Junges Team der Schülerzeitung beschäftigt sich mit Judenverfolgung

Von: xeni
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Das Redaktionsteam der Schülerzeitung erhielt nicht nur einen Preis beim bundesweiten Geschichtswettbewerb, sondern sammelte auch viele Erfahrungen. Foto: X. El Mourabit

Stolberg. Nino Bündgen, 15, findet „die Geschichte von damals eh schon spannend“. Mit „damals“ meint er die Zeit des Nationalsozialismus. Gemeinsam mit seinen Kollegen der Schülerzeitung „Kogelstreetnews“ hat er recherchiert und viel über diese Zeit herausbekommen.

Und über den silbernen Knopf, mit dem alles anfing: Im November letzten Jahres waren Schüler der achten Klasse der Ganztageshauptschule Kogelshäuserstraße bei einer Gedenkveranstaltung anlässlich der Reichspogromnacht und bekamen dort einen alten Knopf mit den Worten „Macht was draus!“ überreicht. Das haben sie getan. „Erst war es nur ein Knopf, aber dann konnten wir ihn mit Hintergrund füllen.“, sagt Maik Ziebuhr, 15.

Im Archiv recherchiert

Nach und nach sei der Knopf lebendig geworden, ergänzt Claudia Titz, die Lehrerin, die das Projekt der Schülerzeitung betreut. Gemeinsam mit dem Knopf sind die Schüler in die Vergangenheit gereist. Sie haben nachgeforscht, was der Knopf erlebt haben könnte. Sie haben Fotos gescannt, Bücher zum Thema gelesen, im Stadtarchiv recherchiert und Interviews durchgeführt.

Das Ergebnis ihrer dreimonatigen Arbeit ist ein circa 15 minütiger Film geworden, mit dem die Schülerinnen und Schüler am History Award, einem bundesweiten Geschichtswettbewerb, teilgenommen haben. Bei der Preisverleihung in München wurde der Film der Stolberger Teilnehmer auf den sechsten Platz gekürt.

Einige Mankos habe es gegeben, findet die Jury, doch Prof. Dr. Johannes Moser beispielsweise meint, überzeugt habe vor allem „das große Engagement der Beteiligten“. Finanzielle Unterstützung für die Arbeit rund um den Knopf und seine spannende Geschichte gab es durch die Bürgerstiftung Stolberg und das Integrationsbüro der Städte-Region.

Bekommen haben die Schüler vom Ausrichter des Wettbewerbs eine Urkunde und einen Blumenstrauß. Doch gewonnen haben sie am Ende viel mehr: Sie haben „neue Eindrücke in die Zeit des Nationalsozialismus bekommen“, sagt David Castro Borrego, 17. Die Schülerinnen und Schüler sind fasziniert von diesem Thema gewesen und haben durch ihre Recherchen eine Menge gelernt. „An einigen Stellen hat es richtig Spaß gemacht!“, findet Nino.

Auch über ihre eigene Umgebung, über die Stadt Stolberg während der Zeit des Nationalsozialismus haben sie einiges herausfinden können. So hat der Vierzehnjährige Dominik Holst beispielsweise durch den Knopf erfahren, dass es in seiner Gegend ein Sammellager für Leute gab die deportiert werden sollten.

Nach der Preisverleihung haben die Schüler das ehemalige Konzentrationslager Dachau besucht. Die heutige Gedenkstätte hat sie erschüttert, und die Jugendlichen sind sich einig, es war „sehr schrecklich was man da erlebt hat“, aber, „man konnte verstehen, was vor sich gegangen ist“, findet Mark Stahlbock, 14.

Den Namen weg genommen

Dominik fand es besonders schlimm zu sehen, dass die Gefangenen bis aufs Letzte gedemütigt wurden „Sie wurden nicht gleich in der Gaskammer ermordet, wie man sich das vorgestellt hat. Sie wurden zunächst rasiert, desinfiziert, ihnen wurde der Name weggenommen, sodass sie nur noch eine Nummer waren. Sie mussten schwerste Arbeit leisten und hatten wenig zu essen. Geschlafen wurde in Holzbaracken, die Betten waren einfach nur so Regale“, erzählt er, und es ist deutlich zu spüren, wie ihn diese Erlebnis berührt hat.

Die Geschichte vom Knopf ist Geschichte zum Anfassen, hat Geschichte lebendig werden lassen, die Schüler sehr beeindruckt. Und so ist es kein Wunder, dass sie ihr nächstes Projekt bereits gefunden haben. Diesmal möchten sie sich mit dem Thema Sinti und Roma beschäftigen.

Sie wollen genauer klären, wie es den Sinti und Roma aus Stolberg früher ergangen ist und wie die Situation der beiden Volksgruppen heute aussieht. Was sie später aus ihren Informationen machen steht noch nicht fest, nun freuen sich die Schüler erst einmal aufs recherchieren.

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