Jupp Hammerschmidt: Die Eifel ist die Wiege der klassischen Oper

Von: Dirk Müller
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Jupp Hammerschmidt im „The Savoy“: Der Kabarettist begeisterte die Gäste mit Anekdoten, Liedern und Gedichten aus einem kalten und entbehrungsreichen Landstrich – der Eifel. Foto: D. Müller

Stolberg. „Pudding mit Haut und Knubbelen“ mag nicht jedermanns favorisierter Nachtisch sein, aber die humoristische „Dichtung und Wahrheit“, die Jupp Hammerschmidt im sehr gut besuchten „The Savoy“ servierte, traf voll den Geschmack des Publikums.

Der Kabarettist begeisterte die Gäste mit Anekdoten, Liedern und Gedichten aus einem kalten und entbehrungsreichen Landstrich – der Eifel.

Die Kälte in seinem Heimatort Höfen konnte Hammerschmidt leicht erklären: Sie werde von den Nachbarn im Reservat, also Kal­terherberg, herübergeschickt. „Der Kalterherberger an sich ist ja auch nicht so kälteempfindlich, aber wir Höfener haben nun mal keine Ganzkörperbehaarung“, haderte Jupp Hammerschmidt.

Kostüme, Fotos, Playbacks

Am Alter Markt präsentierte er sein aktuelles Kabarett-Programm „Pud­ding mit Haut und Knubbelen. Die Eifel – Dichtung und Wahrheit“ – und punktete beim Publikum mit zahlreichen Pointen. Und auch damit, dass sein zweites Solo-Programm noch dichter daherkommt als sein Vorgänger.

Hammerschmidt singt Lieder nun zu instrumentalen Playbacks, belegt die Erinnerungen an seine Kindheit mit 16 Geschwistern mittels großformatiger Fotografien, streut einen Kostümwechsel ein.

Seine Worte „von der totalen Begeisterung bis zur unmittelbaren Einweisung ins Jeckes – alles ist möglich“ hätten das Programm auch untertiteln können, denn Hammerschmidt förderte Unglaubliches zutage. Etwa dass die Eifel die Wiege der klassischen Oper sei.

„Der Verdi hatte damals eine Ferienhütte in Mützenich und beobachtete die Kalmukken“, erklärte der Kabarettist. Jene „Kalmukken“, die Ureinwohner von Kalter­her­berg, seien einst in Gefangenschaft geraten, hätten sich aber dank ihres starken Zusammenhalts nicht unterkriegen lassen.

„Von diesem Wir-Gefühl war Verdi so angetan, dass er den ,Gefangenenchor der Kalmukken‘ schrieb.“ Hammerschmidt beließ es nicht dabei, den Chor zu singen; er vermittelte dem Publikum interaktiv das Wir-Gefühl der „Kalmukken“.

Rap – eine Erfindung aus Höfen

Vielleicht noch überraschender war seine Entdeckung, dass selbst die Rap-Musik aus der Eifel stam­me. Genau genommen sei der rhythmische Sprechgesang mit der Zeile „Zimmermanns Jupp, der ärme Schlupp“ in einer Sakristei in Höfen erfunden worden.

Eine weitere Reminiszenz an den Katholizismus der Eifel ließ Hammer­schmidt mit einer umgeschrieben Passage von „Lobet den Herren“ erklingen: „Fröhliches Land, alle sind ganz nah verwandt. Lasst uns das Bierglas drauf leeren“, hallte es durch das „The Savoy“.

Hammerschmidt erntete Lacher zuhauf, selbst als er leise Töne anschlug wie in einem nachdenklichen Gedicht, das mit den Versen beginnt: „Isch hätt so järn nen Waschbrettbauch, den hat der Bräht Pitt auch“.

Die fantastische Parodie einer Radioübertragung vom Reitturnier, bei dem „Paul Sockenmühle“ auf „Kleister“ zu Gold springt, sowie die witzigen Einblicke in die Parallelwelt der Eifel und der Eifeler kamen beim Publikum sehr gut an.

Ebenso wie die Geschichten aus Hammerschmidts eigener Jugend. So besang der Kabarettist die „Mädchen aus Schleiden“, erzählte von seinen „Tanten mit eierlikörgebeizten Stimmen“, von „reinsten Backzillenschleudern“, von dem Kindheitstrauma Knickerbocker oder von seiner ersten Freundin namens Mathilde: „Die war genauso alt wie ich, aber in der Schule viermal sitzengeblieben, also war sie zwei Klassen über mir.“

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