, dass eine Bank jemals pleite gehen kann.” Dabei habe es in seinen Augen schon einmal eine ähnliche Krise gegeben. Im Jahr 1996. „Die T-Aktie war damals das riskanteste Papier überhaupt”, behauptet er.

Als Gründe nannte er, dass keine Planungssicherheit vorgelegen habe und sich ein Großteil auf der Regulierung des Telekommunikationsmarktes gestützt habe. „Die Aktienkäufe der Bürger waren größtenteils mit Spargeld finanziert”, so Dr. Recktenwald. Als das Monopol fiel, stürzte auch die Aktie in den Keller. Deswegen sei Transparenz in der Wirtschaft wichtig. Zwar reagierte der Gesetzgeber auf die aktuelle Krise, aber vielfach seien noch nicht die entscheidenden Probleme angepackt. So fordert er mehr Eigenverantwortung der Manager. Mit dem Vorstandsvergütungsgesetzen sei das nur unzureichend geregelt.

Nach dem Vortrag bestand noch viel Zeit für ein Gespräch im Amtsgericht. Zu den Gästen zählten auch der Präsident der Rechtsanwaltskammer Köln, Dr. Hubert W. van Bühren, der Vorsitzende des Aachener Anwaltsvereins, Franz-Josef Joussen, sowie die Vertrauensanwältin für den Amtsgerichtsbezirk Eschweiler, Katrin Leusch-Jacquemain.
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